Die Zukunft des E-Antriebs ist offen

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Jens Rehberg

Alles spricht vom Elektroantrieb, über seine Schwächen redet jedoch kaum einer. Getrag-Chef Tobias Hagenmeyer schon. Aus seiner Sicht hat die Elektrifizierung große Hürden zu überwinden.

Die Automobilbranche kommt am Elektroantrieb nicht vorbei. Mit einer raschen massenhaften Verbreitung dürfen Industrie und Handel allerdings nicht rechnen. Zu diesem ambivalenten Ergebnis ist am Freitag die Handelsblatt-Konferenz „Mobilität von morgen“ in München gekommen.

Auf Elektrofahrzeuge könne und wolle sein Unternehmen schon aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit nicht verzichten, verdeutlichte etwa Opel-Chef Nick Reilly. Auf eine konkrete Markteinschätzung für Europa wollte er sich jedoch nicht einlassen. Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet dagegen die Ablösung von Benzin und Diesel durch die Kraftstoffe Strom und Wasserstoff. Dies allerdings über einen Zeitraum von 50 Jahren.

Die Frage, ob die E-Mobilität die Lösung für den Antrieb von morgen sei, beantwortete Tobias Hagenmeyer folgerichtig mit einem „ganz klaren Jein“. Der Chef des Getriebeherstellers Getrag analysierte in seinem Impulsvortrag die Stärken und Schwächen von Verbrennungs- und Elektroantrieb.

Wegen der beschränkten Öl-Ressourcen und der Umweltprobleme sei die Industrie in der Pflicht zu handeln. Andererseits müsse sie Produkte für Kunden entwickeln, „die erwarten, dass ihr neues Fahrzeug mindestens das kann, was ihr alter Pkw schon konnte“.

Mangelnde Konkurrenzfähigkeit des E-Antriebs

Konkret müsse das E-Auto als vollwertiger Ersatz für konventionelle Pkw eine ähnliche Reichweite haben und dürfe nicht teurer sein. „Das Auto ist in der Regel die zweitgrößte Investition für den Kunden, d.h. er wird vergleichen, was er beim konventionellen und dem elektrischen Antrieb für sein Geld bekommt“, sagte Hagenmeyer.

Generell hält es Hagenmeyer zunächst für sinnvoll, die Elektrofahrzeuge dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken ausspielen kann. Dies gelte insbesondere im innerstädtischen und im Kurzstreckenverkehr bis 50 Kilometer.

Bis die Rahmenbedingungen für konkurrenzfähige Elektroangebote geschaffen sind, müssten Industrie und Zulieferer alles daransetzen, die bestehenden konventionellen Antriebstechnologien zu verbessern. „Eine weitere Verbrauchsreduzierung um 30 Prozent durch Downsizing und Technologie-Optimierung ist möglich“, so Hagenmeyer. Unter anderem könnten hierzu Gewichtsreduzierungen beitragen.

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