Die kommende technische Richtlinie legt lediglich die Anforderungen an die Nachrüstsysteme fest. Damit können die Hersteller an die Entwicklungsarbeit gehen. Es dürfte mehrere Monate dauern, auch nur für die wichtigsten und am einfachsten nachzurüstenden Fahrzeugmodelle Lösungen zu entwickeln.
Die Nachrüstung von Dieseln ist in aller Munde, doch welche Systeme gibt es, wie kommt es zu Emissionsproblemen, wie lassen sie sich in den Griff bekommen und welche Kosten entstehen. Jan Rosenow, Ressortleiter Technik & Service, trägt die Fakten zusammen, informiert über Prozesse, Methoden und die Verfügbarkeit. Zum Video.
Dann folgt die Zulassung beim KBA. Die Behörde wird dabei sehr genau hinschauen, um ein Desaster wie beim Dieselpartikelfilter im Jahr 2007 zu vermeiden – damals hatten sich mehrere zugelassene Nachrüstprodukte als wirkungslos erwiesen. Entscheidend für den weiteren Ablauf ist, ob das Amt für die Zulassung eine „Familienbildung“ erlaubt, das heißt, ob eine Anlage gleich für eine Vielzahl von Fahrzeugen genehmigt wird (beispielsweise alle Modelle mit Zwei-Liter-TDI von VW). Oder ob für jede Modellvariante eine eigene Betriebserlaubnis beantragt werden muss, was den Testaufwand extrem vergrößern würde.
In einigen Fällen könnte die Produktion noch im Jahr 2019 starten, heißt es von den Nachrüstern. Aber für weniger verbreitete Autos könnte es auch 2020 oder gar 2021 werden – wenn dann überhaupt noch Bedarf besteht.
ZDK fordert: „Nachrüstung jetzt“
Eines ist klar: Für die Kfz-Branche wäre eine groß angelegte Nachrüstaktion – bezahlt von den Autoherstellern – eine nachhaltigere Lösung als eine weitere Rabattschlacht im Neuwagengeschäft. Denn diese spült in den nächsten Jahren eine neue Welle von Gebrauchtwagen mit niedrigem Restwert zurück in den Handel. Die Nachrüstung dagegen hält hochwertige Dieselfahrzeuge im Bestand, bringt Werkstattumsatz und stärkt die Kundenbindung. Deshalb hat sich auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) von Anfang an für die Hardware-Nachrüstung ausgesprochen.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk trafen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am 12. Dezember in Berlin zu einem persönlichen Gespräch. Die ZDK-Spitzenvertreter begrüßten es, dass die Hardware-Nachrüstung nun Teil des Konzepts für saubere Luft in den Städten sei. Laut Karpinski seien zahlreiche Händlern bereit, für die Hardware-Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen eigene Mittel aufzubringen. Auch viele tausend Autofahrer hätten gegenüber dem Handel, aber auch bei Herstellern von Nachrüstsystemen, ihr Interesse bekundet.
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