Diesel-Affäre: Behörden legen erste Autos von Update-Verweigerern still
Die Zulassungsbehörden machen ihre Drohung wahr und beginnen, die Fahrzeuge von Haltern stillzulegen, die ein Pflicht-Update an ihrem Diesel-Auto verweigern. Nicht alle Kommunen gehen dabei gleich hart vor.

Zulassungsbehörden in ganz Deutschland machen zunehmend ernst mit der Aufarbeitung der Diesel-Affäre. Fahrzeuge, die davon betroffen sind, aber dennoch nicht das vom Kraftfahrt-Bundesamt vorgeschriebene Software-Update erhalten, müssen mit der Stilllegung rechnen. Nach Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, „NDR“ und „WDR“ ist es bereits zehn Autofahrern so ergangen, etwa 90 haben die Behörden aufgefordert, binnen vier Wochen ihr Dieselmodell umzurüsten.
Zu den Kandidaten für eine Stilllegung dürften vor allem Halter eines VW Amarok mit Diesel-Antrieb zählen. Jenes Modell war im Februar 2016 das erste, für das das KBA einen verpflichtenden Rückruf wegen einer unerlaubten Prüfstandserkennung angeordnet hatte. Der Behörde zufolge haben betroffene Kunden 18 Monate Zeit, das Update aufspielen zu lassen. Für Amarok-Kunden, die ihren Brief von VW direkt nach der Rückruf-Freigabe bekommen haben, die Umrüstung aber verweigern, ist diese Frist also bereits abgelaufen.
Weitere Autos, die der Deadline nahe kommen, sind laut NDR und SZ bestimmte Varianten des Audi A4 mit 2-Liter-Diesel sowie manche Derivate der VW-Modelle Golf und Passat. Dem Bericht zufolge könnte aktuell rund 200.000 Haltern, die das Update bislang verweigert haben, die Stilllegung ihres Fahrzeugs drohen. Insgesamt umfasst der Pflicht-Rückruf des KBA 2,4 Millionen Autos.
Darüber hinaus hat der Rechercheverbund auch beobachtet, wie streng verschiedene Kommunen das Thema angehen. Das Kreisverwaltungsreferat München erinnert nach eigener Aussage die betroffenen Halter einmal gebührenfrei, dabei können diese sich auch zu dem Fall äußern. Reagiert ein Autofahrer auf dieses Schreiben nicht, bekommt er eine zweite Aufforderung. Passiert dann erneut nichts, droht die Stilllegung. Dabei werde dann auch die Polizei herangezogen, heißt es aus München.
Andere Zulassungsstellen äußerten sich gegenüber den Medien ähnlich, allerdings wird nicht überall gleich hart durchgegriffen. In Stuttgart wird etwa jeder Einzelfall genau geprüft. Sollten Halter dabei „gewichtige Gründe“ vortragen können, warum sie das Update verweigern, könnten sie eine Stilllegung verhindern. Auch der Klageweg ist möglich, um die Prozedur zumindest einmal aufzuschieben.
Keine Stilllegung droht Fahrzeughaltern, deren Autos von freiwilligen Rückrufen betroffen sind. Derartige Aktionen für insgesamt rund 630.000 laufen unter anderem bei Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW. Auch Besitzer von Fahrzeugen, für die beim Dieselgipfel Nachbesserungen beschlossen wurden, haben nichts zu befürchten, wenn sie ihr Auto nicht in die Werkstatt bringen.
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