Der Tacho-Spion

Redakteur: Steffen Dominsky

Mit dem Ultraschall-Messgerät der Firma H.A.P.S. lassen sich defekte Bauteile an Kraftfahrzeugen diagnostizieren und mögliche Kilometerstände offenlegen.

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Wenn jemand „das Gras wachsen hört“ gilt das gemeinhin nicht gerade als nützliche Qualifikation. Dabei ist ein sensibles Gehör gerade in der Technik von großem Vorteil. Denn nahezu jedes Bauteil kündigt einen bevorstehenden Defekt akustisch an bzw. gibt bei einer Fehlfunktion entsprechende Geräusche von sich. Das Problem: Man muss das Ganze auch hören.

So erkennt der Kfz-Experte ein defektes Lager gelegentlich noch mit bloßem Ohr bzw. mithilfe von Großvaters mechanischem Stethoskop. Eine exakte und sensible Fehlerdiagnose ist auf diese Art nur selten möglich, den Verschleiß kann der Fachmann so sicher nicht bestimmen. Dass dies in zahlreichen Fällen wünschenswert wäre, zeigt das Beispiel Tachostand. Experten schätzen, dass zirka 30 Prozent aller Kilometerstände von Gebrauchtwagen „frisiert“ sind.

Eine universelle technische Möglichkeit, die wahre Laufleistung von Gebrauchtwagen zu ermitteln, wäre die Lösung. Und die gibt es – mit dem „Tacho-Spion“. Er ermittelt den Verschleißgrad von mechanischen Komponenten, woraus der Profi Rückschlüsse auf die Laufleistung des Fahrzeugs ziehen kann – echte Kilometerstände kann das Gerät jedoch nicht bestimmen.

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Das Ganze funktioniert so: Jedes mechanische Bauteil erzeugt im Betrieb Geräusche, sogenannten Körperschall. Er ist für jedes Objekt charakteristisch und verändert sich im Falle eines Defekts. Diese Tatsache macht sich der Ultraschall-Spion (siehe Kasten) zunutze. Ein hochempfindliches Mikrofon empfängt die Wellen im Ultraschallbereich von 40 kHz und macht sie für das menschliche Ohr hör- und verborgene Defekte damit „sichtbar“.

Das erkannte auch Michael Schmutzenhofer. Als Maschinenbautechniker setzte der Inhaber der Firma H.A.P.S. den Ultraschall-Spion in der Gebäude- und Anlagentechnik sowie bei Stationärmotoren ein. Er stellte fest, dass sich das Gerät nicht nur dazu eignet, Istzustände aufzuzeigen, sprich: defekte Bauteile zu entlarven. Denn auch das Geräuschbild von intakten Motoren und deren Anbauteilen verändert sich im Laufe der Zeit. Schmutzenhofer erkannte: Dokumentierte und katalogisierte er das Ganze, ermöglichte es ihm eine qualifizierte Aussage über den Verschleißgrad und somit über die tatsächliche Laufleistung.

2001 entschloss sich der bekennende Autonarr, die Technik auch bei Kraftfahrzeugen einzusetzen – das war die Geburtsstunde des Tacho-Spions. Jedes Fahrzeug, das er bekommen konnte, vermaß er akustisch und zeichnete die charakteristischen Schalldiagramme mittels Taschen-PC auf – im Neuzustand, gebraucht und verschlissen. So entstand im Laufe der Zeit eine beeindruckende Schalldatenbank: Über 4.000 Fahrzeugmodelle sind darin hinterlegt – Tendenz steigend.

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