Chinas Autoindustrie in der Krise „Es wird eine niedrige zweistellige Zahl Hersteller übrigbleiben“

Das Gespräch führte Andreas Wehner 9 min Lesedauer

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Nur wenige der unzähligen chinesischen Autohersteller sind profitabel. Preiskämpfe und Überkapazitäten sind in China an der Tagesordnung. Kommt jetzt der Crash? Was bedeutet das für die europäischen Hersteller? Und für das Geschäft der chinesischen Marken in Europa? Capgemini-Experte Peter Fintl gibt eine Einschätzung.

Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering.(Bild:  Alex Schelbert / wildcard.de)
Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering.
(Bild: Alex Schelbert / wildcard.de)

Die chinesische Automobilindustrie ist gerade mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert, die letztlich alle irgendwie zusammenhängen: schwache Konjunktur, auslaufende Fördermaßnahmen, Preiskämpfe, Überkapazitäten. Wie sehen Sie die aktuelle Lage der Hersteller in China?

Peter Fintl: Blicken wir dazu kurz zurück, damit klar ist, woher die chinesische Autoindustrie kommt. Die letzten 20 Jahre ging der chinesische Automarkt im Prinzip immer nur nach oben. China hat sich aus bescheidenen Anfängen zum größten Einzelmarkt der Welt entwickelt. Während die chinesischen Hersteller zu Beginn froh über Joint-Venture-Partner waren, die ihnen erklärt haben, wie man Autos konstruiert und baut, hat China inzwischen ein automobiles Ökosystem mit über 100 einheimischen Marken geschaffen. Mit Werken im ganzen Land und mit einer Zulieferer-Infrastruktur, die inzwischen die Herstellung von Fahrzeugen „made in China for China“ ermöglicht. Gleichzeitig ist China zum größten Fahrzeug-Exporteur der Welt aufgestiegen und hat die dominante Stellung Deutschlands oder Japans gebrochen – was bis vor Kurzem noch undenkbar schien.