Die Trends vom Caravan-Salon in Düsseldorf

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In puncto Nutzwert profitieren potenzielle Kunden freilich am meisten von der großen Auswahl neuer, vielfältiger Grundrisse. Vorbei scheint die Zeit, da sich die Innenräume der Reisemobile bestenfalls noch darin unterschieden haben, ob im Heck Einzel- oder Doppelbetten, letztere längs oder quer, eingebaut sind. Dem Mainstream versuchen die Hersteller zum Teil mit durchaus gewagten Konstruktionen entgegen zu treten, was unter anderem zu einer wahren Renaissance der gemütlichen Hecksitzgruppe führt.

Möglich gemacht wird die neue Wohnvielfalt überhaupt erst durch die absenkbaren Hubbetten. Die gab’s zwar schon immer, fanden aber bisher hauptsächlich recht eindimensional bei integrierten Fahrzeugen im Fahrerhaus Verwendung. Jetzt wird in allen denkbaren Richtungen experimentiert, allerdings nicht in Konzeptstudien, sondern schon in der Serie. Bürstner etwa verbaut das Doppelbett in seiner neuen Baureihe Lyseo, die es vorerst als Alkoven und Teilintegrierten gibt, in Zukunft aber auch als Integrierter geplant ist. Im Lounge-Grundriss T744 verwandelt es die zweite Sitzgruppe im Heck mit Couchtisch und TV nach dem Absenken in ein Schlafzimmer.

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In den Challenger-Modellen Genesis und Mageo 270 sowie den verwandten Modellen der Schwestermarke Chausson aus der Trigano-Gruppe können zwei Einzelbetten über der üppigen Mittelsitzgruppe auch einzeln heruntergelassen werden, so dass sich ein Reisender schon schlafen legen kann, während der andere sich noch in die Zweiercouch lümmelt. Im Hymer-Debütanten Duo-Mobil, ein Integrierter, der zu Preisen ab 84.000 Euro freilich nichts für schmale Geldbeutel ist, gibt es noch eine andere Lösung: Um für die geräumige Rundumsitzgruppe im hinteren Teil Platz zu schaffen, platzierten die Innenarchitekten das Hubbett über dem Fahrerhaus so, dass es sowohl quer als Doppelbett zu verwenden ist oder mit Hilfe variabler Verlängerungen auch längs als Einzelkojen.

Als weiterer Trend lässt sich auch in der Caravanbranche ein verstärkter Hang zur Vernetzung feststellen, allerdings ist die Digitalisierung im Vergleich zum automotiven Sektor hier eher noch ein junges Pflänzchen. Ein WLAN-Hotspot an Bord ist schon verschiedentlich erhältlich. Hobby bietet ab Frühjahr 2017 aber auch eine eigene Connect App an, mit der das Smartphone zum Kontrollpaneel wird. So können nicht nur Licht, Heizung und Klimaanlage übers mobile Display gesteuert werden, sondern auch die Füllstände von Frisch- und Abwassertank abgefragt werden. Kostenpunkt für das Bordmanagement-System: knapp 700 Euro.

Wenige Alkoven-Modelle

Überschaubar bleibt das Angebot an Alkoven-Fahrzeugen. Doch selbst hier zaubert Dethleffs eine neue Idee aus dem Hut und konzipiert den 8,60 Meter langen Grand Alpa A7820-2 für allein reisende Paare mit hohem Platzbedarf. Ungewöhnlich sind die Einzelbetten im Alkoven, die ähnlich wie beim Hymer Duo-Mobil mit einer großen Hecksitzgruppe den Platz für noch mehr Wohnzimmer auf Rädern schaffen. Weitere Novitäten wie der bereits erwähnte Bürstner Lyseo und der Robel K59 auf VW-T6-Basis beweisen, dass das Segment gewiss nicht aussterben wird. Zumal die „Nasenbären“ im Vermietgeschäft nach wie vor in ihrer eigentlichen Bestimmun als Familienmobil gefragt sind.

Nicht zu übersehen werden die gigantischen Luxus-Liner in Halle 14 sein, wo es der Vario Perfect 1200 Platinum auf die Spitze treibt. Auf einem Mercedes-Actros-Lkw-Chassis bietet das 428 PS starke Monstrum mit drei seitlichen Slide-outs allen erdenklichen Luxus und beherbergt in der Heckgarage standesgemäß einen SL-Roadster, am besten natürlich in der AMG-Version. Mit einem Preis von 1,23 Millionen Euro dürfte es das teuerste Stück der insgesamt über 2.100 ausgestellten Freizeitfahrzeuge in Düsseldorf sein.

Auch bei den Wohnwagen wird der Besucher eine deutlich größere Anzahl an Grundriss-Varianten feststellen. Moderneres Design schlägt sich hier vor allem im Innenraum nieder, wie etwa in der neuen Tabbert-Baureihe Pep. Mit einem Blick in die Zukunft steht die bedeutsamste Neuerscheinung aber am Knaus-Stand: Mit dem Travelino revolutioniert der Hersteller aus dem Bayrischen Wald die Fertigungsmethoden. „Fibre Frame“ heißt das Schlagwort, ein hochfester Glasfaserrahmen, der für einen verwindungssteifen, selbsttragenden Aufbau sorgt und kompromisslosen Ultraleichtbau ermöglicht. Er soll nach und nach in alle Knaus-Baureihen einfließen, auch im Reisemobilbau eingesetzt werden und dürfte über kurz oder lang auch viele Nachahmer bei der Konkurrenz finden.

Es gibt also viel zu sehen auf dem Caravan-Salon. Obwohl erst im vergangenen Jahr erstmals die 200.000er-Marke geknackt wurde, rechnet die Messe Düsseldorf deshalb mit einem neuen Besucherrekord und hat sich entsprechend gerüstet. Die Ausstellungsfläche wurde um eine weitere Halle erweitert. Die Besucher können sich wie gewohnt auch über Zubehör, technisches Equipment, Ausbauteile, Vorzelte, Mobilheime, Campingplätze, Reisemobilstellplätze und Reisedestinationen, vor allem in die diesjährigen Benelux-Partnerschaftsländer, informieren. Eine Oldtimer-Show lädt zu einer Reise durch fünfeinhalb Jahrzehnte Caravan-Geschichte ein. Und da die Zuwachsraten viele Neueinsteiger in die Caravaning-Welt erwarten lassen, sollen speziell für diese Zielgruppe neutrale und herstellerunabhängige Experten in einer eigenen „Starter-Welt“ wichtiges Know-how rund um das mobile Reisen vermitteln.

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