Diagnose: Sinnvolle Ergänzung
Sollte in der Werkstatt die geführte Fehlersuche gewünscht sein, reicht der X 431 von Launch nicht. Der Mechatroniker muss dann auf andere Softwarekomponenten, beispielsweise von Autodata, zurückgreifen.
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„Der X 431 von Launch bietet uns in der Regel die gleichen Diagnosemöglichkeiten wie das Gerät des jeweiligen Fahrzeugherstellers“, sagt Rudolf Nießen, Fachbereichsleiter Kfz der Handwerkskammer Aachen. Er verantwortet in dieser Funktion auch das Trainingszentrum Kraftfahrzeugtechnik (Track) in Düren, in dem neben einigen anderen Testern auch der X 431 eingesetzt wird. Zu den Möglichkeiten zählt Niesen zum Beispiel das Auslesen des Fehlerspeichers oder das Löschen von im Steuergerät hinterlegten Fehlern. Auch Lifeparameter kann der Mechatroniker mithilfe das X 431 verfolgen und mit den Herstellervorgaben vergleichen. Genauso sind Stellgliedtests sowie das Anmelden neuer (Beispiel: Drosselklappeinheit) oder zusätzlicher (Beispiel: Anhängerkupplung) Bauteile möglich. Sollte allerdings die geführte Fehlersuche gewünscht sein, muss der Mechatroniker auf andere Softwarekomponenten, beispielsweise von Autodata, zurückgreifen.
Das tut der schnellen Fehlersuche oder der reinen Diagnosearbeit jedoch keinen Abbruch. „Die Auszubildenden sind oftmals erstaunt, was dieses Diagnosegerät alles kann und vor allem, wie schnell die Kommunikation zu den Steuergeräten aufgebaut wird“, erklärt Frank Reimer, Trainer für Diagnose in der Track. Die Azubis würden wegen der einfachen Bedienung sogar gerne zum Launch-Tester greifen.
Die einfache Bedienung ist allerdings eine subjektive Einschätzung. Die erste Schwierigkeit macht nämlich schon der fehlende Multiplexer. Bei der großen Fahrzeugabdeckung, die das Gerät liefert, wäre dies eine gute Hilfe. So sind viele unterschiedliche Stecker notwendig. Bei Launch gehören diese Stecker jedoch zum Lieferumfang und der betrieb muss sie nicht extra zukaufen. Somit reduziert sich der Nachteil allein auf die Zeit, die der Mechaniker benötigt, um den richtigen Stecker herauszusuchen. Je öfter das Gerät eingesetzt wird, umso geringer ist naturgemäß dieser Nachteil, weil der Mechaniker relativ schnell weiß, welchen Stecker er für welches Fahrzeug hernehmen muss.
Bekannte Hersteller
Sobald die Kommunikationsleitung steht, kann der Mechaniker sich die benötigte Software vom integrierten handelsüblichen Speicherchip herunterladen. Die Auswahl trifft er, indem er das entsprechende Herstellersymbol auf dem Touchscreen des Geräts berührt – entweder direkt mit dem Finger oder mittels des mitgelieferten Stifts. Die Namen der Fahrzeughersteller zeigt das Gerät bei der Auswahl nicht an. Launch geht davon aus, dass der Werkstattmitarbeiter die Symbole der verschiedenen Marken kennt. Somit solle die Auswahl für den Anwender noch schneller gehen, als wenn er die verschiedenen Herstellernamen erst lesen müsste. Inwieweit dies ein Nachteil oder Vorteil ist, kann nur der User selbst entscheiden. Frank Reimer konnte jedenfalls die Frage nach einem konkreten Symbol (Ssang Young) nicht auf Anhieb beantworten. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass er noch nie ein Fahrzeug dieses Herstellers in seiner Werkstatt hatte.
Kostenlose Updates
Des Weiteren findet man auch nicht alle Symbole auf Anhieb. Beispielsweise ist die Marke Mini bei BMW oder Lexus bei Toyota untergebracht. Einige amerikanische Marken findet man unter dem Symbol von GM. Hier fehlt es den chinesischen Softwareherstellern an Konsequenz, das heißt, dieses Integrieren von Marken in die Muttermarke findet nicht bei jedem Hersteller statt. Für den Anwender wäre es wahrscheinlich vorteilhaft, wenn Launch komplett auf die Integration von Marken in Muttermarken verzichten würde. Ein weiterer Nachteil des Gerätes ist, dass während der Bedienung häufig die Sprache wechselt. In der Software sind nämlich einige Bezeichnungen in englisch hinterlegt. Das sei allerdings ein temporäres Problem, erklärt Niesen. Denn die englischen Begriffe seien in der Regel mit dem nächsten Update der Software verschwunden. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Launch während des ersten Jahres die Updates kostenlos liefert und sie auch nach Ablauf eines Jahres nicht mit einer Sperre belegt. Das heißt, selbst wenn der Betrieb keine Updates mehr kauft, kann er seinen letzten Softwarestand noch in den Folgejahren benutzen.
Schnelle Kommunikation
Alle Programme sind, wie schon erwähnt, auf einer handlesüblichen Flashkarte gespeichert. Das Diagnosegerät zieht nur den Teil der Software von der Karte, den es zur Diagnose des jeweiligen Fahrzeugs wirklich benötigt. Dieser Ladevorgang braucht natürlich Zeit (etwa 15 bis 30 Sekunden). Danach baut das Gerät die Kommunikation mit dem Steuergerät allerdings sehr schnell auf. Dabei ist etwas störend, dass sich die Oberflächen je nach Hersteller voneinander unterscheiden. „Der Grund dafür ist, dass Launch seine Bedienoberfläche und damit die Bedienerführung den jeweiligen Fahrzeugherstellern angepasst hat“, erklärt Klaus Nohr, Geschäftsführer von Launch Germany. Die Fahrzeugauswahl bei Mercedes würde anders funktionieren als beispielsweise bei VW. Die Bedienerführung des X 431 berücksichtige alle Eigenheiten der Hersteller, deshalb könne es keine einheitliche Oberfläche geben.
Launch bezeichnet den X 431 als ideales Zweitgerät für nahezu jede Werkstatt. „Aufgrund der hohen Fahrzeugabdeckung ist der X 431 eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Niesen. Der Diagnosespezialist kennt kein Diagnosegerät, das alle Fahrzeuge abdeckt. Insofern könne der Launch-Tester schon allein aufgrund des Preises eine Alternative sein. Konrad Wenz
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