Die Kunst, Fehler einzugestehen
Der Flugkapitän und Sicherheitschef weiß, dass es nur allzu menschlich ist, Fehler zu machen. Dummerweise sind jedoch die wenigsten kritikfähig. Doch nur diese Fähigkeit kann schlimme Katastrophen verhindern.
Wie viel Sicherheit braucht der Mensch? 100 Prozent, wenn es um das Fliegen geht. Die Unternehmerinnen nicken eifrig. Manfred Müller, Flugkapitän und Leiter der Flugsicherung bei der Deutschen Lufthansa, rührt beim Thema Fliegen an die Urangst vieler Menschen. Dabei macht er den Zuhörerinnen ganz schnell klar, dass nicht die Maschine das größte Sicherheitsrisiko birgt, sondern der Mensch selbst.
Übertriebene Risikofreude ist gefährlich
Technisch gesehen ist ein Flugzeug ein sicheres Fortbewegungsmittel. Gefährlich kann es nur werden, wenn der Pilot ausgesprochen risikofreudig ist und leichtsinnig oder fahrlässig Warnsignale übersieht. Geht er außerdem noch über die Mahnungen seines Co-Piloten hinweg, weil er sich nicht eingestehen will, dass er etwas nicht ernst genommen hat, kann das Unheil schon seinen Lauf nehmen.
Was sich hoch in den Lüften abspielt, lässt sich auch auf Unternehmen in einer bodenständigen Branche wie dem Automobilhandel übertragen: Die Manager haben oft eine hohe Risikobereitschaft. Weil sie es jedoch nicht wagen, sich Fehler einzugestehen, und auch die Warnungen anderer überhören, bringen sie ihr Unternehmen schneller auf Schlingerkurs, als ihnen lieb ist.
Was dabei mitschwingt, ist hierarchisches Denken, hinkende Kommunikation und mangelnde soziale Interaktion. Müller legt in seinem Vortrag beim Unternehmerinnenkongress faktenreich und zugleich humorvoll offen, wie intensiv sich die Deutsche Lufthansa mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, um Piloten und Co-Piloten zu einem respektvollen Miteinander zu bewegen.
Das täte auch so manchem anderen Unternehmen gut. Denn passive und aktive Kritikfähigkeit sind (noch) nicht allzu weit verbreitet. Ebenso gering ausgeprägt ist auch, zu akzeptieren, dass jeder Mensch Fehler macht.
Fehler lassen sich entschärfen
80 Prozent der Fehler, die auf menschliches Versagen zurückzuführen sind, ließen sich durch soziale Interaktion entschärfen, klärt Müller auf. Er empfiehlt den Unternehmerinnen, ihr Personal sorgfältig auszuwählen und regelmäßig zu schulen. Fachwissen gepaart mit sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten seien ideal. Das gelte im Übrigen auch für die Führungskräfte.
Flugkapitän Müller übrigens arbeitet gerne mit Co-Pilotinnen zusammen, weil „Frauen es besser schaffen, regelhaftes Arbeiten emotionslos umzusetzen“. Sprich: Frauen arbeiten an der Sache, nicht am Image, und haben per se ein höheres Sicherheitsbedürfnis. Dadurch vermeiden sie von vornherein riskante Situationen.
„Na also, das haben wir uns ja gleich gedacht“, freuen sich die Kfz-Unternehmerinnen. Aber noch keiner hat es so schön erklärt wie Kapitän Müller.
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