Die Werkstatt-Haute-Couture
Nicht nur die Laufstege dieser Welt wären ohne sie undenkbar, denn auch in moderner Berufskleidung steckt die Arbeit von Modedesignern. Im Interview dazu die Bekleidungsingenieurin Maren Wüstefeld. Sie berät unter anderem das Unternehmen DBL.
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Redaktion: Welche Eigenschaften muss Berufskleidung für die Kfz-Branche aufweisen?
Maren Wüstefeld: Grundsätzlich soll die Kleidung den Träger vor Schmutz, Chemikalien und anderen Gefahren schützen und darf ihn gleichzeitig bei der Arbeit nicht behindern. Zu weite Schnitte stören da ebenso wie zu enge Bekleidung. Die Kleidung muss auch dem signifikanten Bewegungsablauf ihres Trägers folgen – und der liegt beim Instandsetzen und Reparieren vor allem im Oberkörper- und Armbereich.
Welches Material wird dabei verwendet?
Im Idealfall unterstützt die Bekleidung die Bewegungen. Das erreicht man unter anderem, indem man spezielle Materialen wie z. B. Stretcheinsätze oder Verstärkungen verwendet. Da die Tätigkeiten zumeist indoor durchgeführt werden, darf die Bekleidung nicht zu dick sein – der Tragekomfort hängt unmittelbar mit dem Körperklima zusammen. Selbstverständlich muss das Gewebe der speziellen Raumtemperatur angepasst sein.
Welche Details müssen beachtet werden?
Im Karosseriebereich ist darauf zu achten, dass die Bekleidung die Fahrzeuge nicht zerkratzen darf. Elemente wie Knöpfe müssen verdeckt angebracht oder durch Verschlüsse wie weiche Klettbänder ersetzt werden. Gerade Lackierer arbeiten oft auch in speziellen Lackieroveralls, um absolute Fusselfreiheit zu garantieren. Letztlich macht erst die Detailarbeit Berufskleidung wirklich gut: funktionelle Finessen wie spezielle Verstärkungen z. B. im Kniebereich, ergonomisch gut platzierte Taschen, Stretcheinsätze, intelligente Verschlussmöglichkeiten oder Nässesperren. Das alles unterstützt den Träger mehr als eine besondere Farbe.
Wir dürfen nicht vergessen, dass der Träger der Berufskleidung sich morgens nicht selbst aussuchen kann, welche Farbe er heute tragen möchte. Bei der Farbgestaltung sollte man nicht unbedingt immer komplett die jeweilige Corporate-Identity-Farbe verwenden. Ein Detail in der speziellen Farbe wirkt oft vorteilhafter – und der Träger der Berufskleidung fühlt sich besser.
Wie modisch darf die Kleidung in der Kfz-Werkstatt sein?
Wir greifen hier Trends aus der Freizeitmode auf und erhöhen so die Akzeptanz beim Träger. Diese Adaption aus der Freizeit kann in Stoffen liegen oder auch im Schnitt der Bekleidung. Aber: Auch in dieser Branche arbeiten natürlich die unterschiedlichsten Menschen. Alle Größen, Haut- und Haarfarben sowie die verschiedenen Altersgruppen müssen sich in der Bekleidung wohl fühlen. Modern, nicht modisch will die Berufskleidung sein.
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