China-Expertin „Die chinesischen Hersteller schätzen den europäischen Markt falsch ein“

Das Gespräch führte Andreas Wehner 8 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Kulturelle Unterschiede und Fehleinschätzungen erschweren den Erfolg chinesischer Autohersteller in Europa. Beatrix Keim vom CAR-Institut rechnet mittelfristig dennoch mit 10 bis 15 Prozent Marktanteil in Deutschland. Im Interview erläutert die China-Expertin, welche Fabrikate gute Chancen haben.

Beatrix Keim ist Direktorin am CAR Center Automotive Research.(Bild:  Center Automotive Research)
Beatrix Keim ist Direktorin am CAR Center Automotive Research.
(Bild: Center Automotive Research)

Wenn wir uns die Aktivitäten chinesischer Hersteller in Deutschland ansehen, gibt es zwei dominierende Player: MG und BYD. Wen sehen Sie außer diesen beiden für die nahe Zukunft als maßgeblich an?

Beatrix Keim: Leapmotor ist sicherlich eine Marke mit Potenzial, insbesondere aufgrund der Zusammenarbeit mit Stellantis, die die Nutzung des bestehenden Händlernetzes einschließt. Damit präsentiert sich die Marke zusammen mit bereits etablierten Fabrikaten – und das bei Händlern, die der Kunde kennt. Das schafft Vertrauen. Spannend wird auch sein, wie sich Geely mit seinen eigenen Marken aufstellt. Durch die enge Kooperation mit Volvo hat der Konzern viel gelernt und konnte sich viel Zeit lassen, den Markt zu beobachten. Der erste Versuch mit Lynk & Co ging schief, aber der Neustart in Kombination mit Zeekr, der gewiss das Volvo-Netz miteinbeziehen wird, könnte vielversprechender werden. Interessant wird auch sein, wie sich Chery mit Omoda und Jaecoo schlägt. Chery lebt traditionell stärker vom Export als vom Heimatmarkt und versteht es daher, neue Märkte aufzubauen. Zudem unterscheiden sich die Produkte von Omoda und Jaecoo ein bisschen vom sonstigen Einerlei.