Der Schlosser, der Geschichte schrieb
Seit über 100 Jahren werden Automobile mit dem Namen Opel produziert. Aus der Nähmaschinenfabrik des vorletzten Jarhunderts wurde ein Fahrzeughersteller mit glanzvoller Geschichte.
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Es war die Zeit, in der Menschen aufbrachen, um ihr Glück auf neuen Kontinenten zu suchen. Eine Zeit, in der es noch Märkte zu besetzen gab. Einer, der das tat, war Adam Opel. Als ältester Sohn des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel aus Rüsselsheim macht er sich nach Lehrzeit und Gesellenwanderschaft 1863 in Rüsselsheim selbstständig und produzierte von da ab Nähmaschinen. Ab 1886 entstehen in der opelschen Fabrik zudem die ersten Fahrräder.
Zur selben Zeit rollt das Automobil auf die Bühne der Welt – der Beginn der individuellen Massenmotorisierung.1898, drei Jahre nach dem Tod des Firmengründers, erkennen die Söhne Adam Opels die Zeichen der Zeit und lassen sich auf das Experiment Automobilbau ein: Am 21. Januar 1899 erwerben sie die Motorwagenfabrik des Dessauers Friedrich Lutzmann und beginnen mit der Automobilproduktion in Rüsselsheim. Da der erhoffte wirtschaftliche Erfolg nicht eintritt, trennen sich die Opel-Brüder zwei Jahre später wieder von Lutzmann und starten 1902 mit der Lizenzfertigung von französischen Darracq-Automobilen.
Erstes Opel-Automobil
Schon im Herbst des selben Jahres präsentiert die Marke Opel ihre erste Eigenkonstruktion: das Modell 10/12 PS. Von da ab gehts bergauf. Bereits 1906 wird das 1.000. Opel-Fahrzeug produziert. Um auch den mittleren Bevölkerungsschichten eine bezahlbare Motorisierung zu ermöglichen, startet Opel 1901 parallel zur Automobil- die Motorradproduktion.
Der entgültige Durchbruch gelingt dem Rüsselsheimer Hersteller im Jahr 1909 mit dem Modell 4/8 PS. Der legendäre „Doktorwagen“ kostet halb so viel wie die luxuriösen Konkurrenzmodelle und findet bei einer breiten Bevölkerungsschicht reißenden Absatz. Opel wächst rasant und ist 1914 größter deutscher Automobilhersteller. Ein weiteres Erfolgsmodell kommt auf den Markt: der Opel 5/12 PS mit dem Spitznamen „Püppchen“.
Bereits frühzeitig betätigt sich Opel im Rennsport und legt mit dem Grand-Prix-Rennwagen von 1913 den Grundstein der zukunftsweisenden Vierventilmotoren-Technologie. Ein Jahr darauf entsteht das größte jemals produzierte Opel-Triebwerk, ein 12,3-Liter mit 260 PS für den Renn- und Rekordwagen. Die erste permanente Versuchsstrecke Deutschland – die Opel-Rennbahn – eröffnet das Unternehmen 1919 südlich seines Stammsitzes.
Der Laubfrosch kommt
Als erster deutscher Hersteller setzt Opel ab 1924 in der Serienfertigung die Fließbandtechnik ein. Der Vorteil dieser Produktionsmethode: Opel kann seine Fahrzeuge zu einen vergleichsweise günstigen Preis anbieten. Das Erfolgsmodell Opel 4/12 PS, genannt „Laubfrosch“, entsteht. Bis 1931 werden fast 120.000 Einheiten dieses Typs gebaut.
Weiter steil bergauf geht es in den Folgejahren. So erreicht das Unternehmen 1928 in Deutschland einen Marktanteil von stolzen 37,5 Prozent, was rund 42.000 verkauften Einheiten entspricht. Gleichzeitig genießt Opel den Ruf des größten Zweiradherstellers weltweit.
Doch die Weltwirtschaftskrise führt dazu, dass sich die Opel-Brüder Ende der zwanziger Jahre nach einen finanzstarken Partner umsehen und ihn schließlich mit General Motors finden: Im März 1929 wird der weltgrößte Automobilbauer neuer Mehrheitseigentümer in Rüsselsheim. Die steigende Nachfrage nach Nutzfahrzeugen führt 1935 zum Bau des neuen Opel-Werkes in Brandenburg. Durch die Verlagerung der Geschäftsfelder wird die Produktion von Fahrrädern aufgegeben und an NSU verkauft.
Meilenstein Olympia
Im gleichen Jahr präsentiert das Werk das erste deutsche Großserienfahrzeug mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, den Opel Olympia. Eine revolutionäre Konstruktion, die die entgültige Abkehr vom Kutschenbau einläutet. 1937 rollt ein Wagen auf die automobile Weltbühne, dessen Namen heute noch fast jeder kennt: der Opel Kadett. Ihm folgt ein Jahr später ein ebenfalls berühmtes Opel-Modell: der Admiral und der Super 6 verkörpern mit ihren Sechszylinder-Motoren das automobile Oberhaus. 1938 folgt dem Super 6 mit dem Kapitän ein weiterer Meilenstein der opelschen Automobilgeschichte.
Während des zweiten Weltkriegs ruht die Pkw-Produktion, nachdem 1940 noch der einmillionste Opel, ein Kapitän, vom Band gelaufen war. Stattdessen produzieren die Rüsselsheimer nun Wehrmachts-Lkw, Flugzeugtriebwerke und zahlreiche weitere kriegswichtige Produkte. Nach dem Krieg erfolgt nach dem Wiederaufbau des Werks Rüsselsheim die Produktion von Opel-Blitz-Lkw. Das Werk in Brandenburg ist irreparabel zerstört. Die Russen transportieren die verbliebenen Kadett-Produktionsanlagen als Reparationszahlung in die Sowjetunion. Dort wird der Wagen über viele Jahre weiter als Moskwitsch gebaut wird.
Ausbau der Modellpalette
1947 produziert Opel den erste Nachkriegs-Pkw, eine überarbeitete Version des Opel Olympia. Anfang der fünfziger Jahre hat sich der Hersteller von den Kriegsschäden erholt und stellt im März 1953 das neue Modell Olympia Rekord vor – die erste Neuentwicklung nach dem Krieg. Bereits Ende 1956 feiert Opel mit einem vergoldeten Kapitän das zweimillionste produzierte Fahrzeug.
Die Opel AG kann an ihre alten Verkaufserfolge anknüpfen. 1962 eröffnet in Bochum ein zweites Werk. Der neue Kadett wird hier von knapp 11 000 Menschen hergestellt, und Opel hat zum ersten Mal wieder einen Wagen in der Kompaktklasse anzubieten. Er wird über die Jahre hinweg kontinuierlich weiterentwickelt und mausert sich zu einem Bestseller im Opel-Verkaufsprogramm.
Eine Dreifach-Speerspitze für die Oberklasse bringt das Werk 1964 mit der KAD-Baureihe auf den Markt: Kapitän, Admiral und Diplomat. Erstmals gibt es einen Opel mit V8-Motor. Zur IAA 1965 präsentiert die Rüsselsheimer Traditionsmarke mit dem Sportcoupé Opel GT einen Versuchsträger, der drei Jahre später zu einem Highlight ihrer Verkaufspalette avanciert.
Um die Lücke zwischen Kadett und Rekord zu füllen, lancieren die Rüsselsheimer 1970 den Ascona und die Coupé-Variante Manta – beides Fahrzeuge, die den Ruf Opels als Anbieter konservativer Fahrzeuge nachhaltig verändern. So entstehen von beiden Typen in Laufe der Jahre sehr erfolgreiche Renn- und Rallyeausführungen. Unvergessen: 1982 werden Walter Röhrl und Christian Geisdörfer mit dem Opel Manta 400 Rallye-Weltmeister.
Opel Senator/Monza lösen ab 1977 die KAD-Reihe ab. Beide basieren auf dem Rekord E und platzieren sich, anders als ihre Vorgänger, in der oberen Mittelklasse. Ende der siebziger Jahre kommt mit dem Kadett D der erste Frontantriebs-Opel auf den Markt. Zusammen mit Ascona C (1981) und Corsa (1982) bricht ein neues Zeitalter der über 100-jährigen Automobilgeschichte der Adam Opel AG an.
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