Die Schmiede für Klassik-Profis
Ein guter Ruf eilt ihr nicht ohne Grund voraus. Die Fahrzeugakademie Schweinfurt zählt zu den renommiertesten Einrichtungen wenn es um Aus- und Weiterbildung im Bereich Old- und Yountimer geht.
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Viele angenehme und nützliche Dinge von heute verdanken ihre Entstehung unerfreulichen Ereignissen in der Vergangenheit. Das gilt auch für die Fahrzeugakademie Schweinfurt: Anfang der neunziger Jahre stürzt der Arbeitsmarkt in der nordbayerischen Kreisstadt Schweinfurt in eine schwere Krise. Die Maschinen- und Fahrzeugbauindustrie – allen voran die drei großen Arbeitgeber FAG Kugelfischer, Fichtel & Sachs und SKF – entließen innerhalb weniger Monate rund 10.000 Mitarbeiter. Die Folge der ausgeprägten Monostruktur: Die Arbeitslosigkeit schnellte auf einen bayerischen Rekord von 20 Prozent.
Wie so oft war auch hier guter Rat teuer. Dabei hatten die Verantwortlichen eine nicht ganz neue Erkenntnis: Je besser die Qualifikation der Arbeitssuchenden, desto besser die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Am 3. März 1998 war es dann soweit. Die Fahrzeugakademie Schweinfurt öffnete ihre Pforten. Träger ist die Handwerkskammer Unterfranken. Ziel der Einrichtung ist es, erwachsene Arbeitnehmer und Arbeitsuchende aus dem Bereich Fahrzeugtechnik zu unterstützen, sich praxisnah weiterzuqualifizieren.
Das Besondere bieten
Bewusst setzt die Fahrzeugakademie auf das „Besondere“ und besetzt Nischen. So bietet sie Interessierten unterschiedliche Qualifikationsmöglichkeiten als Meister des Kfz-Handwerks an: den Zweirad- und Landmaschinenmechaniker-Meister, der Techniker-Meister Nutzfahrzeuge, sowie dem Kfz-Technikermeister in Verbindung mit dem Betriebswirt (HWK). Ein attraktives Komplett-Paket, das sich steigender Nachfrage erfreut.
Doch abgesehen von dem breiten Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für neuzeitliche Fahrzeugtechnik ist die Fahrzeugakademie eine der Top-Adressen, wenn es um Oldtimer-Fachwissen geht. In rund acht Jahren hat sich die Schweinfurter Bildungseinrichtung einen guten Namen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gemacht.
„Oldtimerei ist ein internationales Geschäft“, umreißt Institutsleiter Matthias Dingfelder treffend die Ausrichtung. Die Teilnehmer kommen aus ganz Europa: Österreich, Schweiz, Holland, England, bis hin zu Bulgarien und Finnland.
Da verwundert es nicht, dass die Fahrzeugakademie bereits eine enge Zusammenarbeit mit einem ausländischen Institut pflegt, dem englischen Leeds-College. Dieses ist eine ebenfalls auf die Oldtimerrestauration spezialisierte Bildungseinrichtung.
Große Nachfrage
Mittlerweile nutzen nicht nur Privatleute und Oldtimerverrückte das vielfältige Kursangebot. Selbst Automobilhersteller wie BMW schicken ihre Mitarbeiter nach Nordbayern, um sie fit für den Umgang mit dem technischen Kulturgut zu machen.
Das führt umgekehrt dazu, dass für den einen oder anderen Kurs Wartelisten existieren. So traf der neu ins Programm aufgenommene Kurs „Oldtimer-Schlepper“ für alte Traktoren und Co. genau ins Schwarze. „Die starke Nachfrage hatte uns wirklich überrascht und übertraf unsere Erwartungen bei weitem“, so Thomas Geis, Akademie-Trainer und in Oldtimerkreisen als Fachmann bekannt wie ein bunter Hund.
Das Kursangebot ist breit gefächert und wird laufend erweitert. Hier findet garantiert jeder etwas Passendes. Eine Auswahl zeigt der Kasten (siehe „Ergänzendes zum Thema). Kernstück der Schweinfurter Altauto-Qualifikation ist die so genannte Fachkraft Historische Fahrzeuge, kurz FAS. Sie setzt sich aus insgesamt acht einzelnen Modulen zusammen (siehe „Ergänzendes zum Thema). Hat man diese erfolgreich durchlaufen und die anschließende dreitägige Prüfung bestanden, darf man sich zu Recht als Oldtimer-Fachmann bezeichnen.
Zwischen 400 und 450 Teilnehmer nehmen jährlich an einem der 48 Einzelkurse teil. Rund die Hälfte von ihnen sind Wiederholungstäter. Das heißt, sie haben bereits einen der zahlreichen Oldtimerkurse absolviert und wollen ihr Nostalgiewissen weiter vertiefen. „Die meisten Kursbesucher sind Umsteiger. Sie kommen aus der Kfz-Branche und wollen sich mit der Oldtimerei ein zweites oder gar Haupt-Standbein schaffen“, so Institutsleiter Dingfelder über die Teilnehmer.
Dabei erweitern diese ihr Wissen nicht nur im Umgang mit Hammer und Schraubenschlüssel: Köpfchen ist gefragt. Denn auch ein Oldtimerbetrieb ist ein Wirtschaftsunternehmen. So bekommen die „Oldtimerlehrlinge“ ebenfalls kaufmännisches Wissen in den Bereichen Organisation (Auftragsabwicklung, Kundenmanagement, etc.) und Dokumentation sowie Kalkulation vermittelt.
Und eines sollte beim Umgang mit Kulturgut, trotz aller Technik, niemals fehlen: die Ethik. Denn jegliche Restauration ist immer ein Eingriff in das Objekt. „Deshalb versuchen wir, unseren Schülern neben einem technischen auch einen sensiblen Umgang mit historischen Objekten zu vermitteln“, so Matthias Dingfelder. „Werden unsere Kursteilnehmer das zukünftig im Rahmen ihrer Arbeiten berücksichtigen, dann haben wir alle einen guten Job gemacht.“
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