Mit dem TT präsentierte Audi seinen ersten Sportwagen, den es als Coupé und Roadster gab. Er beeindruckte mit Fahrspaß und klarer Formensprache. Doch so wichtig er für das Image der Marke war: Seine Zukunft ist besiegelt.
Eine Modellreihe ohne Vorbild bzw. Vorgänger: Mit dem TT stärkte Audi sein Profil als Hersteller sportlicher Fahrzeuge. Vor einem Vierteljahrhundert liefen die ersten Fahrzeuge vom Band.
(Bild: Audi AG)
Für die Herren der vier Ringe lief es gut. Mit dem Oberklassemodell A8 gelang den Ingolstädtern Mitte der Neunziger, die Marke Audi höher zu positionieren. Damit ging eine schrittweise Umbenennung der Modellreihen einher: aus Audi 80 wurde Audi A4, aus Audi 100 Audi A6. Der 1994 präsentierte Audi A4 steht als erstes Modell für die neue Designsprache, ebenso der seit 1996 erhältliche A3 und die 1997 vorgestellte zweite Generation des A6. Im Zuge der optischen und technischen Aufwertung der Marke schufen der amerikanische Designer Freeman Thomas und der damalige Designchef Peter Schreyer mit dem TT Coupé einen puristischen Sportwagen.
Audi präsentiert die Studie im September 1995 auf der IAA in Frankfurt am Main. Die Modellbezeichnung „TT“ ist eine Reminiszenz an die legendäre Tourist Trophy auf der Isle of Man, eine der ältesten Motorsportveranstaltungen der Welt. NSU und DKW feierten dort mit ihren Motorrädern große Erfolge. Gleichzeitig sollte der Name TT an den sportlichen NSU TT der Sechzigerjahre erinnern. Das Abweichen von der sonst üblichen Audi-Nomenklatur beim TT unterstrich: Hier kommt etwas völlig Neues.
Im Dezember 1995 fällt die Entscheidung, das TT Coupé in Serie zu produzieren. Torsten Wenzel, Exterieur-Designer bei Audi, hat die Studie mit in die Serie überführt und erinnert sich: „Für uns war es das größte Lob, als die Fachpresse anerkennend feststellte, dass sich von der Studie zur Serie nicht viel verändert hatte, obwohl wir aufgrund der technischen Vorgaben für die Serienversion im Detail natürlich doch vieles anpassen mussten – auch hinsichtlich der Proportionen.“
Die Roadster-Lehre: Weniger ist mehr
Am auffälligsten ist die Integration eines hinteren Seitenfensters, das die Seitenlinie des Autos streckt und dem Sportwagen eine höhere Dynamik verleiht. Für Wenzel ist der Audi TT auch heute noch „eine fahrende Skulptur, höchste Qualität in Flächen und Linien“. Die Karosserie wirke wie aus einem Stück gefertigt, die Front ohne klassische Stoßfängerüberhänge betone seine klare Form. Ein weiteres Gestaltungselement trägt zur unverwechselbaren Silhouette des TT bei: der Kreis. Sowohl im Exterieur als auch im Interieur zieren zahlreiche auf den Kreis zurückgehende Elemente den Sportwagen. Vom Design des Bauhauses inspiriert, hat beim TT jede Linie einen Zweck, jede Form eine Funktion. „Wir im Audi Design folgen immer der Philosophie ‚Weniger ist mehr‘. Durch die Reduktion auf das Wesentliche diesen einzigartigen Charakter beim Audi TT Coupé herauszuarbeiten, war wirklich anspruchsvoll und etwas ganz Besonderes für uns Designer.“
Ergänzendes zum Thema
Aufsehen erregte die erste Generation des TT nach ihrem Verkaufsstart mit einigen zum Teil tödlichen Unfällen. Durch das abgerundete Heck ohne definierte Abrisskante entstand an der Hinterachse ein starker Auftrieb bei höheren Geschwindigkeiten. In Verbindung mit dem sportlich ausgelegten Fahrwerk hatte das Fahrzeug dadurch einen hoch liegenden, aber gefährlich schmalen Grenzbereich. In schnell gefahrenen Kurven konnte das Fahrzeugheck abrupt ausbrechen, was für ungeübte Fahrer sehr schwer zu beherrschen war.
Diese Vorfälle fanden ein großes Echo in den Medien. Audi bot jedem Eigentümer den Einbau einer stabilisierenden Abrisskante und eine verbesserte Fahrwerksabstimmung an. Die Nachrüstung einer Stabilitätskontrolle (ESP) – von da an serienmäßig – sollte jedoch wegen des tiefgreifenden Einbauaufwands bei bereits verkauften Fahrzeugen nicht möglich sein. Auf Druck von Medien, Verbraucherschützern und nicht zuletzt der Kunden lenkte Audi jedoch schnell ein und bot auch die ESP-Nachrüstung gegen eine Selbstbeteiligung von 650 DM an.
Der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl schilderte damals in einem Interview des NDR die Problematik des TT: „Ich bin eine Runde gefahren, kam zurück, sagte: ‚Nicht schlecht, aber für den normalen Menschen zu gefährlich. Wenn der bei 200 das Gas wegnimmt, [dann] fährt der rückwärts. Und das kann halt nur einer auf der Welt, der heißt Röhrl.‘ So habe ich ihm das Auto zurückgegeben und dann später kamen diese Unfälle.“
Auch gab es bei den TT-Quattro-Modellen, die von 1998 bis 2000 gebaut wurden, Probleme mit den hinteren Querlenkern. Nach einem Bericht der Zeitschrift „auto motor und sport“ konnte die Lagerung des unteren Querlenkers an der Hinterachse durch Korrosion festsitzen und der Querlenker brechen. 15 Fälle von ungewöhnlichen Geräuschen an Querlenkern oder Brüchen seien bekannt geworden; Personenschäden habe es nicht gegeben. Audi schrieb 15.900 Halter von Audi TT sowie der allradgetriebenen Varianten von A3 und S3 zwecks Austausch der Gelenke und Querlenker an.
Quelle: Wikipedia
1998 geht das Audi TT Coupé in Serie. Ein Jahr später bringt Audi den TT Roadster auf den Markt. Wie das Showcar und der 1996 vorgestellte Audi A3 basiert der Sportwagen auf der Quermotor-Plattform des VW Golf IV. Produziert wird der TT von Beginn an bei Audi Hungaria Motor Kft. in Ungarn: Die lackierten TT-Karosserien werden über Nacht per Bahn von Ingolstadt nach Győr transportiert, wo die Endmontage stattfindet. Diese standortübergreifende Fertigung ist zu dieser Zeit ungewöhnlich in der Automobilbranche.
Audi Hungaria, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Audi AG, feiert 2023 ebenfalls ein Jubiläum: ihr 30-jähriges Bestehen. Gegründet im Februar 1993 als ursprünglich reines Motorenwerk, übernimmt Audi Hungaria im Fertigungsverbund mit dem Werk Ingolstadt 1998 die Montage des Audi TT; im Jahr 2013 entwickelt sich das Unternehmen zum vollwertigen Automobilwerk. Seit ihrer Gründung hat Audi Hungaria mehr als 43 Millionen Motoren und nahezu zwei Millionen Fahrzeuge produziert.
Erst 4- und 6-Zylinder, dann auch 5-Zylinder
Das Motorenangebot der ersten TT-Generation ist sportlich: Es umfasst Vierzylinder-Turbomotoren mit 150 bis 225 PS Leistung sowie ein V6-Aggregat mit 250 PS. Die Sonderausstattungslisten bieten reichlich Auswahl: Neben exklusiven Farben kann die Kundschaft unter weiterem Sonderzubehör wählen. So schaffen es die Ledersitze des TT-Showcar im Baseballhandschuh-Design in die Serie. In acht Produktionsjahren fahren bis Mitte 2006 insgesamt 178.765 TT Coupé der ersten Generation (Typ 8N) vom Band. Vom TT Roadster werden zwischen 1999 und 2006 exakt 90.733 Stück gebaut.
Stand: 08.12.2025
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Bei den nachfolgenden zwei Generationen behalten die Designer die Reduktion auf das Wesentliche als dominierendes Gestaltungselement bei. Typisch bleibt auch die runde Form, das Kreismotiv, das sich als verbindendes Element durch Exterieur- und Interieurdesign zieht ‒ wie etwa beim Tankdeckel aus Aluminium, bei den runden Lüftungsauslässen, der Einfassung der Schaltkulisse und dem markanten Schaltknauf. Die zweite TT-Generation wird 2006 (Coupé) und 2007 (Roadster) vorgestellt und basiert auf der Plattform der zweiten Generation des Audi A3. Erstmals kommt das adaptive Dämpfersystem „Audi magnetic ride“ zum Einsatz. 2008 erscheint das Sportmodell TTS mit einem 2-Liter-Turbomotor und 272 PS. Ein Jahr später folgt der TT RS mit einem 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor mit 340 PS und 360 PS im TT RS plus. Im Jahr 2008 bringt die Marke mit den Vier Ringen den TT 2.0 TDI quattro auf den Markt – als ersten Seriensportwagen der Welt, der einen Dieselmotor als Antrieb nutzt.
Bis 400 PS und neun Mal „International Engine of the Year“
Die dritte Generation des TT geht 2014 an den Start – und erneut senkt Audi beim TT-Generationenwechsel das Gewicht: Das TT Coupé mit 2.0-TFSI-Motor und Handschaltung wiegt nur 1.230 Kilogramm, das sind bis zu 50 Kilogramm weniger als zuvor. Die unverwechselbare Linienführung des Ur-TT von 1998 haben die Designer auch beim neuen TT und TT RS modern interpretiert. Im Profil erinnern diverse Details an den Design-Klassiker der ersten Generation. In technischer Hinsicht hält der TT der dritten Generation eine Reihe von Innovationen bereit: So debütiert mit diesem Modell das Audi virtual cockpit, ein volldigitales Kombiinstrument, das die analogen Instrumente und den MMI-Monitor ablöst. 2016 beginnt im TT RS eine neue Ära für die Lichttechnologie in der Automobilbranche: Erstmals setzt Audi die OLED-Technik ein, organische LEDs.
Auch die Motorenpalette des Sportwagens hat einiges zu bieten: Das Topmodell ist zunächst der Audi TTS mit 2-Liter-Turbomotor und 310 PS. Ab 2016 folgt der TT RS mit dem 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor, einem der emotionalsten Aggregate bei Audi: Dieser Motor sorgt mit seinen 400 PS nicht nur für einen sportlichen Sound, sondern wird auch neunmal in Folge als „International Engine of the Year“ ausgezeichnet. Mit dem Sondermodell TT RS Coupé iconic edition – in Nardograu und auf 100 Exemplare limitiert – führt Audi im Jubiläumsjahr 2023 die Design- und Technologie-Highlights aus einem Vierteljahrhundert TT zusammen.