Die Herausforderungen für das Kfz-Gewerbe sind derzeit enorm – aber es bieten sich auch Chancen. Bei der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes NRW forderte Präsident Frank Mund dazu auf, diese zu ergreifen, sich der E-Mobilität zu stellen und sich im Kampf um die Autodaten zu positionieren.
Präsident Frank Mund stellte den Mitgliedern und Delegierten des Landesverbands NRW die Chancen für das Kfz-Gewerbe vor, die E-Car-Service und SERMA bieten.
(Bild: Kfz-Gewerbe NRW)
Auch in Zukunft wird es Autos geben – und damit Perspektiven für Autohäuser und Werkstätten, stellte Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes NRW, bei der Mitgliederversammlung im Haus des Kfz-Gewerbes in Hilden klar. Die Branche sei in vielerlei Hinsicht stark gefordert. Aber: „Wir kämpfen nicht gegen Windmühlen“, so Mund. Der Mobilitätsbedarf werde steigen, dazu werde das Auto gebraucht.
Die Frage nach dem Antrieb, ob elektrisch oder mit Verbrennungsmotor, sei längst von den Herstellern – zumindest für Europa – entschieden. „Wir werden nur noch E-Autos bekommen, ob wir wollen oder nicht.“
Ruf nach synthetischen Kraftstoffen
Für den Verbrennungsmotor weiter zu kämpfen, sei vergeblich und auch das falsche Signal. Mit Blick auf das Servicegeschäft und den aktuellen Bestand von 48 Millionen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, sollte das Kfz-Gewerbe stattdessen nach synthetischen Kraftstoffen rufen.
Die aktuelle Lage fordert das Kfz-Gewerbe an verschiedenen Fronten heraus. Aufgrund der Lieferengpässe seien die Höfe der Autohändler leergefegt, durch den Zusammenschluss der OEMs würden Vertriebsketten ausgedünnt, überdies bestehe ein dramatischer Fachkräftemangel.
Auch beim Kundenverhalten werde sich einiges ändern. Durch den Megatrend Neo-Ökologie werde der Kunde sein Konsumverhalten ändern und sich auch im Autohaus anders verhalten. Darauf müsse sich der Handel vorbereiten, insbesondere im Verkauf.
Vertrieb muss in der E-Mobilität besser werden
Ein Um- und Neudenken sei deshalb erforderlich. Die Verkäufer orientierten sich noch zu sehr am Verbrenner, auch weil Unsicherheiten beim Thema E-Mobilität bestünden. Das müsse sich ändern. Der Landesverband NRW werde dazu in Kürze seinen Mitgliedern ein Schulungsangebot unterbreiten, das Betriebe helfen soll, sich beim Verkauf von E-Autos zu verbessern.
Ebenso müsse sich das Kfz-Gewerbe dem Thema Auto als Datenlieferant zügig stellen. Den entscheidenden Schritt habe der Verband mit dem Antrag zur Akkreditierung von SERMA (Secure Repair and Maintenance Autorisation) bereits gemacht. Anlass sei die Tatsache, dass die Autohersteller die umfangreichen und wertvollen Daten, die Autos liefern, nicht freiwillig teilten. Nach den Daten würden zudem auch andere greifen wollen.
SERMA nicht wegnehmen lassen
Wie SERMA funktioniert, erläuterte Vizepräsident Detlef Grün. Die neue GVO verlangt bis Juni 2023 eine Regelung, die den Marktteilnehmern zukünftig weiterhin einen fairen Zugriff auf die sicherheits- und diebstahlrelevanten Reparatur- und Wartungsinformationen erlaubt. Die Umsetzung der EU-Vorgaben will das Kfz-Gewerbe mit SERMA erreichen. Grün: „Es ist besser, wenn das Kfz-Gewerbe das macht als andere.“ Andere witterten bereits das Geschäft und versuchten, es an sich zu reißen.
SERMA beinhaltet ein neues Akkreditierungsschema, welches das Kfz-Gewerbe durch seine erfolgreiche Akkreditierte Überprüfung im Kraftfahrzeuggewerbe (AÜK) bereits kennt. Kfz-Betriebe sollen dabei nach dem SERMI-Schema zertifiziert werden und so den Zugriff auf die Daten erhalten. Von diesem Verfahren werden die Betriebe profitieren, versprach Grün. Nach einer einmaligen Anmeldung haben sie Zugriff auf alle Daten. Das sei für die Betriebe kostengünstiger und für den Verband eine enorme Chance.
Bereits jetzt kämen Hersteller auf den Verband zu und wollten in den Prozess eingebunden werden. „SERMA wird die große Schwester der AÜK“, sagt Vorstandsmitglied Wilhelm Hülsdonk.
E-Car-Service ist mehr als nur ein Zusatzschild
Ein weitere große Chance biete das neue Zeichen E-Car-Service, mit dem sich Mitgliedsbetriebe in Sachen E-Mobilität positionieren könnten und sollten. Ziel sei, den Kunden zu binden und neue hinzuzugewinnen, betonte Grün.
An das Zusatzzeichen sind Vorgaben geknüpft, die die Betriebe erfüllen müssen. Die Innung soll dabei als Dienstleister eine wichtige Rolle spielen und nicht nur das Schild verkaufen, so Grün. Bei dieser Zertifizierung gehe es auch darum, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen, wie es bereits beim Glas- und Reifengeschäft geschehen ist, mahnte er.
Hauptgeschäftsführer Marcus Büttner kündigte in diesem Zusammenhang eine Überarbeitung der Kfz-Innungssatzungen in Abstimmung mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag an, die es den Innungen künftig leichter machen soll, ihr Profil als Dienstleister für die Kfz-Betriebe vor Ort zu schärfen.
Stand: 08.12.2025
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Mit der goldenen Nadel des Kfz-Gewerbes würdigte anschließend Präsident Mund die Verdienste von Willi Krause, Obermeister der Innung Kosfeld, und Bruno Kemper. Beide hatten sich viele Jahre ehrenamtlich im Vorstand des Landesverbands engagiert. Kemper war unter anderem neun Jahr lang Vizepräsident des Kfz-Gewerbes NRW.