„Die richtige Strategie wählen“

Redakteur: Norbert Rubbel

Der Vorsitzender der Bundesfachgruppe Freie Werkstätten Reinhard Ott meint, dass die markenunabhängigen Servicebetriebe die Marketingprogramme der Automobilhersteller nicht fürchten müssen.

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Redaktion: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Lage der Freien Werkstätten?

Reinhard Ott: Die wirtschaftliche Situation ist quer durch alle Branchen schlecht. Die Verbraucher verschieben Ausgaben, die nicht unbedingt notwendig sind. Dennoch bin ich optimistisch. 2008 wird zwar kein überdurchschnittlich gutes, aber ein ordentliches Jahr für die Freien Werkstätten. Mit zunehmendem Alter ihrer Fahrzeuge wird den Autofahrern immer bewusster, dass sie die Funktionsfähigkeit ihrer Fahrzeuge regelmäßig kontrollieren lassen müssen. Das entspricht dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen. Vor diesem Hintergrund rechne ich auch im nächsten Jahr mit einem guten Geschäft.

Marktanalysten berichten, dass die Automobilhersteller mit ihren Marketinginstrumenten die Freien Werkstätten zukünftig unter Druck setzen.

Derartigen Aussagen sehe ich gelassen entgegen. Sie zeigen, dass Analysten vielleicht eine bestehende Situation beschreiben können, dass sie aber die Kreativität der Freien Werkstätten außer Acht lassen. Natürlich sind die Ausweitungen der Garantien und die Full-Service-Konzepte der Hersteller ein Problem. Es handelt sich jedoch um Marktveränderungen, auf die die Freien Werkstätten Antworten finden.

Welche Antworten?

Beispielsweise könnte eine Freie Werkstatt Reparaturmakler sein, der natürlich den Kunden alle Serviceleistungen anbietet. Dabei bearbeitet sie den Auftrag entweder selbst oder gibt ihn an eine andere Freie Werkstatt beziehungsweise an einen Fabrikatsbetrieb weiter. Für den Kunden wird der Service nicht teurer, weil wir mit den Fabrikatskollegen entsprechende Konditionen aushandeln werden. Er bringt sein Fahrzeug zur Freien Werkstatt und erhält von ihr einen Ersatzwagen. Alles andere erledigt der Reparaturmakler. Dies ist nur ein Beispiel, das die Flexibilität einer Freien Werkstatt zeigt.

Ist die klassische Freie Werkstatt als Einzelkämpfer noch überlebensfähig oder sollte sie sich einem Werkstattsystem anschließen?

Selbstverständlich ist die Freie Werkstatt überlebensfähig. Es gibt für sie aber keine Universallösung, sondern sie muss je nach Ausgangslage die richtige Strategie für sich wählen. So kann in Ballungsräumen eine Spezialisierung oder der Anschluss an ein Werkstattsystem notwendig sein. Wird eine Freie Werkstatt wegen der Glaspaläste der Fabrikatsbetriebe in ihrem Marktgebiet nicht wahrgenommen, kann es ihr helfen, sich einem Werkstattsystem mit einer einheitlichen Marketingstrategie anzuschließen. Aber auch die Imagekampagne des Kfz-Gewerbes „Wissen – Können – Leidenschaft“ fördert den Bekanntheitsgrad des Unternehmens.

Die GVO läuft 2010 aus. Welche Regelung bekommen wir danach?

Eine Antwort darauf käme einem Kaffeesatzlesen gleich. Zusammen mit unseren Fabrikatskollegen setzen wir uns für den Fortbestand der GVO ein und geben einer europäischen Regelung den Vorzug. Sollte diese nicht mehr oder nur noch in einem Umfang bestehen, der das Marktungleichgewicht nicht mehr korrigiert, werden wir nationale Lösungen einfordern.

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