Emotionen verzögern Entscheidungen

Autor / Redakteur: Silvia Lulei / Silvia Lulei

Kfz-Betriebe, die noch keine strategische Planung für ihr Unternehmen gemacht haben, sollten dies schleunigst tun. Wirtschaftsprüfer Maxim Grimm hält eine kritische Analyse für außerordentlich wichtig und entscheidend für die Überlebensfähigkeit eines Autohauses.

Redaktion: Warum sollten sich Automobilhändler auch noch damit beschäftigen, die Zukunft ihres Unternehmens strategisch zu planen? Viele halten den Alltag schon für zeit- und nervenaufreibend genug.

Maxim Grimm: Gerade mittelständische Familienbetriebe sollten in naher Zukunft ihre Unternehmensstruktur verändern. Ich verwende die Begriffe „Betrieb“ und „Unternehmen“ ganz bewusst. Ein Unternehmen unterscheidet sich von einem Betrieb dadurch, dass es eine Einheit ist, die sich durch strukturiertes Handeln und strukturierte Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen auszeichnet. Somit kann ein Unternehmen das Alltagsgeschäft bewältigen, ohne dass Inhaber oder Unternehmensleitung permanent eingreifen müssen. Autohändler, die eine derartige Struktur noch nicht umgesetzt haben, sind insbesondere auch aus Sicht der Hersteller nicht genügend strategisch ausgerichtet.

Warum ist die Frage nach der Zukunft des mittelständischen Autohauses so dringend?

Die Anforderungen beispielsweise der Premiumhersteller an die Qualität der Unternehmer oder die Unternehmensführung nehmen zu. Ebenso nehmen die Anforderungen der Banken an transparentes Zahlenwerk und aktives Controlling zu. Mittelständische Händlerbetriebe widmen sich zu selten ihrer strategischen Ausrichtung. Dabei sollten sie dringend ihre Rentabilität analysieren, denn letztendlich entscheidet sie über die zukünftige Lebensfähigkeit des Unternehmens.

Welche Faktoren werden sich noch verändern?

Die Rentabilität mittelständischer Händler sinkt seit Jahren. Gleichzeitig sinken die Margen, während die Anforderungen an den Außenauftritt des Autohauses steigen. Seinen Betrieb zu reorganisieren ist die größte Herausforderung für einen mittelständischen Händler. Mit den Renditen sinken auch die Eigenkapitalquoten. Dadurch wiederum steigen die Zinsbelastungen, da das Rating durch die Banken schlechter ausfällt. Somit setzt sich ein nicht gewünschter Kreislauf in Bewegung. Die sinkende Rentabilität kann auch zu Liquiditätsengpässen und damit im ungünstigsten Fall zur Insolvenz des Händlerbetriebs führen.

Das ist eine sehr komplexe Thematik. Braucht ein Händler dabei externe Hilfe?

In den letzten Jahren sind gerade mittelständische Händlerbetriebe wegen geringer Eigenkapitaldecke und mangelnder Liquidität in die Insolvenz geraten. In vielen von mir betreuten Fällen wäre die Insolvenz vermeidbar gewesen, wenn der Händlerbetrieb frühzeitig erkannt hätte, dass er sich auf dem Weg in die Krise befindet. Externe Berater erkennen negative Trendwenden im Betrieb schneller, da sie nicht emotional an ihn gebunden sind. So wie der gesundheitsbewusste Mensch regelmäßig seine Fitness überprüfen lässt, sollte auch der Betrieb einen Check-up machen lassen.

Ist der Unternehmensverkauf eine Zukunftsstrategie?

Den Betrieb vollständig oder teilweise zu verkaufen, ist eine reale Chance, auf die Veränderungen im Kfz-Handel zu reagieren. Die genannten Entwicklungen sind Grund genug, sich mit der Hereinnahme eines Partners oder dem Verkauf auseinanderzusetzen. Entscheidend ist die Bereitschaft des Händlers, seinen Betrieb frühzeitig prüfen zu lassen. Denn erst dann kann beurteilt werden, was der Betrieb in Zukunft noch allein leisten kann.

Welche Stolpersteine gibt es bei der Unternehmensnachfolge oder beim Verkauf?

Oft sind die finanziellen Einbindungen von Geschäftsführern oder Familienmitgliedern über Bürgschaften, Mietverträge oder Steuergestaltungen schwer zu entflechten. Kommen die Kinder nicht als Nachfolger in Frage, wird eine strategische Neuausrichtung häufig hinausgeschoben. In vielen Fällen trennen sich Inhaber zu spät von einem wenig rentablen Betrieb, obwohl dieser die wesentliche Einkunftsquelle der Familienmitglieder ist. Dann kann es im Einzelfall finanziell sinnvoller sein, den Betrieb zu veräußern. Emotionale Verbundenheit mit dem Betrieb führt oft dazu, dass notwendige betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu spät getroffen werden.

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