Dieselnachrüstung: Was zu wissen und zu beachten ist

Bis zum 1. Januar will der Bund eine Nachrüstrichtlinie vorlegen

| Autor: Jan Rosenow

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erwartet von den Autoherstellern, dass sie die Kosten für die Nachrüstung übernehmen.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erwartet von den Autoherstellern, dass sie die Kosten für die Nachrüstung übernehmen. (Bild: Britta Pedersen)

Die Strategie der Automobilhersteller, durch Bestandserneuerung die Stickoxid-Emissionen des Straßenverkehrs schnell zu senken, wird nicht aufgehen. Das Feuerwerk der Kaufprämien ist mittlerweile abgebrannt: Im November 2018 sanken die Neuzulassungen auf dem Privatmarkt um 16,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Nach elf Monaten lag der Neuwagenmarkt in Deutschland mit fast exakt 3,2 Millionen Erstzulassungen gerade 0,4 Prozent im Plus. Wie viele „alte“ Diesel in dieser Zeit verschrottet oder außer Landes gebracht wurden, kann das KBA nicht sagen, da es bei der Abmeldung nicht mehr zwischen endgültiger und vorübergehender Außerbetriebsetzung unterscheidet. Aber von einer echten Bestandserneuerung kann sicherlich niemand reden – der Tausch Neu gegen Alt liegt im Rahmen des langjährigen Mittels.

Deshalb rückt die Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen mit verbesserter Abgastechnik nun auch beim Bundesverkehrsministerium wieder in den Fokus. Bis zum 1. Januar 2019 will Minister Andreas Scheuer (CSU) eine technische Richtlinie erlassen, in der die Anforderungen an Nachrüstkatalysatoren zusammengefasst sind.

Dass deren Technik schon längst funktioniert, davon konnte sich »kfz-betrieb« Ende November 2018 als erstes Fachmedium im ADAC-Technikzentrum in Landsberg/Lech überzeugen. Der ADAC testet derzeit im Auftrag des Verkehrsministeriums von Baden-Württemberg drei Fahrzeuge, die von unterschiedlichen Firmen aufgebaut wurden:

  • Fiat Ducato, umgerüstet von HJS
  • Volkswagen T5, umgerüstet von Oberland-Mangold
  • Opel Astra J, umgerüstet von Baumot

Nachrüstung senkt NOx-Emission um bis zu 80 Prozent

Der Club führt mit ihnen einen auf 50.000 Kilometer angelegten Alltagstest auf öffentlichen Straßen durch. 30.000 Kilometer sind bereits absolviert, die Auswertungen laufen derzeit. Die in diesem Beitrag gezeigten Messwerte beruhen auf der ersten Zwischenbilanz nach 10.000 Kilometern. Der ADAC misst übrigens nicht nur die Stickoxid-Emissionen, sondern auch den Ausstoß an nicht reglementierten Schadstoffen wie Ammoniak.

Video: Fakten zu Diesel und Nachrüstung Die Nachrüstung von Dieseln ist in aller Munde, doch welche Systeme gibt es, wie kommt es zu Emissionsproblemen, wie lassen sie sich in den Griff bekommen und welche Kosten entstehen.
Jan Rosenow, Ressortleiter Technik & Service, trägt die Fakten zusammen, informiert über Prozesse, Methoden und die Verfügbarkeit. Zum Video.

Die Zwischenergebnisse zeigen, dass die Hardware-Nachrüstung prinzipiell funktioniert. Im Realbetrieb bei sommerlichen Temperaturen konnten die SCR-Anlagen den NOx-Ausstoß um 63 bis 80 Prozent senken – und das, obwohl es sich noch um Prototypen handelt. Trotz hoher Rohemission von bis zu 1.200 Milligramm pro Kilometer beim Opel Astra (vorgeschriebener Grenzwert nach NEFZ: 180 Milligramm) drückten sie die Messwerte auf oder unter das von der Bundesregierung angedachte Limit von 270 Milligramm für Fahrzeuge, die von Fahrverboten ausgenommen bleiben sollen.

Ob die Anlagen bei Winterkälte eine ebenso hohe Leistung zeigen, wird sich erst am Ende des 50.000-Kilometer-Versuchs weisen. Der ADAC will die Ergebnisse Ende Februar veröffentlichen.

Das Potenzial zur Emissionsreduzierung ist also gegeben. Doch wie sieht es mit der wirtschaftlichen Seite aus? Lohnt sich der aufwendige Einbau?

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45651953 / Technik)

Plus-Fachartikel

Nutzfahrzeugmarkt: Nicht alle Brummis gefragt

Nutzfahrzeugmarkt: Nicht alle Brummis gefragt

Der deutsche Lkw-Markt ist 2018 um 2,8 Prozent auf 65.181 Neuzulassungen gewachsen. Davon profitierten primär Partner von DAF und MAN. Das Nachsehen hatten dagegen jene von Iveco und Renault. Eine Brummi-Marke blieb fast unverändert. lesen

Wohnmobil-Markt: Stau auf dem Campingplatz

Wohnmobil-Markt: Stau auf dem Campingplatz

Im Jahr 2018 kauften die Deutschen mehr Wohnmobile und Caravans als je zuvor. Die solvente Kundschaft verlangt Technik und Service auf höchstem Niveau – ein guter Zeitpunkt für Kfz-Betriebe, um in den Service für diese Fahrzeuge einzusteigen. lesen