„Design ist Kaufgrund Nummer eins“

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Neue gesetzliche Regelungen, zum Beispiel zum Fußgängerschutz, setzen ja auch dem Designer neue Grenzen. Arbeitet ein Designer heute anders als noch vor 20 Jahren?

Ja. Alles ist viel komplexer und schneller geworden. Wir müssen in kürzerer Zeit mehr schaffen. Die viele Elektronik, die untergebracht werden muss, die Sicherheitsregelungen, die zum Teil in verschiedenen Märkten sehr unterschiedlich sind, die länderspezifischen Anforderungen– all das muss man heute unter einen Hut bringen. Man könnte diese Komplexität nicht mehr mit den Mitteln von vor 20 Jahren beherrschen. Wir haben heute auch ganz andere technische Möglichkeiten in der Forschung und Entwicklung, als es vor 20 Jahren gab.

Die heutige Zeit bringt jedoch nicht nur Einschränkungen, sondern auch neue Möglichkeiten. Bei Elektroautos hat man zum Beispiel den klassischen Antriebsstrang nicht mehr und kann viele Komponenten anders anordnen. Wie sehr kann sich ein Designer da tatsächlich anders austoben?

Da bieten sich viele Möglichkeiten. Man kann einiges an den Proportionen verändern. Wenn ich keinen Verbrennungsmotor mehr habe, brauche ich keinen Auspuff, kein Getriebe, keine Kühlung, ich kann die Batterien vielleicht anders anordnen als den Tank. Das gibt uns andere Gestaltungsmöglichkeiten. Aber natürlich wird es weiterhin beispielsweise Überhänge geben, um Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Man braucht eine Kabine, in der die Leute sitzen, einen Gepäckraum, vier Räder, Türen und so weiter. Der Grundaufbau wird also bleiben.

Wollen die Kunden denn überhaupt Autos, die anders aussehen als sie es gewohnt sind?

Ich glaube, es geht ja nicht darum, ob es anders ausschaut oder nicht. Es geht darum, dass es gut ausschaut. Und letztlich ist es beim Design wie mit der Architektur: Es muss sinnvoll sein. Ich mache ja Dinge nicht anders, nur um sie anders zu machen, sondern weil ich die Komponenten sinnvoller anordnen möchte und damit Platz sparen kann. Bei allen Produkten ist ein stetiger Wandel vorhanden, ob es jetzt Autos sind oder Telefone oder Kameras. Letztlich geht es darum, dass ein neues Produkt mehr kann als das alte oder andere Vorteile hat.

Kia-Deutschland-Chef Martin van Vugt hat Sie mit einem Sternekoch verglichen, dessen Menü man nicht in einer Frittenbude verkaufen könne. Wie wichtig ist Ihnen als Designer das Ambiente, in dem die Autos verkauft werden?

Das ist mir nicht nur als Designer wichtig, sondern vor allem als Kunde. Das Autohaus muss dem Anspruch des Produktes und der Marke entsprechen. Es braucht eine gewisse Professionalität im Auftritt, sodass ich als Kunde das Gefühl habe: Hier bekomme ich ein gutes Produkt. Dazu muss ich in einer entsprechenden Form empfangen und behandelt werden. Dann passt das zusammen. Wir haben mit unseren Produkten große Verbesserungsschritte gemacht und diese Schritte müssen die Händler auch gehen. Wie ich zu Anfang sagte: Früher ging es bei Kia in erster Linie um einen günstigen Preis. Da ist es dem Kunden letztlich egal, wo er sein Auto kauft. Mittlerweile kommt der Kunde, weil er die Autos mag. Und deshalb muss auch die Atmosphäre beim Händler zu den Autos passen.

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Wenn man Kia mit einem europäischen Hersteller vergleicht: Was machen die Koreaner anders? Was machen sie besser?

Die Koreaner sind wahnsinnig schnell. Und zwar einerseits darin, sich auf Märkte einzustellen und ihre Kapazitäten auszubauen. Aber auch andererseits darin, neue Produkte zu entwickeln. Gleichzeitig kommen sie mit relativ knappen Budgets zurecht. Die Arbeit der Koreaner ist linear angelegt. Und sie orientieren sich sehr stark am Kunden. Es steckt eine andere Philosophie dahinter.

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