Abt Tuning Die fliegenden Kemptener

Von Steffen Dominsky

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Mit dem 80er brachte Audi vor 50 Jahren einen seinen wichtigsten Meilenstein heraus. Von Anfang an dabei: Tuner Abt. Er packte dem Erfolgsmodell bereits wenige Monate nach seinem Erscheinen zusätzliche Pferdestärken unter die Haube

1974 baute Johann Abt die erste Rennversion des Audi 80. Mit ihr gewann er ein Jahr später bei der europaweit ausgetragenen Trophée de L’Avenir die 24 Stunden von Spa.(Bild:  Abt)
1974 baute Johann Abt die erste Rennversion des Audi 80. Mit ihr gewann er ein Jahr später bei der europaweit ausgetragenen Trophée de L’Avenir die 24 Stunden von Spa.
(Bild: Abt)

1972 war allerhand los. Vor allem in politischer, aber auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Man denke nur an die Olympischen Spiele in München. Doch auch für Autofans war jede Menge geboten. So brachte BMW den ersten 5er heraus und Mercedes-Benz platzierte mit der neuen S-Klasse einen automobilen Meilenstein. Doch auch ein vergleichsweise junges Unternehmen aus Ingolstadt schickte sich mit seinem zweiten neuen Modell an, langsam aber sich in den Kreis der sogenannten deutschen Premiumhersteller aufzusteigen: Audi. Nach dem Audi 100 trieb der Audi 80 B1 den Imagewandel der Ingolstädter voran. Ignoriert man die Umbenennung der Reihe im Jahre 1994 in A4 und betrachtet nur das Marktsegment, so entstanden bis heute neun Generationen des Bestsellers.

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„Wir haben uns um alle Generationen des Audi 80/A4 gekümmert, der heute zu den wichtigsten Säulen im Unternehmensbereich Fahrzeugveredelung gehört, und wir haben den Kunden über die vielen Jahre ein jeweils maßgeschneidertes Paket anbieten können“, weiß Hans-Jürgen Abt, Vorsitzender des Verwaltungsrats der bekannten Tuning-Schmiede zu berichten. Los ging es bei den allerersten B1 mit aus heutiger Sicht bescheidenen 95 Tuning-PS (70 kW). Dennoch war Audis Mittelklasse damit 80 flott unterwegs. Zum einen, weil sie mit rund 850 kg nach heutigen Maßstäben quasi nichts wog. Zum anderen, weil das Getriebe nach denselben Maßstäben extrem kurz übersetzt war – welcher Pkw schafft es heutzutage noch im letzten Gang auszudrehen?

Erfolgreich im Renn- und Rallyesport

Am sportlichen Fahrverhalten hatte auch das Fahrwerk seinen Anteil. So war die Limousine das erste deutsche Fahrzeug – abgesehen vom „Fuldamobil“, bei dem die Ingenieure einen negativen Lenkrollradius verwirklichen konnten, welcher beim Bremsen die Vorderräder automatisch stabilisierte. Und mit seiner im im Stil der neuen Sachlichkeit gestalteten Karosserie sprach er auch jüngere Fahrer an. Für ABT Sportsline war er die perfekte Steilvorlage, sodass das Unternehmen bereits 1973 die oben erwähnte Leistungssteigerung anbot. Sie begeisterte die Fachpresse nicht nur durch ihre Performance, sondern auch durch ihre Effizienz, sprich Spritverbrauch.

Im Herbst desselben Jahres legte Audi den 80 GT mit 100 PS (74 kW) nach. Ab 1975 gab es dann als sportliches Topmodell ab Werk den 110 PS (81 kW) starken GTE mit Bugspoiler, Rennstreifen und Doppelscheinwerfern, dessen Motor später auch im Golf GTI diente. Der Zierrat wirkte übrigens durchaus nicht aufgesetzt, denn ab 1978 setzte das Werk den Audi 80 erfolgreich bei der Deutschen Rallye-Meisterschaft ein – unterstützt von ABT Sportsline. Johann Abt hatte bereits 1974 eine erste Rennversion des Audi 80 entwickelt und ein Jahr später bei der europaweit ausgetragenen Trophée de L’Avenir mit den 24 Stunden von Spa als Höhepunkt den Titel eingefahren.

Ab B3 so richtig getunt by Abt

Dem B1 folgte 1978 folgte der B2 der unter Mitwirkung von Stardesigner Giorgio Giugiaro gestaltete neue Audi 80 schrieb die Erfolgsgeschichte mit 1,6 Millionen gebauten Exemplaren weiter. Vor allem am Luftwiderstand hatten die Entwickler gefeilt, und machten ihn zu einem der sparsamsten Autos seiner Klasse – erst recht mit dem neuen Diesel. Berühmt machte die zweite Generation auch der ab 1982 erstmals auf Wunsch in einem Großserienauto lieferbare permanente Allradantrieb namens Quattro. Wie bereits zuvor im Audi 100 stand zudem ein Fünfzylinder-Motor auf der Optionsliste. Und natürlich konnte man den B2 noch schneller machen als seinen Vorgänger. So tunte ABT Sportsline einen Vierzylinder-GLE von 110 (81 kW) auf 135 PS (99 kW). Doch da ging noch deutlich mehr: Mit dem Fünfzylinder-Turbo aus dem Urquattro erschufen die Allgäuer sogar „Deutschlands schnellsten Audi 80“.

Mit der im Windkanal auf einen cw-Wert von 0,29 „rundgeschliffenen“ Generation B3 setzt Audi dann erneut ein technisches Ausrufezeichen. Die erstmals vollverzinkte Karosserie wirkte deutlich moderner als die des eckigen Vorgängers. „Mit diesem Modell begann für die Firma der richtige Einstieg ins Tuning-Geschäft“, erinnert sich Hans-Jürgen Abt. Neben der Limousine erhielt die Baureihe zudem nicht nur ein Coupé, sondern auch ein Cabriolet. 1991 gab es dann ein Facelift, das so umfangreich ausfiel, dass man mit Fug und Recht von einem Generationensprung sprechen konnte und der B3 somit zum B4 wurde. Neben der modernen Verbundlenkerhinterachse gab es jetzt erstmals auch Sechszylinder-Motoren. Und mit dem schicken Sportkombi Avant führte Audi zudem eine neue Karosserieform ein. Genau wie Limousine und Coupé gab es ihn als ultraschnellen S2 mit 230 PS (169 kW), der in unter sechs Sekunden auf 100 km/h beschleunigte.

RS2 und wieder erfolgreich im Motorsport

Doch der war nur das Vorspiel für eine weitere Steigerung, die Audi 1994 mit dem Avant RS2 anstimmte, der als Urvater aller heutigen RS-Modelle gilt. Der bei Porsche gebaute Kombi verfügte über 315 PS (232 kW) und brauchte für den Standardsprint auf Landstraßentempo lediglich 5,4 Sekunden. Falls das noch nicht reichte, modifizierte ABT Sportsline auf Wunsch unter anderem den Lader und installierte eine Edelstahlabgasanlage. Am Ende standen 360 PS (265 kW) im Fahrzeugschein. Mit diesem Paukenschlag ging die Ära des Audi 80 dann auch zu Ende, wenn auch nur dem Namen nach. Denn 1994 folgte die Generation B5, auf deren Typenschild jedoch A4 statt 80 stand – die Erfolgsstory ging somit nahtlos weiter. ABT Sportsline blieb weiter am Ball und entwickelte für den A4 ebenfalls ein reichhaltiges Tuningangebot, das Motorsport-Engagement erhielt jetzt sogar eine ganz neue Qualität.

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1996 stieg Christian Abt mit dem A4 in die STW ein und gewann drei Jahre später den Titel. 2004 schließlich kehrt Audi mit der Limousine in die DTM zurück – das Audi Sport Team Abt Sportsline ist von Anfang an dabei. Bis zur Ablösung des A4 in der Saison 2012 prägten die „Äbte“ die Rennserie und holten mit Mattias Ekström (2004, 2007) und Timo Scheider (2008, 2009) vier Fahrermeisterschaften, drei Teamtitel (2004, 2007, 2011) sowie 31 Siege. Die Erfahrungen aus dem Motorsport fließen direkt in die Straßenmodelle ein. So wie beim ABT AS4-R von 2005, der mit 480 Biturbo-PS (353 kW) in nur 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Heute geht das sogar noch einen Tick besser. In der finalen Ausbaustufe absolviert der eingangs erwähnte RS 4 mit ABT Power R die gleiche Übung in nur 3,8 Sekunden. Der Topspeed liegt bei 300 km/h.

 

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