Die Rettungstruppe für die Hersteller

Autor / Redakteur: Silvia Lulei / Silvia Lulei

200 Händler aus 22 Ländern trafen sich zum E.A.I.V.T.-Kongress in Nizza, um Networking zu betreiben und sich über Entwicklungen in der Automobilbranche zu informieren.

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Der EU-Binnenmarkt hat bislang nicht dazu beigetragen, die Fahrzeugpreise auf ein für den Verbraucher annehmbares Niveau europaweit anzugleichen. Ganz im Gegenteil. Die Fahrzeugpreise sind weiter explodiert, nicht zuletzt durch die ambitionierten Vertriebsstandards, die die Automobilhersteller mit der aktuellen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) von ihren Vertragshändlern fordern.

Unnötige Standards

Immer perfekter sollen die Showrooms sein, in denen von der Fliese bis zum Bürostuhl alles festgelegt ist. „Das braucht kein Mensch“, postuliert Harry Sanne, Geschäftsführer der European Association of Independent Vehicle Traders (E.A.I.V.T.). Sanne macht die Position des international arbeitenden Verbandes deutlich: „Niemand braucht Glaspaläste, wie sie die Hersteller vorschreiben. Das sind unnötige, unbezahlbare Standards. Ohne sie wären die Fahrzeugpreise nicht so hoch.“

Freie Händler vermarkten Überbestände

Hohe Preise bremsen den Absatz. Die Hersteller bleiben auf ihren Autos sitzen. Und dann kommen die freien Händler als Rettungstruppe ins Spiel, die Überbestände kaufen und sie zu günstigen Preisen an Händler oder direkt an Kunden abgeben. „Der freie Handel ist der troubleshooter und der Autofahrer profitiert davon“, fasst Sanne die letztendlich günstige Position für die freien Händler zusammen. Der einzige Baustein, der dem E.A.I.V.T. noch fehlt, ist, dass irgendwann auch die Vertragshändler an freie Händler verkaufen können.

Wenn die GVO wegfällt ...

Die GVO und wie sich ihr möglicher Wegfall auswirken könnte, war ein zentrales Thema beim diesjährigen E.A.I.V.T.-Kongress Mitte Mai in Nizza. 200 Händler aus 22 Ländern kamen an die französische Mittelmeerküste, um Networking zu betreiben und sich über Entwicklungen in der Automobilbranche zu informieren.

Renommierter Gast für das Schwerpunktthema GVO war der Wettbe-werbsexperte Prof. Dr. Dr. Jürgen Ensthaler von der TU Berlin. Er glaubt selbst dann nicht an einen gemeinsamen europäischen Markt, wenn die GVO wegfällt: „So lange ich Reimporte brauche, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass der gemeinsame Markt nicht funktioniert. Es ist doch verrückt, dass ein Auto erst durch ganz Europa gehandelt werden muss, um wieder günstig auf den heimischen Markt zu kommen.“

Ensthaler propagiert den exklusiven Vertrieb als Alternative zu der selektiven Vertriebsform, die die meisten Hersteller in der aktuellen GVO gewählt haben. Seiner Meinung nach würde der Intrabrand-Wettbewerb dadurch eingegrenzt und es könnten sich keine so extremen Vertriebs- und Servicestandards entwickeln, wie sie die Hersteller derzeit durchsetzen.

EU-Kommission zieht Resümee

John Clark von der EU-Wettbewerbskommission berichtete von dem Evaluation Report über die GVO, den die Kommission 2008 vorlegen wird. Eine erste Einschätzung der Kommission zeigt die Tabelle „Was hat die GVO gebracht?“. Clark betonte: „Wir sind neutral gegenüber dem freien Handel. Wir achten nur darauf, dass der selektive Vertrieb nicht stattfindet." Somit können die E.A.I.V.T.-Mitglieder weiterhin „troubleshooter“ sein.

Plattform für E.A.I.V.T.-Mitglieder

Ab Juli kommuniziert der E.A.I.V.T. intern auf Basis der Internetplattform www.haendler-treff.de. Oliver Kube präsentierte die Funktionalitäten der Plattform. In Deutschland hat www.haendler-treff.de 2.450 Mitglieder, die sich rege austauschen. Kube berichtete von 170.000 postings und 750.000 page impressions pro Monat. Der Vorteil für die E.A.I.V.T.-Mitglieder liegt auf der Hand: Sie können sich Massenmails mit Angeboten für ihre Verbandskollegen sparen und tauschen sich schnell und unkompliziert im internen Bereich der Plattform aus. Im Juni erhält jedes Verbandsmitglied seine Login-Daten. Ab Juli wird die Website für den Verband unter der Adresse www.eaivt.vehicle-traders.com freigeschaltet.

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