Audi-Digitalmarketingexperte Müller nannte als Beispiel für die digitale Zusammenarbeit von Audi mit seinen Händlern die sogenannten Personal Online Assistants. Dabei handelt es sich um Online-Kundenberater auf der Gehaltsliste von Audi, die auf der Herstellerwebseite rund um die Uhr und bei verschiedenen Händlern außerhalb der Öffnungszeiten in Form von Text- oder Videochats Kunden für Fragen zur Verfügung stehen. Etwaige Leads, die auf diese Art und Weise entstehen, bekommen die Händler am nächsten Werktag vom Hersteller zugespielt.
Müller gab auch einen Ausblick auf neue Konzepte im Digitalmarketing der Marke mit den vier Ringen, mit denen sich der tatsächliche Verkaufserfolg von Onlinekampagnen überprüfen lässt. Dabei geht es um die Fragestellung: Kommen Audi-Interessenten, die auf ihrem Tablet, Smartphone oder Arbeitsplatzcomputer eine Suchmaschinenanzeige des Herstellers geklickt haben, zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich in den Schauraum eines Händlers? Der US-Konzern Google treibt demnach derzeit ein entsprechendes Projekt voran.
Die Jugend von heute setzt auf klassische Werte
Die Kunden von morgen standen im Fokus des Vortrags des Sozialforschers Dr. Thomas Gensicke. Anhand der Auswertungen aus der Shell-Studie skizzierte er beim Blick auf die heutigen Jugendlichen das Bild einer pragmatischen, überwiegend zufriedenen Generation, für die die klassischen Werte wie Heimat, Fleiß, Treue und Verantwortung stark wachsende Bedeutung haben. Aber auch Begriffe wie Gesetz und Ordnung werden für sie immer wichtiger. Ein eigenes hohes Einkommen ist dagegen für viele aus dieser Altersgruppe weniger wichtig als der Nutzen, den sie für die Gesellschaft erbringen können. Das zeigte sich auch am praktischen Beispiel des Autohauses Stöber.
Der Familienbetrieb mit Betrieben in Bad Sooden-Allendorf, Witzenhausen und Eschwege nimmt seine Auszubildenden bei sozialen Projekten in die Pflicht. Jeder Auszubildende erhält jährlich ein bestimmtes finanzielles Budget, das er für Sponsoring einsetzen kann. Dafür muss er aber die Patenschaft für dieses Vorhaben übernehmen und es einer kritischen Jury, die nur aus den Auszubildenden des Unternehmens besteht, vorstellen. Nur wenn es den selbstgesetzten Vorgaben entspricht, darf das Projekt umgesetzt werden. Es muss nachhaltig sein und es muss der Region etwas bringen. Mit „unser Ding“, wie es die Auszubildenden nennen, lernen junge Menschen nicht nur, Verantwortung zu übernehmen; sie betreiben damit auch ein nachhaltiges Marketing für junge Zielgruppen, die schließlich die Kunden von morgen sind.
Die Zukunft lässt sich nur bedingt vorhersagen
Thomas Huber, Director Innovation Strategy bei der Agentur Sturm und Drang, warf aus Sicht eines Zukunfts- und Trendforschers einen Blick auf die Mobilität 2026. Die großen Treiber der Mobilität wie Urbanisierung, Digitalisierung und Mobile Life würden zu neuen Lebens- und Verhaltensweisen führen. Die dahinter stehenden Wünsche der Menschen würden über den Erfolg oder Misserfolg technologischer Entwicklungen wie autonomes Fahren, E-Mobilität und Konnektivität entscheiden.
Huber machte drei Kundenbeziehungstypen aus: Unter eine sogenannte Intimacy-Beziehung fallen vorwiegend Menschen über 50. Diese Kunden wollten aus Sicht von Huber besonders wahrgenommen und geschätzt werden. Daher seien sie die typischen Bonuskarten-Kunden. Als Chance-Beziehungs-Typ sieht Huber vor allem die Generation Y, also die in den frühen 1990er-Jahren geborenen Menschen. Als Kunden würden sie vorwiegend auf die Frage reagieren: „Welche Chancen auf Entwicklung schaffst du mir?“ Die künftigen Möglichkeiten würden also die Basis einer Kundenbeziehung bilden. Als letzte Gruppe nannte Huber die Purpose-Menschen, die immer einen Grund für die Teilhabe an einer Sache benötigen. Mit der Aufforderung, den kommunalen Verkehr zu verbessern, könnte man diese Zielgruppe zum Beispiel zur Teilnahme an Carsharing-Projekten motivieren.
Aus Sicht von Thomas Huber wird die Mobilität auch in Zukunft eine hohe Attraktivität besitzen. Allerdings sollten sich die Marktteilnehmer von der Vorstellung verabschieden, beispielsweise eine Fünf-Jahres-Strategie zu entwerfen. Zu viele Faktoren seien unbekannt, man könne also nur Möglichkeiten aufzeigen, so der Zukunftsforscher.
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