Da sie als systemrelevant gelten, dürfen Kfz-Werkstätten trotz Lockdown bisher weiterhin arbeiten. Dennoch leiden die Betriebe. Vor allem die Freien sehen kritisch in die Zukunft.
Die anhaltende Coronakrise wirkt sich inzwischen auch deutlich im Servicegeschäft aus.
(Bild: Promotor)
Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown beschlossen wurde, traf das auch die Kfz-Werkstätten, obwohl sie nicht schließen mussten. Die Schockstarre, die die Pandemie auslöste, sorgte zunächst dafür, dass die Kunden wegblieben. Bis sich herumsprach, dass Kfz-Werkstätten geöffnet hatten. „In den Monaten April und Mai hat uns das anstehende Räder- und Reifengeschäft gerettet“, schildert Stefan Vorbeck, Sprecher der ZDK-Bundesfachgruppe Freie Werkstätten.
Das Servicegeschäft erholte sich anschließend und boomte zwischenzeitlich sogar. Unter dem Strich fällt die Bilanz für das Jahr 2020 deshalb zumindest für das Reparaturgeschäft noch positiv aus. Wie sich 2021 entwickelt, ist allerdings noch völlig offen. Doch die Vorzeichen sind nicht günstig: „Der erneute Lockdown trifft uns diesmal deutlich. Denn die Leute sind zu Hause und fahren nicht mehr. Entsprechend fallen weniger Reparaturen an. Der Januar war eine Katastrophe“, so Vorbeck. Je länger der Lockdown anhalte, desto schlechter werde die Stimmung.
Das bestätigt auch Detlef Grün, NRW-Vizepräsident des Kfz-Gewerbes und Sprecher der Freien Werkstätten in NRW: „Ich fürchte, das Jahr 2021 wird für das Kfz-Gewerbe noch viel schlimmer als 2020.“ Die Corona-Krise sei allerdings nur eine Ursache dafür. Weitaus negativer wirke sich aus seiner Sicht der Mangel an Halbleitern auf die gesamt Kfz-Branche aus. Im Frühjahr 2020 habe es bedingt durch die Coronakrise auch schon Ausfälle gegeben. Doch jetzt sei die Situation dramatisch. Der europäische Markt werde nicht mehr mit Halbleitern beliefert, weder von den USA noch vom asiatischen Markt. „Die Gefahr, dass die gesamte Fertigungskette zum Erliegen kommt, ist sehr groß“, fürchtet Grün.
Probleme durch Strukturveränderungen und fehlende Digitalisierung
Auch andere Probleme machen den Kfz-Werkstätten zu schaffen. Das Servicegeschäft leidet unter Strukturveränderungen und der fehlenden Digitalisierung, bestätigt auch Vorbeck: „Die Betriebe, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und digital gut aufgestellt sind, haben 2020 gut stemmen können.“ Bei vielen hapere es jedoch schon am Außenauftritt. Möglichkeiten zum Livechat oder zur Onlineterminvergabe fehlten. Vorbeck: „So etwas erwartet der Kunde heute.“
Die schlechte Stimmung lässt sich auch im aktuellen Branchenindex von »kfz-betrieb« ablesen. Im Januar 2021 rutschte der Zufriedenheitswert der Servicebetriebe von 89 (Dezember 2020) weiter ab auf 84. Vor genau einem Jahr lag er bei 96.
Jedoch klagen längst nicht alle Kfz-Werkstätten. Gut aufgestellt sind beispielsweise Betriebe, die Serviceverträge mit Großkunden haben. So wie der von Rainer Biedermann, Sprecher der Freien Werkstätten in Baden-Württemberg und Obermeister der Kfz-Innungen Hohenlohe-Franken. Früh schon hatte sich sein Betrieb der E-Mobilität geöffnet.
Inzwischen zählt die Deutsche Post zu seinen Großkunden. Die Wartung und Reparatur der Streetscooter sorgen für eine gute Werkstattauslastung, bestätigt Biedermann. Auch er hält die Pandemie nicht für die größte Herausforderung: „Ich sorge mich darum, dass wir bei vielen wichtigen Themen den Anschluss verpassen.“
Ähnlich sieht es Vorbeck und nennt die E-Mobilität als Beispiel. „Die Elektromobilität selbst ist nicht das Problem. Wir müssen nur zusehen, dass wir rechtzeitig neue Geschäftsfelder und -modelle finden“, sagt er. Um sich für diese und andere Themen besser aufzustellen, müssten sich die Kfz-Werkstätten besser vernetzen und enger austauschen. Dazu müsse die Verbandsarbeit insgesamt sichtbarer werden.
Gemeinsame Interessen von markengebundenen und ungebundenen Kfz-Werkstätten
Zu Beginn des Jahres starteten deshalb die Sprecher der Freien Werkstätten aus den Landesverbänden ihre virtuelle Deutschlandreise als neues Forum. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass dies der richtige Weg ist. „Wenn wir uns regelmäßig austauschen, sind wir ganz anders am Ball, als wenn wir uns wie bislang nur alle paar Monate treffen und uns jedes Mal erst wieder einfinden müssen.“
Stefan Vorbeck.
(Bild: Auto-Vorbeck)
Dies ist auch im Sinn der rund 21.000 Mitgliedsbetriebe. Beim Ausschuss der Bundesfachgruppe Freie Werkstätten im vergangenen Herbst hatten sich die Teilnehmer zudem für die Vertretung ihrer Interessen durch einen eigenen Geschäftsführer im ZDK ausgesprochen.
„Uns geht es überhaupt nicht darum, einen Keil zwischen freie und markengebundene Werkstätten zu treiben. Die Interessen sind schließlich fast dieselben“, betont Vorbeck. Auch Grün meint, dass die Kfz-Werkstätten im selben Boot sitzen: „Wenn zukünftig der Hersteller alle Fahrzeugdaten erhält, kann er auch steuern, zu welcher Werkstatt der Kunde geht. Das trifft uns alle.“
Stand: 08.12.2025
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So sieht es auch Biedermann. Er hält es für erforderlich, dass sich die Kfz-Werkstätten bei den Zukunftsthemen stärker positionieren. Neben der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) und der Euro-7-Abgasorm sei der Datenaustausch eines der Themen, die in Brüssel entschieden werden.