Dürkop: Fit für die Zukunft

Autor / Redakteur: Isabella Finsterwalder / Elvira Minack

Nach zahlreichen Restrukturierungsmaßnahmen hat sich die Dürkop-Gruppe mit Hauptsitz in Braunschweig für die Zukunft fit gemacht.

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Die Dürkop-Gruppe ist das stärkste Unternehmen der Deutschen Autohandels Holding (DAH). Die hundertprozentige Tochter der Nürnberger Versicherung hat dazu an verschiedenen Stellhebeln gedreht. Geschäftsführer Stefan N. Quary nennt in diesem Zusammenhang als Schlagworte „Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage“, „Festlegung von wirtschaftlich sinnvollen Standorten“, „Aufbau eines sich ergänzenden Markenportfolios“, „klare Markentrennung inklusive Segmentierung“ (vom Cash-&-Carry-Fahrzeug bis zum Premiumsegment) sowie „Verschlankung des Managements auf effiziente Strukturen“.

Auch 2009 stellen die beiden Dürkop-Geschäftsführer Stefan N. Quary und Michael Krohn die Anpassung der Strukturen – allen voran der Kosten – auf die aktuellen Marktverhältnisse in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Wenn es nicht anders geht, sollen für diesen Zweck auch heilige Kühe geschlachtet werden. Quary: „Derzeit sind wir hinsichtlich der Standards in intensiven Gesprächen mit allen Herstellern und Importeuren.“ So werde genau hinterfragt, ob die vorgegebenen Anforderungen der Autobauer auch tatsächlich realistisch sind. „Wenn die jeweiligen Standards der einzelnen Marken keinen wirtschaftlichen Sinn machen, werden wir uns nicht scheuen, uns im Einzelfall vom jeweiligen Vertriebsvertrag zu trennen“, sagt Quary.

Allein im vergangenen Jahr hat das Unternehmen an heute 18 Standorten mit jetzt 13 Marken kräftig auf- und abgeräumt. Vertriebsverträge hat das Unternehmen mit Opel, Chevrolet, Kia, Volvo, Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Cadillac, Corvette und Hummer. Im Service sind es die Marken Bosch, Saab und Subaru.

Als äußeres Zeichen ihrer neuen Schlagkraft hat die Dürkop-Gruppe im Frühjahr ihr Stammhaus in Braunschweig mit einem Investitionsaufwand von 5 Millionen Euro umgebaut.

Flotte ist Chefsache

Die Gruppe hat in diesem Jahr vor allem in das Flottengeschäft der Marken Opel, Kia und Fiat investiert. Mit einem eigenen Profitcenter unter Leitung von Laszlo Agocs, der für diesen Bereich über die gesamte Gruppe verantwortlich zeichnet, peilt das Unternehmen 2009 immerhin 2.500 (2008: 1.700 Einheiten) an. Vor diesem Hintergrund akquirieren die 21 Gewerbekundenverkäufer im Außendienst täglich neue Flottenkunden.

Damit der lukrative Markt der Firmenkunden weiter an Fahrt aufnehmen kann, sollen allein im kommenden Jahr weitere neue Flottenverkäufer eingestellt werden. Ihren Expansionshunger zeigte die Gruppe in diesem Jahr mit der Hinzunahme des Fabrikats Chevrolet zunächst an den Standorten Braunschweig-Nord und Wolfsburg. Weitere Dependancen sind geplant.

Nachdem man im Jahr 2006 die sieben Betriebe der AC1092 als eigenständige Einheit übernommen hatte, haben sich die Verantwortlichen 2007 für eine Verschmelzung mit dem Händler entschlossen. Ein wichtiger Grund: Die AC1092 mit den Schwerpunktmarken Opel und Kia verfügt über das gleiche Angebotsportfolio wie Dürkop.

Hinzu kommt, dass die Gruppe durch diese Übernahme ihr Einzugsgebiet deutlich vergrößern konnte. Neben den Bundesländern Niedersachsen, Hessen und Sachsen Anhalt kamen jetzt Berlin und Brandenburg hinzu. In Berlin ist Dürkop jetzt mit drei Standorten in der Landsberger Allee, in der Rummelsberger Landstraße und in Hoppegarten vertreten. In Brandenburg sind es die vier Standorte Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Eberswalde und Bernau.

Flottengeschäft ausbauen

Quary ist überzeugt, dank dieser Eroberung Synergien im Backoffice und durch Volumenbündelung auch im Vertrieb zu erzielen. Der Manager ist überdies optimistisch, durch die neue Schlagkraft auch das Flottengeschäft der Gruppe weiter zu forcieren. „Bedingt durch die geografische Streuung unserer Servicepunkte von Frankfurt (Oder) über Hannover südlich nach Bad Hersfeld“, so Quary, „können wir jetzt auch überregional tätige Flottenkunden besser bedienen.“

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Bei der stetigen Ausschau nach Zusatzerträgen kommt der Dürkop-Tochter car.com Marketing und Media GmbH eine wichtige Rolle zu. So ist der Dienstleister nicht nur für den Auftritt und die Prozesse der Gruppe verantwortlich, sondern berät und unterstützt zunehmend auch externe Kunden. Quary: „Dank des Marketing-Know-hows von car.com können wir uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und zusätzlich Mehrerträge durch den Verkauf von Dienstleistungen an fremde Autohausgruppen erzielen.“

Für Quary sind die jüngsten Übernahmen sowie die Aufnahme des Fabrikats Chevrolet in das Markenportfolio nicht das Ende der Fahnenstange. Allerdings geht es der Dürkop-Gruppe um ein kontrolliertes, wirtschaftlich sinnvolles Wachstum und nicht um Expansion um jeden Preis. Die Gruppe will daher bei passenden Gelegenheiten jährlich maximal zwei bis drei Standorte integrieren. Dabei liebäugelt man mit Partnern in bestehenden oder angrenzenden Gebieten. Wichtig ist dem Dürkop-Management, mit dem bestehenden Markenportfolio in allen Gebieten Marktanteile von „15 Prozent + X“ zu erreichen.

Wachstum mit Augenmaß

Das Erfolgsrezept der Dürkop-Gruppe heißt für die Manager auch künftig Wachstum mit Augenmaß. „Nachdem wir uns aus langfristigen Verpflichtungen befreit haben, wollen wir unsere gesunde Struktur halten und ausbauen.“ Den robusten Gesamtzustand des Unternehmens beweist laut Geschäftsführer Michael Krohn seine Stabilität im Net Working Capital.

Die gegenwärtig rauhen Zeiten lassen die Gruppe nicht kalt. Allerdings sieht Quary künftig weniger bei den Großen als bei 400- bis 500-Neuwagen-Einheiten-Händlern Existenzsorgen.

Auf die eigene Situation heruntergebrochen, meint Quary: „Wir müssen die Risiken in erster Linie bei uns sehen.“ Daher werde man nach den eingefahrenen Erfolgen nicht nachlassen, sondern weiter Gas geben.

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