Studienjubiläum Ein Opel namens „Genf“

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Auch wenn es nur eine Studie war: Vor 50 Jahren verstand es Opel noch, mit Modellen wie dem Genève Automobilfans in den Bann zu ziehen. Das gilt auch für das ebenfalls seinerzeit präsentierte Experimentalfahrzeug GT2.

Front und Heck sind beim Genève spitz auslaufend mit integrierten Stoßfängern ausgeführt. Sämtliche Fensterflächen, auch die seitlichen, sind stark gewölbt, was jedoch keine Probleme machte, da die Scheiben aus Plexiglas bestehen.(Bild:  Opel)
Front und Heck sind beim Genève spitz auslaufend mit integrierten Stoßfängern ausgeführt. Sämtliche Fensterflächen, auch die seitlichen, sind stark gewölbt, was jedoch keine Probleme machte, da die Scheiben aus Plexiglas bestehen.
(Bild: Opel)

Klar, mutig, visionär: So präsentierte sich vor knapp zwei Jahren die Markenstudie Opel Experimental der Öffentlichkeit. Bereits 1975 – vor genau 50 Jahren – zeigte Opel auf dem Genfer Automobilsalon, was der Hersteller unter einer in jeder Hinsicht betörenden Sportwagen-Studie versteht. Der Opel Genève wurde damals mit seiner ultraflachen Silhouette zu einer Attraktion der Schweizer Messe. Zugleich stellte die Designabteilung von Opel mit dem Genève einmal mehr ihr visionäres Können unter Beweis, das sie mit dem Experimental GT bereits zehn Jahre zuvor begründet hatte. Während dieser in der Folgezeit allerdings rasch in die Serie überführt wurde, blieb der Genève für viele Sportwagen-Enthusiasten bis heute ein Traum.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Opel weiß den Genève beim Genfer Automobilsalon 1975 in Szene zu setzen. Zu Recht, denn das Showcar versprüht mit seiner schlanken Form, kraftvollen Front und elegant zum Heck nach unten auslaufenden Dachlinie pure Sportlichkeit. Ein wahrhaft „güldener“ Auftritt, schließlich ist die Studie dafür in genau dieser Farbe lackiert. So schreibt die Automobil Revue damals: „Das leichtfüßig-elegante Coupé dreht sich an erhöhtem Platz auf einer Scheibe, so den Salonbesuchern als Blickfang dienend. Front und Heck sind spitz auslaufend mit integrierten Stoßfängern gestaltet. Sämtliche Fensterflächen, auch die seitlichen, sind stark gewölbt.“ Möglich wurde dies, da das „Opel Advanced Design“-Team um Erhard Schnell den Opel Genève aus Fiberglas formte und ihm dadurch ein Styling geben konnte, das in der Folge nicht nur auf dem Automobilsalon die bewundernden Blicke auf sich zog.

Harmonisches Genève-Design weckt Sehnsüchte

Trotz des großen Zuspruchs hat der Zweisitzer mit den für Opel-Studien damals typischen Klappscheinwerfern keine Chance, als Serienmodell das Licht der Welt zu erblicken. Um dies zu verstehen, ist ein Rückblick auf den Beginn der 1970er Jahre notwendig, denn der Opel Genève kam ursprünglich als „GT-W“ auf die Welt. Unter diesem Arbeitstitel wurde das Coupé 1972 in Rüsselsheim entworfen. Als Antrieb für den flachen Mittelmotor-Sportwagen war ein Zweischeiben-Wankelaggregat vorgesehen, daher das „W“ in der Bezeichnung. Doch als Folge der Ölkrise wurde das Kreiskolbenmotor-Projekt 1974 gestoppt. Verständlich, denn obwohl der Wankelmotor, den GM als Ersatz für die bis dato gebauten V8-Aggregate vorgesehen hatte, viermal kleiner und lediglich halb so schwer wie diese war und zudem aus einem Drittel weniger Bauteilen bestand und dennoch eine doppelt so hohe Literleistung generierte, so soff er einfach viel zu viel Sprit und stieß somit auch zu viele Abgase aus. Weiterleben durfte der bildschöne Opel GT-W trotzdem – allerdings in modifizierter Form und unter dem passend zu seinem ersten öffentlichen Auftrittsort gewählten neuen Namen Genève.

Noch im selben Jahr sollte eine weitere Opel-Studie Aufsehen erregen: Für die IAA im September 1975 hatte sich Opel die Weltpremiere des futuristischen GT2 vorbehalten. Dieser war mit funktionierenden Schiebetüren, ausgestaltetem Innenraum und funktionsfähigem Antriebsstrang deutlich detaillierter ausgeführt und sollte so einen lebendigen Ausblick auf zukünftige Opel-Entwicklungen erlauben. Um aufgrund besagter Ölkrise den Verbrauch zu reduzieren, nutzte man konsequent die Aerodynamik, um die Effizienz zu steigern, was sich in dem keilförmigen Design des Coupés niederschlägt. Dank der glatten bzw. geschlossenen Oberflächen betrug der cW-Wert nur 0,32. Als Plattform für den GT2 diente die des Manta, als Antrieb der bekannte 1,9-Liter-CIH-Vierzylinder.

Bei dem Prototyp, der bei Michelotti in Turin entstand, ließen sich die Türen über einen Knopf an den Rückspiegeln öffnen. Sie schoben sich dann in den hinteren Teil der Karosserie und boten so viel Platz zum Einsteigen. Diese Technik erkaufte man sich mit dem Nachteil, dass sich die Seitenfenster nur zu einem kleinen Teil öffnen ließen. Den Innenraum zeichneten außergewöhnliche Sitze aus und ein Armaturenbrett, das aus austauschbaren Modulen bestand. Hinzu kamen digitale Anzeigen. Während der GT2 im Mai 1978 dem Deutschen Museum in München gestiftet wurde, verblieb der Genève viele Jahre als Schauobjekt in der Opel-Designabteilung. Er wurde 1977 neu lackiert und präsentiert sich seitdem in einem leuchtenden Orange. Mittlerweile ist die Studie eines der Highlights der Opel Classic-Sammlung.

(ID:50364465)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung