Volkswagen-Cabrios Entschuldigung, wir haben geschlossen

Von sp-x 6 min Lesedauer

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Mit dem offenen T-Roc stirbt auch das letzte VW-Cabriolet. Damit geht eine lange Tradition zu Ende, die einst mit dem Hebmüller-Cabrio auf Käfer-Basis begann. Ein Blick zurück auf die lange Historie der VW-Cabriolets.

VW und Cabriolet waren über viele Jahrzehnte hinweg eine Selbstverständlichkeit. Nun endet die Ära offener Volkswagen.(Bild:  Volkswagen AG)
VW und Cabriolet waren über viele Jahrzehnte hinweg eine Selbstverständlichkeit. Nun endet die Ära offener Volkswagen.
(Bild: Volkswagen AG)

Als das Auto erfunden wurde, stand es oben ohne da. Das Automobil kam einst als Cabriolet mit zumeist dürftigem Wetterschutz auf die Welt. Viele Jahre zählten die offenen Schönheiten wie selbstverständlich zum Inventar jedes großen Herstellers. Doch der Wind hat sich gedreht. 2023 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) deutschlandweit gerade noch 51.984 Cabrios neu zugelassen. In der Blütezeit der Frischluftmobile lag die Zahl mehr als doppelt so hoch, 2008 registrierte das KBA noch 131.329 Neuzulassungen.

Laut „Spiegel“ geht das Cabriosterben weiter. Im nächsten Jahr soll mit dem offenen VW T-Roc Deutschlands zweitbeliebteste Cabrio (8.449 Neuzulassungen im Jahr 2023) in Rente geschickt werden. Der deutlich höhere Aufwand bei geringen Stückzahlen lohnt sich für einen Massenhersteller einfach nicht mehr. Einen Nachfolger soll es nicht geben. Damit endet beim größten deutschen Autobauer eine Ära, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann.

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Als Deutschland noch seine Wunden leckte und das Wirtschaftswunder gerade erst langsam Fahrt aufnahm, bewarb sich Karosseriehersteller Hebmüller bei Volkswagen um einen Produktionsauftrag für sein Cabriolet auf Käfer-Basis. Der Deal klappte. Für sündhaft teure 7.500 DM wurde der elegante, nur 24,5 PS starke 2+2-Sitzer ab 1949 offiziell über VW-Händler vertrieben. 696 Fahrzeuge fertigte Hebmüller, bis ein Großfeuer das komplette Werk im Bergischen Land zerstörte und der Karossier 1953 Konkurs anmelden musste.

VW: Am Anfang selbstverständlich oben ohne

Parallel zu Hebmüller entwickelte Karmann aus Osnabrück Ende der Vierzigerjahre seinen ersten offenen Käfer. Das „Vierfenster-Modell“ hatte im Gegensatz zum Hebmüller eine „echte“ Rückbank, für mehr Platz im Innenraum lag das Verdeck auf der Karosserie. VW orderte 1949 exakt 1.000 Fahrzeuge. Bis 1952 wurde die Produktion auf 10.000 Stück gesteigert. Auch der Nachfolger, der „offene Ovali“, kam 1954 aus Osnabrück. Auf Basis des Exportmodells fertigte Karmann bis 1965 rund 26.000 Einheiten.

Als die ganze Welt gerade nach und nach das süße offene Käferchen ins Herz schloss, gesellte sich ein zweiter Luftikus zum Erfolgswagen. Mit dem Karman-Ghia Typ 14 Cabriolet parkte ab 1957 ein Stück Dolce Vita in der grauen Norddeutschen Tiefebene ein. Karmann ließ sich von Ghia einen betörend schönen italienischen Designeranzug über die zuverlässige VW-Technik schneidern. Ein Traumtyp für die Direktorengattin. Oder doch nur für die Buchhalterin? Der Gigolo sah deutlich sportlicher aus, als er tatsächlich war, und holte deshalb kaum Männer hinters Steuer. Der Damenwelt war’s egal. Ihnen reichten anfangs 22 kW/30 PS zum gefühlten Sportwagenglück. Am Ende waren es überschaubare 37 kW/50 PS. Trotzdem hielt der Hausfrauen-Porsche bis 1974 durch und ist für viele bis heute das schönste VW Cabriolet aller Zeiten. Mit 80.881 Stück konnte Karmanns Frauenheld aber nie am Käfer kratzen.

Käfer: Auch beim Cabrio ein Dauerläufer

Der offene Kurierwagen Typ 181 erst recht nicht. Ob das Nischen-Cabriolet hier überhaupt in der Ahnengalerie mitfahren darf, ist sicher ein Grenzfall. Seine Geschichte ist schnell erzählt. 1969 brauchte die Bundeswehr Ersatz für den DKW Munga und beauftragte VW. Die bastelten aus Karmann-Ghia-, Käfer- und Transporter-Teilen ein rustikales, viertüriges Cabriolet mit umlegbarer Frontscheibe, Steckscheiben und PVC-Allwetter-Verdeck. Die Stückzahlen der zivilen Version blieben bis 1980 überschaubar. In der Surfer-Szene aber erreichte „The Thing“, wie die Amis den Typ 181 nannten, Kultstatus. Es folgte der Nachfolger Iltis (1978 bis 1988), ein offener Geländewagen für den Bund und für Zivilisten, der später auch bei der Rallye Paris-Dakar startete. Kaum mehr als eine Randnotiz von VWs Cabrio-Geschichte.

Denn die rankte sich in all den Jahren hauptsächlich um den Käfer. Der schnupperte längst in aller Herren Länder Morgenluft. Es schien für ihn kein Limit zu geben. Er lief und lief und lief. Als 1300 Cabriolet (1965 bis 1966), als 1500 Cabriolet (1966 bis 1970), als 1302 Cabriolet (1970 bis 1972) und schließlich als 1303 Cabriolet (1972 bis 1980). Die letzte Ausbaustufe hatte keine Schraube mehr gemeinsam mit dem ersten Käfer. Als 1303 LS Cabrio leistete der Boxer im Heck 50 PS aus 1.600 cm3 und wurde rund 160.000 Mal gebaut. Am 10. Januar 1980 lief dann das letzte Exemplar bei Karmann vom Band, insgesamt 331.847 in 31 Jahren.

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