Der Individualverkehr muss klimafreundlicher werden, aber auch bezahlbar und im Einklang mit der Wirtschaft sein. Darin zeigten sich die Redner beim Berliner Abend des VDIK einig.
Zwei Präsidentinnen und der kommissarische ZDK-Präsident zeigten sich beim VDIK-Empfang einig (v.l.): Thomas Peckruhn (ZDK); Imelda Labbé (VDIK) und Hilgedard Müller (VDA).
(Bild: Oliver Wolff)
Keine Abkehr von der Elektromobilität, der Kurs stehe weiter auf klimafreundlicher Mobilität, aber der Weg dahin soll offener sein. Außerdem braucht es für die deutsche Wirtschaft einen Masterplan. Darin zeigten sich die Redner beim Berliner Abend des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) einig. Rund 120 Vertreter der Automobilwirtschaft, Akteure der Wirtschafts- und Verkehrspolitik sowie Medienvertreterinnen und -vertreter trafen sich am Dienstagabend im Garten der Berlin-Repräsentanz des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).
Erstmals diskutierten die Präsidentinnen und Präsidenten der drei wichtigsten Branchenverbände – Hildegard Müller (VDA), Thomas Peckruhn (ZDK) und Gastgeberin Imelda Labbé (VDIK) – in einem gemeinsamen Panel über die drängenden Herausforderungen der Branche.
Der Individualverkehr muss klimafreundlicher werden, aber auch bezahlbar bleiben und im Einklang mit der Wirtschaft stehen. Eine Abkehr von der Elektromobilität sei nicht vorgesehen, der Kurs stehe weiter auf klimafreundlicher Mobilität – doch der Weg dahin soll offener sein.
Das betonte auch der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte vom Bundesministerium für Verkehr: „Wir meinen das ernst – und das ist nicht als Ablehnung der E-Mobilität zu verstehen.“ Im Gegenteil, die E-Mobilität werde eine zentrale Rolle bei der individuellen Mobilität spielen und in weiteren Teilen eine Lösung sein. Aber eben nicht überall, insofern könnten synthetische Kraftstoffe ins Spiel kommen, „dafür sollte die Politik offenbleiben.“
Enttäuschung über den Bundeshaushalt
Die Vertreter der Branchenverbände äußerten sich zugleich enttäuscht über das Ergebnis des wenige Stunden zuvor vorgelegten Entwurfs zum Bundeshaushalt. Wieder einmal halte die Politik ihre Versprechungen nicht ein: Eine echte E-Förderung gebe es nicht, auch keine günstigeren Strompreise. Einig zeigten sich die Vertreterinnen und Vertreter in ihrem Weg, auf dem sie jeweils eigene Akzente setzten.
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), nahm Stellung zum kürzlich veröffentlichten 10-Punkte-Plan des Verbands: „Brüssel muss unbedingt eine ehrliche Bestandsaufnahme der erklärten Klimaziele machen und überprüfen, wo die EU steht. Inzwischen hat sich vieles geändert. Die Transformation kostet viele Arbeitsplätze. Wir sagen nicht, Klimaneutralität ist nicht unser Ziel.“ Im Gegenteil: Die E-Mobilität müsse weiter ausgebaut werden, aber das Verbrennerverbot solle zurückgenommen werden. Ein Verbot sorge nur für negative Emotionen. Klimaneutralität könne auch über hybride und synthetische Kraftstoffe erreicht werden.
Müller kritisierte den vorgelegten Haushaltsentwurf scharf: „Damit bleibt die Bundesregierung weiter hinter ihren Ankündigungen und den Erwartungen zurück. Ohne Entlastungen bei den Strompreisen wird der Hochlauf der E-Mobilität nicht möglich sein.“ Auch am schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur übte sie Kritik.
VDIK: Mehr Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur
Gastgeberin Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK, folgte der Kritik: „Wir sind nicht so weit von der VDA-Position entfernt.“ Besonders deutlich wurde Labbé bei der Kritik am Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur: „Wir kommen voran, aber es gibt noch viele blinde Flecken, vor allem Schnellladeangebote fehlen.“ Insgesamt müssten alle – die Politik und die Hersteller – für die Kunden verlässlicher und planbarer werden. Die von der neuen Bundesregierung versprochene E-Förderung, die nun nicht kommt, sei auf diesem Weg nicht hilfreich.
„Wir brauchen einen übergreifenden und langfristig angelegten Industrie-Masterplan, in dem Automobilwirtschaft, Politik, Energiewirtschaft und Kommunen die Maßnahmen zum Ausbau festlegen. E-Auto-Kunden brauchen restwertschonende Anreize, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und günstigen Strom. Nur so wird der Umstieg auf Elektromobilität in der Breite attraktiv und planbar“, forderte die VDIK-Präsidentin.
ZDK: Kundenvertrauen geht durch Politik verloren
Thomas Peckruhn, kommissarischer ZDK-Präsident, ergänzte: „Ein großes Problem beim schleppenden Hochlauf der E-Mobilität ist das verlorene Vertrauen der Kunden.“ Es sei nicht die Technologie an sich, das zeigten E-Kunden, die sich aktuell wieder beim Kauf eines Autos für ein E-Auto entscheiden. Die abrupte Streichung des Umweltbonus durch die letzte Bundesregierung habe das Vertrauen der Kunden in die Politik zerstört. Problematisch seien zudem die weiter hohen Ladekosten und die fehlende Transparenz der Preise an der Ladesäule. Das müsse sich ändern. Der Handel habe seinen Beitrag schon früh geleistet: „Die Betriebe haben in die E-Mobilität investiert, zu Zeiten, in denen es noch nichts damit zu verdienen gab.“
Stand: 08.12.2025
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Zum Abschluss zog Imelda Labbé ihr Fazit: „Woher die Autos kommen, ob von deutschen oder internationalen Herstellern, macht angesichts der bestehenden Probleme der E-Mobilität keinen Unterschied.“ Da gehörten die Autoverbände VDA, VDIK und auch der ZDK dem gleichen Schmerzverein an. Deshalb sollten die Verbände auch in Zukunft für ihre gemeinsamen Positionen gemeinsam an einem Strang ziehen.
Probefahrten und Vorstandswahlen
Im Garten der Berliner Repräsentanz des VDIK standen neben dem fachlichen Austausch auch Probefahrten mit neuen Elektromodellen auf dem Programm. Zu fahren waren beispielsweise Volvo EX90, Maserati Grecale, Hyundai Inster, Cupra Terramar, Skoda Elroq, Nissan Ariya Nismo sowie Modelle von BYD und Chery.
Dem Sommerfest ging am Nachmittag die VDIK-Mitgliederversammlung voraus. Mario Köhler, Präsident von Toyota Deutschland, wurde als Vorstandsmitglied neu gewählt. Für jeweils zwei weitere Jahre bestätigt wurden Jens Schulz, Geschäftsführer von Mitsubishi Motors Deutschland, Florian Kraft, Geschäftsführer von Renault Deutschland, und Jan-Hendrik Hülsmann, Sprecher der Geschäftsführung von Skoda Auto Deutschland. Hülsmann wurde außerdem zum Vizepräsidenten des VDIK gewählt.