Die Vor- und Nachteile von Werkstattportalen
Helmut Wolk hat mit weiteren Aftersales-Experten sind der Frage auf den Grund gegangen, ob Werkstattportale der Branche eher nutzen oder schaden. Die Ergebnisse stellt er auf der Fachtagung vor.

Vor nicht ganz zwei Jahren nahm das erste Werkstattportal Fair Garage zunächst in einem kleinen Rahmen und begrenzten Marktgebiet seine Arbeit auf. Der Kfz-Service-Marktplatz für Verschleiß-, Instandsetzungs- und Inspektionsservices im Internet sollte einerseits Transparenz für den Endverbraucher im Aftersales-Geschäft bringen, andererseits den Werkstätten die Möglichkeit bieten, ihre Auslastung gezielt zu verbessern. Schnell wurde die Diskussion um Fair Garage und alle weiteren Werkstattportale, die kamen, auf ein Thema reduziert: den Preis. Und die Gefahr eines für das Gewerbe gefährlichen Preiskampfes und damit verbundenen Margenverfalls ist nicht von der Hand zu weisen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Transparenz im Internet auch immer etwas mit fallenden Preisen zu tun hatte.
Die Research-Spezialisten von Wolk After Sales Experts aus Bensberg sind der Frage auf den Grund gegangen, ob es sich bei den Werkstattportalen um einen Fluch oder Segen handelt. Die Ergebnisse aus seiner Untersuchung wird Helmut Wolk auf der diesjährigen Fachtagung für Freie Werkstätten und Servicebetriebe am 26. Oktober im Vogel Convention Center in Würzburg präsentieren. Zudem werden die Chancen und Risiken abgewogen und verschiedene Sichtweisen präsentiert. Werkstätten berichten darüber hinaus von ihren Erfahrungen, und in der Diskussion mit den Referenten und Werkstätten kommen auch die Teilnehmer zu Wort.
Portale bieten Chancen und Risiken
Doch zurück zur Frage „Fluch oder Segen“? – Glaubt man Helmut Wolk, so muss man wohl antworten: „Weder noch“. Für ihn sind die Portale eine zusätzliche Möglichkeit, die allerdings auch richtig genutzt werden muss. „Durch die Portale können Werkstätten mehr Kunden auf ihren Hof bekommen“, führt Wolk aus. Es liege allein im Ermessen der jeweiligen Werkstatt, was sie daraus mache. „Auch im normalen Tagesgeschäft müssen die Werkstätten versuchen, dem Kunden proaktiv zusätzliche Dienstleistungen zu verkaufen“, erläutert Wolk.
Damit hat er Recht, denn im Grunde genommen ist genau das das Wesen der von allen Branchenexperten propagierten Dialogannahme. „Allerdings ist es enorm wichtig, den Kunden nicht über den Tisch zu ziehen, das gilt im Onlinegeschäft genauso wie im direkten Kundenkontakt“, gibt Wolk zu bedenken. Durch das Internet sei der Schaden aber ungleich größer, denn die vom Kunden vorgenommene Bewertung der Werkstatt werde einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
„Letztlich sind die Werkstattportale nichts anderes als beispielsweise HRS für Hotels“, fügt Wolk an. Er sehe in den Portalen für die Werkstätten die Chance, ihr Werkstattmarketing und ihr Pricing selbst in die Hand zu nehmen. „Damit kann die Werkstatt bei geringem Zeitaufwand ein Preismarketing entwickeln, mit dem sie sich in ihrem Markt etablieren kann“, erläutert Wolk. Man müsse allerdings auch die Gefahren für einzelne Werkstätten sehen – denn allein durch die Bewertungen, die Kunden auf diesen Portalen abgeben, werde es zu einer Marktbereinigung kommen. „Die Portale trennen die Spreu vom Weizen“, ist Wolk überzeugt.
Werkstattportale werden das Serviceverhalten der deutschen Autofahrer verändern. Denn diese informieren sich zunehmend über Serviceangebote auf den Onlineportalen. „Dennoch werden dadurch heute die Marktanteile noch nicht durcheinandergewirbelt“, beruhigt Wolk. Trotz der derzeit noch homöopathischen Anteile am Servicemarkt müssten sich die Werkstätten allerdings damit arrangieren. Längst sei der Zug abgefahren, und die Serviceportale seien nicht mehr aufzuhalten. Wolk wird auf der Fachtagung für Freie Werkstätten und Servicebetriebe im Oktober Tipps zum richtigen Umgang mit den Werkstattportalen geben – einen schon einmal vorab: „Die Werkstätten sollten selektiv vorgehen, das heißt, sie dürfen nicht ihr gesamtes Dienstleistungsangebot für alle Fahrzeugmodelle auf den Portalen einstellen.“
Anmelden, teilnehmen, lernen
Besuchen Sie die Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe am 26. Oktober 2013 in Würzburg. Informieren Sie sich umfassend über die Risiken und Chancen von Werkstattportalen. Nehmen Sie darüber hinaus wertvolle Marketingtipps von Freien Werkstätten auf und lassen Sie sich von den besten Freien Werkstätten Deutschlands inspirieren. Denn im Rahmen der Veranstaltung wird auch der „Deutsche Werkstattpreis“ verliehen. Für »kfz-betrieb«-Abonnenten und Innungsmitglieder kostet die Teilnahme nur 119 Euro statt 139 Euro (zzgl. MwSt). Anmelden können Sie sich unter www.freie.service.de oder bei catherina.leybold@vogel.de.
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