Eine neue Studie widmet sich erstmals umfassend der Biografie von Adolf Rosenberger. Der Bonner Historiker Prof. Dr. Joachim Scholtyseck zeichnet darin das Leben des jüdischen Rennfahrers und Unternehmers und dessen Beitrag zur Porsche-Geschichte nach.
Eine jetzt veröffentlichte Studie zeichnet das Leben des Porsche-Mitbegründers Adolf Rosenberger (1900-1967) nach.
(Bild: Porsche AG)
Wer hat Porsche erfunden? „Na der Herr Porsche!“. So denken vermutlich die meisten Menschen. Schließlich lehrt und es die Geschichte, dass Ferdinand Porsche am 1. Dezember 1930 ein Büro für „Die Konstruktionen und Beratung für Motoren und Fahrzeuge“ eintragen ließ. Doch wie das mit Geschichte oftmals so ist: Nicht immer wird sie korrekt erzählt bzw. fallen durchaus auch einmal Fakten unter den Tisch, bzw. geraten im Laufe der Zeit in Vergessenheit. So auch im Fall Porsche. Zu diesem Ergebnis kommt die Biografie des Bonner Historikers Prof. Dr. Joachim Scholtyseck. Der hat das Leben eines gewissen Adolf Rosenberger, einem jüdischen Rennfahrer und Unternehmers jetzt nachgezeichnet, vor allem dessen Beitrag zur Porsche-Geschichte. Damit, so das Stuttgarter Unternehmen, ergänzt er das von den Rosenberger-Nachfahren und Porsche gemeinsam initiierte Projekt die Forschung zu den Anfängen des Unternehmens um wichtige Erkenntnisse.
Am 25. April 1931 gründete Rosenberger gemeinsam mit Ferdinand Porsche und Anton Piëch offiziell die Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH. Er prägte das Konstruktionsbüro in der Frühphase maßgeblich mit und trug als Gesellschafter und Geschäftsführer zu dessen Aufbau bei. Sein Name geriet nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten nahezu in Vergessenheit. „Das Forschungsprojekt auf gemeinsame Initiative der Adolf Rosenberger gGmbH und der Porsche AG schließt eine bedeutsame Lücke in den Anfängen der Unternehmensgeschichte“, erklärt Achim Stejskal, Leiter Porsche Heritage und Porsche Museum.
Zwischen Aufbruch und Verfolgung
In den 1920er-Jahren hatte Rosenberger als Rennfahrer zahlreiche Erfolge gefeiert. Im Konstruktionsbüro verantwortete er als kaufmännischer Leiter Finanzen und Kundenkontakte und trug mit seinem Startkapital sowie seinem Netzwerk wesentlich zum Aufbau des Unternehmens bei. Im Jahr 1933 gab er die Geschäftsführung aus wirtschaftlichen Gründen ab. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet der jüdische Unternehmer zunehmend ins Visier des Regimes. 1935 musste er seine Gesellschaftsanteile zum Nominalwert an Porsche abgeben und war zeitweise im Konzentrationslager Kislau inhaftiert. Von Paris aus betreute er bis Ende 1937 das Geschäft mit Patenten und Lizenzen für Porsche im Ausland, bis Porsche die Zusammenarbeit endgültig beendete. 1938 emigrierte Rosenberger notgedrungen in die USA, wo er unter dem Namen Alan A. Robert mit zeitweiligem Erfolg versuchte, geschäftlich Fuß zu fassen. Ein 1950 durch einen Vergleich beendetes Restitutionsverfahren mit magerem finanziellem Ergebnis und der vergebliche Versuch, mit Porsche ins Geschäft zu kommen, prägten zudem Rosenbergers Zeit in den USA. Weitere Wiedergutmachungsverfahren mit dem Land Baden-Württemberg und seiner Heimatstadt Pforzheim endeten nicht immer zufriedenstellend. Er starb 1967 in Los Angeles.
Die unabhängige wissenschaftliche Studie erzählt nun erstmals Rosenbergers gesamte Lebensgeschichte – geprägt von kurzzeitigen Erfolgen und langfristigen Enttäuschungen – und schärft das Bewusstsein für eine differenzierte Erinnerungskultur. Untersucht wurden 19 zuvor abgestimmte Leitfragen – vom Aufwachsen in Pforzheim und dem Kennenlernen mit Ferdinand Porsche bis zur Gründung des Konstruktionsbüros. Zentral war dabei vor allem die Frage, warum er 1933 die kaufmännische Leitung abgab und unter welchen Umständen er 1935 als Gesellschafter bei Porsche ausschied. Zudem wurden die wieder aufgenommenen Verbindungen zum Unternehmen Porsche und dessen Mitarbeitern in der Zeit nach 1945 analysiert. „Mir ging es darum, Adolf Rosenberger durch eine umfassende Rekonstruktion seines Lebenswegs ein Gesicht zu geben – und zugleich die Gründe zu analysieren, warum er zwar als Rennfahrer erfolgreich war, aber als jüdischer Unternehmer in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Wirtschaftswelt herausgedrängt wurde“, so Professor Joachim Scholtyseck.
Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Zeithistoriker an der Universität Bonn, Dr. Sandra Esslinger aus der Familie Rosenberger und Achim Stejskal, Leiter Porsche Heritage und Porsche Museum (v. l.) stellten am 25. September das Buch„Adolf Rosenberger. Rennfahrer, Porsche-Mitgründer, Selfmademan. Eine Enttäuschungsgeschichte im Siedler Verlag“ vor.
(Bild: Porsche AG)
Unabhängige Forschung und konstruktive Zusammenarbeit
Professor Dr. Wolfram Pyta hatte in seiner 2017 veröffentlichten Arbeit „Porsche – Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke“ die Anfänge von Porsche bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zwar in einem eigenen Kapitel dargestellt. Wesentliche Quellen wie das Rosenberger Familienarchiv waren damals jedoch unberücksichtigt geblieben. Mit dem Ziel einer vollständigen Aufarbeitung riefen Rosenbergers Nachfahren 2019 die Adolf Rosenberger gGmbH ins Leben. In diesem Zusammenhang entstand der Gedanke, mit einer unabhängigen Studie über Adolf Rosenberger gemeinsam mit Porsche die bisherigen Lücken in dessen Lebensgeschichte zu schließen.
Stand: 08.12.2025
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Das Forschungsprojekt wurde von Porsche finanziell getragen, jedoch inhaltlich ergebnisoffen und nach höchsten wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt. Die Porsche AG und die Adolf Rosenberger gGmbH verständigten sich bereits im Vorfeld im Jahre 2022 darauf, die Ergebnisse der unabhängigen Studie anzuerkennen und in Deutsch und Englisch zu veröffentlichen. Dies war nun am 25. September im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München der Fall. Bei der Veranstaltung stellte Professor Dr. Scholtyseck die zentralen Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit sowie die Biografie „Adolf Rosenberger. Rennfahrer, Porsche-Mitgründer, Selfmademan. Eine Enttäuschungsgeschichte im Siedler Verlag“ vor.
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