Diese Frau hat Benzin im Blut
„Als junges Mädchen hatte ich immer den Wunsch, Porsche zu verkaufen“, erklärt Christina Degenhart eher beiläufig. Seit 2003 ist sie das, wovon viele Männer träumen: Geschäftsführerin des Porsche-Zentrums Trier.
Von Statur klein und zierlich, im Geschäftsleben groß und durchsetzungsstark, das ist Christina Degenhart. Seit 2003 ist sie das, wovon viele Männer ihr Leben lang träumen: Geschäftsführerin des Porsche-Zentrums Trier. Was wie ein automobiles Märchen klingt, war nicht immer leicht.
„Als junges Mädchen hatte ich immer den Wunsch, Porsche zu verkaufen“, erklärt Degenhart eher beiläufig. Im elterlichen VW/Audi-Betrieb wird sie mit Benzin im Blut im Westerwald groß. Von Anfang an ist für sie klar, dass sie in die Fußstapfen der Eltern treten will.
Die Übergabe ist von langer Hand geplant und ganz klassisch: Ausbildung bei Autohaus Thomas in Neuwied, anschließend von unten als Sachbearbeiterin Finanzbuchhaltung im elterlichen Betrieb hochgearbeitet; 1985 Leiterin der kaufmännischen Verwaltung, Rechnungswesen, Personal und Assistentin des Vaters. Im Lebenslauf steht dann: Assistentin der Geschäftsleitung. 1990 übernahm sie die Geschäftsleitung.
Ihr Vater baut in den neuen Bundesländern einen weiteren Betrieb auf, in den die Tochter einsteigt. Wirklich glücklich ist sie dennoch nicht: „Ich hatte am Management-Marketing-Institut einen mehrmoduligen Kurs zur Personalführung belegt. Das erste Modul hieß Selbstfindung“, erinnert sich Degenhart. Der Besuch des Kurses ist die Initialzündung, ihrem Leben noch einmal eine ganz neue Orientierung zu geben. „Es ist erstaunlich, wie klar die Dinge für einen werden, wenn man mit einem Menschen spricht, der eben nicht emotional in unser Geschäft und die Familie eingebunden ist“, weiß die Geschäftsfrau.
Leicht hat sie sich die Entscheidung nicht gemacht. Zwei Jahre überlegt sie hin und her. Im Jahr 1998 schließlich kündigt sie ihren Job im elterlichen Betrieb. Und ganz plötzlich geht ihr Kindheitstraum in Erfüllung: Albrecht Bach, Geschäftsführer der Bach-Gruppe mit Sitz in Limburg, bietet ihr eine Stelle als Verkäuferin im Porsche-Zentrum Limburg an. Degenhart lernt die Porsche-Welt genau kennen. Verkaufen macht Spaß!
Berufliche Weichen neu gestellt
2003 übernimmt Degenhart, die inzwischen zertifizierte Porsche-Verkäuferin ist, die Geschäftsführung des Porsche-Zentrums Limburg, und hat eigentlich alles, was das Herz begehrt. Wenn da nicht der Drang wäre, beruflich noch einmal die Weichen ganz neu zu stellen. Dazu Degenhart: „Ich wollte entweder mal in einer großen Händlergruppe oder direkt beim Hersteller arbeiten.“
2005 packt Degenhart die Gelegenheit beim Schopf und wechselt zur Löhr & Becker AG. Dort wird sie Geschäftsführerin des Porsche-Zentrums Trier. Mit ihr sollte sich für das 2001 neu erbaute Zentrum Kontinuität in der Geschäftsführung einstellen. „Das Schwierigste und Wichtigste war, mir das Vertrauen des Teams, meiner Mitarbeiter zu erarbeiten“, untertreibt die Porsche-Frau.
Wie stark das Trierer Porsche-Team mittlerweile zusammensteht, belegt der Dekra-Werkstatttest vom April dieses Jahres. 100 Prozent Mängelerkennung – diese Kennzahl spricht für sich. In der Porsche-Handelsorganisation hat sie das Porsche-Zentrum von Rang 71 im Jahr 2004 heute auf einen guten Rang 29 positioniert. Die Kundenzufriedenheit hat sie mit ihrem Team von 67 auf 82 Prozent gesteigert. Sie wäre nicht Unternehmerin des Jahres, hätte sie dabei die Zahlen aus den Augen verloren.
Nicht über den Preis verkaufen
Ihr Credo lautet: Nicht über den Preis, sondern über den Wert verkaufen! Das schafft sie über die drei Marketing-Linien „Lifestyle“, „Sport“ und „Kultur“. Mit anspruchsvollen und vielfältigen Veranstaltungen begeistert das Team die Trierer. Und wo bleibt das Privatleben bei soviel Engagement? „Das ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren zugegebenermaßen ziemlich kurz gekommen. Für meine Hobbys, insbesondere Konzertbesuche und sportliche Aktivitäten, bleibt kaum Spielraum. Das empfinde ich jedoch dank der Rückendeckung meiner Familie und meiner Freunde zu keiner Zeit als Einschränkung“, erklärt Degenhart.
Eigene Kinder hat Degenhart nicht. Als 1992 jedoch eine Renneroder Familie für Tschernobyl-Kinder einen vierwöchigen Ferienaufenthalt organisiert, übernimmt Christina Degenhart die Patenschaft für die damals achtjährige Victoria. „Wir kannten uns ja nicht. Aber als die Kleine aus dem Bus ausstieg, war es bei uns beiden Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste, das ist mein Patenkind“, erinnert sich Degenhart. Aus dem Mädchen ist mittlerweile eine junge Frau geworden. Ihre Ziehmutter hat ihr nach einem mit Bravour bestandenen Abitur mittlerweile ein Fernstudium Ökonomie in Minsk finanziert. Parallel zum Studium arbeitet Victoria als Dolmetscherin für eine deutsche Firma. Darüber hinaus ist sie jedes Jahr rund vier Monate in Deutschland. „Ich habe mich bemüht, bei Vica das Bewusstsein zu fördern, dass sie es auch in Russland mit Leistung zu etwas bringen kann“, unterstreicht Degenhart ihr Engagement.
Und für die Zukunft? Ihre Augen blitzen: „Na, den Erfolg weiter fortsetzen. Der Investor muss doch Spaß an seinem Engagement haben. Dazu werde ich die Mitarbeiter weiter fördern, mit dem Ziel, eine starke zweite Führungsebene zu bilden. Dann habe ich die Freiräume, konzeptionell die Weichen weiter auf Erfolg zu stellen!“
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Link: Porsche-Zentrum Trier
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