Die Traditionsschrauber in C6
Opel produziert tagtäglich eine große Zahl neuer Fahrzeuge. Um „alte Schätze“ kümmert sich die „Opel Oldtimer Werkstatt“ auf dem Werksgelände in Rüsselsheim. Sie ist Museum und Reaturatiosnbetrieb in einem.
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Stellen Sie sich vor, ein Hersteller produziert seit über 100 Jahren Automobile, und keiner kennt die alten Fahrzeuge dieser Marke. Diesen„blinden Fleck“ musste sich vor einigen Jahren die Adam Opel AG eingestehen. In einer Zeit, in der andere deutsche Autobauer bereits eindrucksvolle Oldtimermuseen vorzuweisen hatten, sah es bei der Marke mit dem Blitz in Sachen „Vergangenheitsbewältigung“ düster aus.
Doch das ist, Gott sei Dank, Geschichte. Fast jedenfalls. Denn im Laufe der letzten zirka sieben Jahre entstand Zug um Zug die Klassikabteilung des Rüsselsheimer Herstellers: die „Opel Oldtimer Werkstatt“ in der Halle C6.
Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um ein verglastes Meisterstück eines Stararchitekten auf der grünen Wiese. Die Werkstatt befindet sich nämlich da, wo die meisten Ausstellungsobjekte ihre Wurzeln haben; da, wo ein Großteil der automobilen Opel-Vergangenheit entstanden ist: mitten im Werk Rüsselsheim. Dort ist die Klassikabteilung – passend zu den historischen Fahrzeugen – in einem ebensolchen Gebäude auf dem Werksgelände untergebracht.
Oldtimer zum Fahren
Die große Halle aus den zwanziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts war einst Teil des ehemaligen Fahrzeug-Verladebahnhofs. Ein Großteil des rund 350 Stück zählenden geschichtlich und wirtschaftlich wertvollen Blechs ist darin untergebracht. Dicht an dicht reiht sich ein Oldtimer an den anderen. So steht der Opel-Rennwagen von 1914 eng neben dem Brot-und-Butter-Kadett aus den Siebzigern – ein Charme der besonderen Art.
Auch darin unterscheidet sich die Opel Oldtimer Werkstatt von anderen Werksmuseen: Fast alle Fahrzeuge sind nicht „tote“ Standmodelle, sondern fahrbereite Zeitzeugen ihrer Epoche. Gerade deshalb ist ständig Bewegung in der Oldi-Abteilung. Fahrzeuge wandern als Ausstellungsstücke und Leihgaben durch die Lande, und nehmen an Oldtimerausfahrten und -rallyes teil. So kommen die historischen Fahrzeuge ihrer ureigenen Bestimmung nach: Sie fahren auf unseren Straßen und erfreuen in dem oft einfallslosen Design-Einerlei heutiger Zeit die Menschen mit ihrem Anblick und Klang.
Oldi-Werkstatt-Team
Chef der Opel-Traditionsbewahrer ist Heinz H. Zettl. Er koordiniert sämtliche Oldtimer-Aktivitäten der Rüsselsheimer. Ziel von Zettl und seinen Mannen ist es, eine möglichst große Zahl unterschiedlicher Modelle aus allen Epochen zusammenzutragen. Was man nicht im Fundus hat, wird– wenn es das Budget zulässt – hinzugekauft. Und ist der Zustand schlecht, übernimmt kurzerhand das sechsköpfige-Werkstattteam die Restauration.
Einer von ihnen ist Stefan Victor. Er kam vor sieben Jahren in die Abteilung und kennt sie beinahe alle aus dem Effeff: ob „Lutzmann-Kutsche“ oder Diplomat V8. „Das Schrauben an den alten Autos macht mir sehr viel Spaß, da es sehr abwechslungsreich ist. Einige Male im Jahr begleite ich zudem die Wagen auf Veranstaltungen und sehe andere tolle Oldtimer“, so der gelernte Kfz-Mechaniker.
Ein Highlight für alle Alt-Opel-Fans ist der alljährliche Oldtimer-Grandprix am Nürburgring (s. »kfz-betrieb« 47/2007). Denn dort werden die besonders interessanten Prachtstücke vergangener Zeiten gezeigt: die Rennsportfahrzeuge, vom Grandprix-Rennwagen von 1911 mit Holzspeichen bis hin zum Commodore GSE mit Kotflügelverbreiterungen und Dreifach-Vergaserbatterie im Jumboformat. Und auch diese Opel-Oldis kommen ihrer ursprünglichen Aufgabe in optisch und akustischer Perfektion nach: Sie rennen, was das Zeug hält.
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