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Dieter Zetsche verabschiedet sich mit Spar-Appell

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Daimler hatte in den vergangenen Monaten bereits zwei große neue Allianzen verkündet: Mit Geely arbeitet man künftig bei der kriselnden Kleinwagenmarke Smart zusammen, mit BMW bei der Entwicklung autonom fahrender Autos. Ihre Mobilitätsdienste haben die beiden Rivalen auch schon zusammengelegt.

Zetsche hatte 2006 die Führung des Daimler-Konzerns übernommen. In seiner Amtszeit löste er die Ehe mit dem US-Autobauer Chrysler, die erst euphorisch gefeiert worden war, sich dann aber schnell zur Belastung entwickelt hatte. Nach der Finanzkrise führte er den Konzern aus einer schweren Flaute, er modernisierte das als altbacken kritisierte Design bei Mercedes-Benz und eroberte damit jüngere Käuferschichten. Nach vielen Jahren hinter dem Erzrivalen BMW konnte Mercedes 2016 die Weltspitze bei Premium-Autos zurückerobern.

Zetsches Erfolge sind unter den Aktionären unbestritten, es gab viel Applaus am Mittwoch – wenn auch keinen überschwänglichen. Es sei dann doch keine ganz gewöhnliche Situation, gab Aufsichtsratschef Manfred Bischoff zwischendurch zu. Bischoffs Amtszeit endet in zwei Jahren, dann soll Zetsche seinen Posten übernehmen.

Aktionäre kritisieren Zetsche

Kritik musste sich Zetsche an seinem letzten Tag aber auch anhören: An der finanziellen Performance, aber auch am Umgang etwa mit der Dieselaffäre, in der Daimler immer noch im Visier von Behörden und Ermittlern ist. Ricardo Wintzer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach in Anspielung auf das kommende Umbauprojekt vom „Projekt Vergangenheit“ – und meinte damit eben teure Dieselrückrufe, Verkaufsstopps und Kartellverfahren.

Und vielen Aktionären bleibt unter dem Strich einfach auch zu wenig übrig. „Daimler hat ein chronisches Effizienzproblem, das Herr Zetsche nie wirklich angepackt hat“, kritisierte Janne Werning von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Daimler kämpfe an allen Fronten, und die Renditeziele seien in weite Ferne gerückt, stellte auch Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment fest.

Acht bis zehn Prozent Rendite etwa soll die Autosparte eigentlich bringen. Dieses Zielniveau wird der Hersteller wohl erst 2021 wieder erreichen, wie Zetsche noch einmal betonte.

Gemeinhin heiße es ja, man solle Schluss machen, wenn es am schönsten sei – diesen Zeitpunkt habe Zetsche verpasst, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Sie übernehmen ein Haus in stürmischen Zeiten“, merkte er in Richtung Källenius an, „in sehr stürmischen Zeiten“.

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