Volkswagen-Cabrios

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Golf trat erfolgreich in die Fußstapfen

Deutschland weinte seinem Lieblings-Luftikus dicke Tränen nach, schließlich hatte er ein ganzes Volk durch die Wirtschaftswunderjahre, den Kalten Krieg und die Flower-Power-Zeit begleitet. Die Fanszene organisierte Protestfahrten nach Wolfsburg und ließ Aufkleber wie „Golf Cabrio, nein danke!“ drucken. Es nützte alles nichts. Der Golf I übernahm am 14. Februar 1979 die Lufthoheit im Konzern. Das kantige Kind aus dem Hause Karmann musste aus Sicherheitsgründen einen ebenso fetten wie hässlichen Überrollbügel tragen, was ihm schnell den Spitznamen Erdbeerkörbchen einbrachte. Doch schnell war das technisch längst überalterte Käfer-Cabriolet auch in den Köpfen der sturmerprobten Deutschen Geschichte. Die Kunden bekamen beim Golf Cabriolet nicht nur ein modernes Fahrwerk, sondern auch flotte 51 kW/70 PS und in der feinen GL-Ausstattung sogar eine Automatik. Aus dem GTI zog dann noch der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 110 PS ein, was die GLI-Version endgültig zur heißesten Windbraut jenseits des Mittellandkanals machte. Bis 1993 avancierte der offene Golf I zum Volkswagen unter allen Cabriolets und wurde mit 392.000 Einheiten die erfolgreichste Sonnenbank der Welt.

Mit deutlich mehr Platz aber immer noch schlecht gebügelt versuchte ab 1993 der Nachfolger, auf Golf-III-Basis an den Erfolg anzuknüpfen. Er konnte alles besser. Das auf Wunsch elektrisch öffnende Dach gab in weniger als 20 Sekunden den Blick zum Himmel frei, der Kofferraum war größer (plus 50 Liter) und die Crashsicherheit deutlich optimiert – doch den klassischen Charme seines Vorgängers erreichte weder er noch die folgende Generation, die auf den Golf IV fußte.

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Anfang der 2000er: Der Anfang vom Ende

Wegen mäßigem Erfolg beendete VW 2002 seine Open-Air-Aktivitäten – und ließ sich fast zehn Jahre Zeit, um mit dem Golf VI wieder in die Himmelfahrt einzusteigen. Statt eines Bügels sollten nun Überrollmodule im Fall der Fälle für Sicherheit sorgen. Sie ließen die Fondkopfstützen in Sekundenbruchteilen hochschnellen. Bis zu 195 kW/265 PS steckten ab 2013 unter der Haube des letzten Golf-Cabriolets. Aber selbst der Golf R konnte das Ende höchstens noch herauszögern. 2016 ließ VW den offenen Golf sterben. Nach 770.039 Exemplaren.

Was dann mit dem New Beetle folgte, war der Versuch, ein Gefühl zu reanimieren, das längst nur noch in den Garagen der Käfer-Fans existierte. Das Original machte sich unsterblich und lebte unter Sammlern und Zeitzeugen als Legende weiter. Das als designierter Retro-Käfer apostrophierte Rundstück auf Golf-Basis aber war kaum mehr als ein zu großer und wenig charmanter Erbschleicher. Zumindest in den Augen vieler VW-Kunden. Kult lässt sich eben nicht kopieren. Das mussten auch die offenen Versionen, das New Beetle Cabriolet (2003 bis 2010) und später das Beetle Cabriolet (2010 bis 2019) erfahren. Obwohl sie technisch sicherlich vielen Klassenkameraden voraus waren, wollte beim Publikum der Funke einfach nicht überspringen. Der große Erfolg und Liebesbeweis blieben aus.

Eos: Schlechte Qualität und wenig Emotionen

Das galt noch mehr für den viersitzigen Eos (2006 bis 2015), benannt nach der griechischen Göttin der Morgenröte. Doch göttlich war am Eos nur wenig. Das 4,41 Meter lange Cabrio-Coupé folgte dem damaligen Trend der klappbaren Stahldächer und brachte damit einen neuen Sicherheitsstandard in die Cabriowelt der Wolfsburger. Leider war der Blechhut öfters nicht ganz dicht und auch nicht wirklich gefühlsecht. Wer Cabrios wirklich liebte, verguckte sich eher selten in einen Eos. So ging dem freudlosen Klappdach-VW bereits zur Mitte seines Lebens die Puste aus, die Nachfrage zeigte drastisch nach unten. Am Ende schlugen immerhin 230.000 verkaufte Eos zu Buche.

An diese Zahl wird das T-Roc Cabriolet nicht annähernd herankommen, wenn es 2025 nach nur gut drei Jahren wieder abdankt. Das Konzept der aufgeschnittenen SUVs dürfte später einmal als miese Laune des Zeitgeists in die Geschichtsbücher eingehen. Dieses gescheiterte Konstrukt historisch in den Kontext mit dem legendären Käfer Cabriolet zu setzen, fühlt sich ohnehin an wie ein schlechter Treppenwitz der Geschichte.

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