Torsten Claus und Christian Plagemann haben die Oldtimer-Handelsplattform „Classic Trader“ gegründet. Seit vielen Jahren sind sie beruflich wie privat ganz nah dran am Klassikermarkt. Sie kennen die aktuellen Trends genau.
Christian Plagemann (li.) und Torsten Claus (re.) sind die Gründer und Geschäftsführer der Classic Trader GmbH. Claus betreute vor der Gründung von Classic Trader 2013 verschiedenste Beratungsprojekte in der Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie im Bereich der erneuerbaren Energien. Plagemann bekleidete in den letzten fünf Jahren verschiedene Sales- und Business-Development-Funktionen bei Ebay und Mobile.de und zeichnete verantwortlich für diverse strategische Kooperationen mit Partnern in der Automobil- und Medienbranche.
(Bild: Classic Trader)
„Wohin geht die Reise?“ Eine im Automobilsektor momentan häufig gestellte Frage. Gerade im Hinblick auf derzeitige und künftige Antriebskonzepte. Doch nicht nur da. Auch der Klassikermarkt ist jüngst spürbar in Bewegung geraten. Wo steht dieser nach dem Boom der letzten Jahre? Soll man sich jetzt noch einen Oldtimer zulegen? Welche Fahrzeuge haben eine gute Perspektive? Und was können Anbieter tun, um Zweifel potenzieller Käufer auszuräumen?
Fragen, auf die nicht jeder die passende Antwort hat. Torsten Claus und Christian Plagemann hingegen schon. Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Oldtimer-Handelsplattform „Classic Trader“. Seit vielen Jahren sind sie beruflich wie privat ganz nah dran am Klassikermarkt. Die beiden können über die Trends bei Angebot und Nachfrage von vorderster Front berichten?
Redaktion: Was ist der aktuelle Stand auf dem Klassikermarkt?
Christian Plagemann: In der jüngeren Vergangenheit konnten wir eine Korrektur des Wertegefüges auf ein wieder realistisches Niveau beobachten. Bei einigen Marken und Modellen war der Markt ungesund aufgeheizt. Es findet also gerade eine Anpassung statt, und zwar speziell auf die Bedürfnisse und Geschmäcker einer neuen Generation. Fahrzeuge der Achtziger- und Neunziger-, teilweise sogar der Zweitausenderjahre erfreuen sich großer Beliebtheit. Eine neue Generation steigt ein und orientiert sich an den Modellen der eigenen Jugend. Außer zu Einstiegsklassikern zeigt sich ferner ein Trend zu Super- und Hypercars. Im oberen, aber eben auch im unteren Preissegment gibt es viel Bewegung. Momentan ist es gerade das mittlere Preissegment, das sich deutlich konsolidiert; steigende Werte sind hier aktuell nicht zu erwarten.
Man hört ja immer wieder Aussagen, der Markt der weniger sportlichen Vorkriegsfahrzeuge sei tot. Stimmt das?
Christian Plagemann: Sagen wir so: Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt eher eine Verschiebung solcher Fahrzeuge zu Märkten in Nah- und Fernost, auf denen sich die erste und zweite Generation an Sammlern gerade erst formiert. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Märkte hier und dort entwickeln. Die Begeisterung für Old- und Youngtimer ist auf alle Fälle ungebrochen. Und die nächsten Generationen der Enthusiasten stehen in den Startlöchern.
Worauf legen Einsteiger ins Classic-Hobby heute wert?
Torsten Claus: Entscheidend sind die Alltagstauglichkeit sowie die Service- und Wartungsinfrastruktur. Gerade Erstkäufer, die nicht bereits eine Werkstatt ihres Vertrauens kennen oder gar selbst Kleinigkeiten reparieren können, legen Wert auf diese Punkte und erwarten Zuverlässigkeit. Diese Autoliebhaber gieren förmlich nach dieser Art der Sicherheit und wählen hierzulande gerade aus diesem Grund Marken wie Porsche und Mercedes-Benz, die vor allem auch für ihre Zuverlässigkeit, eine gute Teileverfügbarkeit und ein durchgängiges Servicenetzwerk bekannt sind.
Welche Herausforderungen gibt es beim Oldtimer-Fannachwuchs?
Christian Plagemann: Neue Fahrer von Klassikern müssen abgeholt werden. Der Emotionstransfer auf die neue Generation muss zeitgemäß erfolgen. Während man vor 30, 40 Jahren allein mit Printpublikationen einen Großteil der Klientel erreichen konnte, sollte man heute die Medienlandschaft breiter bespielen – Stichwort Social Media. Gewiss, die besten Hochglanzfotos bei Instagram und die dynamischsten Videos bei TikTok können nicht den Sound und das Feeling beim Fahren oder die Arbeit an einem alten Auto transportieren. Aber der erste Schritt kann nur so geschehen, um in der Folge die nächste Generation hinter das Lenkrad eines Klassikers zu bringen.
Worauf kommt es bei der Vermarktung von Oldtimern heute an?
Torsten Claus: Aus unserer Sicht ist es mit das Wichtigste, bei der Vermarktung klassischer Fahrzeuge ganz viel Vertrauen herzustellen. Klassische Fahrzeuge sind eben keine Neuwagen. Die Kunst, mit solchen Autos zu handeln, besteht darin, einen hohen Grad an Transparenz und Sicherheit zu schaffen. Das erleichtert den Verkauf eines marktgerecht eingepreisten Fahrzeugs massiv.
Wie muss sich der Oldtimerhandel positionieren, um für die Zukunft gewappnet zu sein?
Christian Plagemann: Da möchte ich erneut den Begriff des Emotionstransfers bemühen. Klassiker verkaufen sich – wie vieles andere auch – nicht mehr von alleine. Egal ob Vorkriegsautomobil oder eleganter Sportwagen der Fünfziger. Man muss online wie offline als Anbieter präsent sein und potenziellen Kunden die Fahrzeuge multimedial vorstellen – auch mithilfe moderner Konzepte wie beispielsweise unserem „Classic Cars Pop-up-Store“, den wir dieses Jahr zum zweiten Mal ausrichten werden.
Stand: 08.12.2025
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Haben Oldtimer vor dem Hintergrund so mancher Umweltdiskussion überhaupt eine Zukunft?
Torsten Claus: Der internationale Old- und Youngtimermarkt muss sich genauso mit den Fragen der Zukunft auseinandersetzen wie die Automobilindustrie. Ein Aspekt ist beispielsweise die allgemeine Akzeptanz von Oldtimern im Straßenbild. So gibt es in der Entwicklung befindliche Lösungen, die auch für Oldtimer nutzbar sind, um auch diese Fahrzeuge dem aktuellen Zeitgeist in Sachen Umwelt anzupassen. Hiermit meine ich nicht nur die Nische der Elektrifizierung von Oldtimern, sondern insbesondere die Nutzung synthetischer Kraftstoffe, die in den nächsten Jahren den Verbrennungsmotor und insbesondere den von Oldtimern zu einem umweltfreundlichen Wegbegleiter machen können.
Es gibt nicht wenige Stimmen, die aktuellen Modellen absprechen, künftig Klassiker werden zu können, gerade im Hinblick auf die verbaute Menge Elektronik. Wie sehen Sie das?
Christian Plagemann: Wird es keine neuen Klassiker mehr geben? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Die Voraussetzungen bleiben dieselben, selbst wenn sich die Gesellschaft wandelt und mit ihr Geschmack und Bedürfnisse. Wir sind noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Auch heute findet man noch die Underdogs bei den weniger bekannten Marken, bei Kleinserienherstellern und bei toten Marken. Wie zum Beispiel einen Maserati Shamal und einen Wiesmann Roadster, um nur zwei zu nennen. Es ist natürlich richtig, dass bei Klassikern neue Herausforderungen auf die Werkstätten zukommen. Aber auch da bewegt sich viel. Manches Steuergerät, das heute nicht zu reparieren ist, wird man vermutlich in einigen Jahren problemlos instand setzen oder durch neue Systeme ersetzen können.
Welche Autos haben das Potenzial, in ein paar Jahren als Klassiker gehandelt zu werden?
Torsten Claus: Der internationale Markt für „Sammlerfahrzeuge“ unterliegt ganz klar Trends. Sie rufen immer wieder neue Strömungen hervor und bringen Vergessenes wieder auf die Agenda. Streng genommen ist diese Frage aber ähnlich wie auf dem Kunstmarkt zu beantworten. Seltene Fahrzeuge von bekannten Markendesignern oder Kombinationen mit herausragenden Eigenschaften sind im Normalfall Garanten für attraktive Wertsteigerungen. Man muss aber von Fall zu Fall entscheiden, auch innerhalb eines Modells. Ein Golf IV 1,6 Highline zum Beispiel wird sicherlich noch ein paar Jahrzehnte warten müssen, bis er so selten und damit besonders geworden ist, dass sich Liebhaber nach ihm umdrehen – anders ist dies beim R32.
Unter www.classic-trader.com betreibt die Classic Trader GmbH aus Berlin den ersten internationalen Marktplatz für den An- und Verkauf von klassischen Fahrzeugen im Internet. Mit über 14.000 Fahrzeuginseraten aus aller Welt und monatlich mehr als sieben Millionen Seitenaufrufen ist Classic Trader Europas Onlinemarktplatz für klassische Automobile und Motorräder. Seit 2016 ergänzt ein eigenes Printmagazin das Angebot von Classic Trader. Das gleichnamige Heft erscheint zweimonatlich im deutschsprachigen Raum.