Reifenersatzmarkt Die Reifenbranche freut sich über ein kleines Plus

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Mit knapp über 42 Millionen Stück lag der Absatz von Consumer-Reifen rund ein Prozent über dem Vorjahr. Als Wachstumstreiber profilierten sich einmal mehr die Ganzjahresreifen.

Das Absatzvolumen auf dem Ersatzmarkt soll auch 2024 steigen – allerdings laut BRV nur sehr moderat.(Bild:  Rosenow – VCG)
Das Absatzvolumen auf dem Ersatzmarkt soll auch 2024 steigen – allerdings laut BRV nur sehr moderat.
(Bild: Rosenow – VCG)

Nach einem Durchhänger im Jahr 2022 sind die Ganzjahresreifen auf dem Ersatzmarkt wieder auf Wachstumskurs. Das Jahr 2023 schloss dieses Reifensegment mit 11,6 Prozent Plus in der Produktgruppe Pkw-/4x4-Reifen und mit 5,2 Prozent Zuwachs bei Llkw-(Transporter-)Reifen ab – ein Wachstum, das nach der verhaltenen Entwicklung im Vorjahr „unerwartet hoch ausgefallen ist“, wie der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) kommentiert.

In der jährlichen Marktübersicht des Verbands zeigt sich, dass der gesamte Absatz von Consumer-Reifen (Pkw/4x4 und Llkw) um rund ein Prozent auf 42,0 Millionen Stück gewachsen ist – ein Lichtblick, aber immer noch nahe am Allzeittief aus dem Vorjahr, in dem nur 41,6 Millionen Reifen verkauft wurden. Laut dem BRV resultierte die Steigerung vor allem aus der anziehende Nachfrage in den letzten vier Monaten des Jahres 2023. Und da manche Reifenhersteller auch von einem starken Start ins Jahr 2024 berichteten, besteht die Hoffnung, dass es in diesem Jahr endlich wieder einmal ein ernst zu nehmendes Wachstum geben könnte.

Trotzdem bleibt der Branchenverband vorsichtig in seiner Prognose: Da die gesamtwirtschaftlichen Prognosen für das laufende Jahr nicht sehr optimistisch seien, rechnet der BRV für 2024 derzeit mit einem Wachstumspotenzial von bestenfalls rund einem Prozent Absatzmenge im Segment Consumer-Reifen.

Angesichts des wachsenden Pkw-Bestands in Deutschland und des steigenden durchschnittlichen Fahrzeugalters (aktuell bei 10,3 Jahren) müsste sich eigentlich ein höherer Reifenersatzbedarf ergeben. Dagegen sprechen die gesunkene durchschnittliche Jahresfahrleistung (minus 2 Prozent) und die immer höhere Laufleistung moderner Reifen, die von der EU sowie von der Autoherstellern gefordert wird, um die Freisetzung von Gummiabrieb zu verringern. Inwieweit der wachsende Bestand von Elektroautos hier gegensteuern wird, denen viele Experten einen höheren Reifenverschleiß nachsagen, muss sich noch zeigen.

Lkw-Reifenabsatz bricht deutlich ein

Die meistverkaufte Produktgruppe bei den Consumer-Reifen bleiben die Winterprofile (16,2 Millionen Stück). Die Ganzjahresreifen haben mit einem Absatz von 13,9 Millionen Stück ihre Sommerkonkurrenten (11,9 Millionen Stück) mittlerweile abgehängt. Im Segment der Transporterreifen sind die Allwettertypen bereits Marktführer.

Im Segment Lkw-/Busreifen ging die Absatzmenge 2023 um fast 12 Prozent auf knapp 2,43 Millionen Stück zurück (Vorjahr: 2,75 Millionen). Gründe für den Einbruch sieht der Verband unter anderem in einem um fast 7 Prozent gesunkenen Transportaufkommen und in den um 24 Prozent gestiegenen Neuzulassungszahlen (Fahrzeuge über sechs Tonnen zulässiges Gesamtgewicht). Neufahrzeuge haben natürlich keinen Ersatzbedarf. Von den Lkw-Ersatzreifen entfielen knapp 1,77 Millionen Stück auf Neureifen und 662.000 Stück auf Runderneuerungen.

Reifenhandel setzt stärker auf Dienstleistung als auf Verkauf

In seiner Distributionsanalyse weist der BRV schon seit mehreren Jahren den Reifenfachhandel und die freien Kfz-Werkstätten zusammengenommen als einen Vertriebskanal aus, weil sich die beiden Betriebstypen kaum noch trennscharf unterscheiden lassen. Dieser Kanal steht für 69,5 Prozent des Reifenabsatzes und konnte im Vergleich zu 2022 wegen des wachsenden Flottengeschäfts sogar leicht hinzugewinnen. Markengebundene Werkstätten realisierten rund 20 Prozent Anteil, Fachmärkte (3,6 Prozent) und B2C-Onlinehandel (6,7 Prozent) haben zugunsten des Reifenfachhandels leicht verloren.

Und so zeigt sich Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk, mit dem Geschäftsjahr 2023 für seine Branche zufrieden: „Mit Zuwächsen bei Umsatz und Rohertrag und einem positiven Betriebsergebnis kann die Reifenhandelsbranche in Deutschland für 2023 damit zwar kein herausragendes, angesichts der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation aber doch ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr bilanzieren.“

Die am Betriebsvergleich des BRV teilnehmenden Betriebe konnten sowohl den Umsatz (im Schnitt plus 2,6 Prozent) als auch den Ertrag (im Schnitt plus 4,3 Prozent) gegenüber dem Vorjahr ausbauen. Trotz deutlicher Kostensteigerungen bei Personal- und Raumkosten verbleibt unter dem Strich ein betriebswirtschaftliches Ergebnis von 0,4 Prozent vom Umsatz im Branchendurchschnitt. Klassische, nicht filialisierte Reifenhandelsbetriebe lagen hier mit weit überdurchschnittlichen 4,2 Prozent vom Umsatz allerdings weit vorn.

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Das dürfte auch daran liegen, dass die margenstarken Dienstleistungsbereiche (Reifen- und Autoservice) im Vergleich zum Reifenverkauf in vielen Betrieben an Bedeutung gewinnen. Sie machen durchschnittlich fast 30 Prozent aus (Vorjahr: knapp 29 Prozent). Der Reifenverkauf steht noch für 65 Prozent des Umsatzes (Vorjahr knapp 66,5 Prozent). „Dies zusammen mit den positiven betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zeigt uns, dass die Betriebe der Branche weiter der seit Jahren empfohlenen Handlungsmaxime gefolgt sind, ihr Geschäft durch den Ausbau des Dienstleistungsbereichs und eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Kalkulation der Dienstleistungspreise zu stärken“, sagt BRV-Geschäftsführer Yorick M. Lowin. „Die Strategie, allein auf Maximierung der Absatzmenge zu setzen, kann angesichts der begrenzten, tendenziell rückläufigen Nachfrage und der gestiegenen Produktpreise im Einkauf kein Erfolgsrezept sein.“

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