Erneute Lieferschwierigkeiten bei BMW-Teilen

Autor Stephan Richter

Das Problem scheint hausgemacht: BMW treibt die Produktion von Neuwagen an, hinkt aber bei den Ersatzteilen hinterher. Parallel dazu baut der Hersteller seine Bestellstrukturen um. Die BMW-Partner haben sich daher an ihren Vertriebschef gewendet.

BMW hat die Verfügbarkeit von Ersatzteilen noch nicht komplett im Griff.
BMW hat die Verfügbarkeit von Ersatzteilen noch nicht komplett im Griff.
(Foto: Archiv)

BMW hat nach den großen Schwierigkeiten im vergangenen Sommer erneut Probleme bei der Ersatzteillieferung an seine Handels- und Servicepartner. Nach Informationen des BMW-Händlerverbands (VDB) ist dies auf laufende Strukturmaßnahmen im Zentrallager Dingolfing zurückzuführen. Speziell die Vertragspartner in Süddeutschland seien mit Einschränkungen im Servicegeschäft konfrontiert, erklärt Verbandspräsident Michael Fritze. Aber auch in anderen Regionen komme es zu Unplanbarkeiten bei Reparatur- und Unfallinstandsetzungsarbeiten.

Diese Situation sei für die BMW-Partner nicht neu, und die Mitarbeiter und Kunden seien aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr sensibilisiert, sagt Fritze. Der Verband habe dennoch seinen Mitgliedern geraten, sich direkt an den BMW-Vertriebschef Roland Krüger zu wenden. Bislang habe es jedoch noch keine Rückmeldung gegeben.

In einer Stellungnahme erklärt der Hersteller gegenüber »kfz-betrieb«, dass Dingolfing täglich rund 12.000 bis 15.000 Bestellpositionen an die Händlerorganisation ausliefere. Dabei sei nicht auszuschließen, dass es in Einzelfällen zu Verspätungen komme. Zugleich habe der Hersteller die Lieferqualität nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Softwareumstellung in den vergangenen Monaten kontinuierlich verbessern können.

Über-Nacht-Lieferung eingeschränkt

Ein Partner aus Süddeutschland erklärte auf Nachfrage, dass BMW seit vergangenem Jahr die tägliche Bestellfrist für Ersatzteile auf 14 Uhr vorverlegt habe. Früher sei es noch bis 17 Uhr möglich gewesen, Teile für den nächsten Tag zu ordern. „Wir arbeiten bis abends, und die Diagnose an komplizierten Fahrzeugen dauert seine Zeit. Jetzt müssen die Kunden mindestens einen Tag länger auf ihr Fahrzeug warten“, erklärt der BMW-Vertragspartner. Zudem gebe es nach wie vor Lieferschwierigkeiten bei manchen Ersatzteilen, vornehmlich Karosserieteilen. Ersatzfahrzeuge würde der Hersteller in solchen Fällen schon seit mehreren Monaten nicht mehr zur Verfügung stellen.

Ein Unternehmenssprecher verwies auf Nachfrage dagegen auf eine „Termintreue der Lieferungen von nahezu 100 Prozent“ – in der Regel würde der Hersteller seine Händler innerhalb von 12 bis 24 Stunden mit Ersatzteilen versorgen.

Händlerverband fordert Ergebnisse

Der VDB arbeite bereits eng mit dem Hersteller zusammen, um die Liefersituation zu verbessern, heißt es seitens des Verbands: „Wir erwarten von BMW hierbei die schnelle und kostenlose Sicherstellung der Mobilität unserer Kunden bei Lieferverzögerungen“, sagt Fritze. Dem VDB sei es wichtig, gemeinsam mit dem Hersteller negative Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit zu verhindern. Sollten diese im Einzelfall dennoch eintreten, dürfe sich das nicht auf die Beurteilung der Händlerleistung auswirken.

Dingolfing behält höchste Priorität

Spekulationen, dass BMW dem Logistikzentrum in Dingolfing die Verantwortung für die Belieferung vieler internationaler Märkte entziehen wolle, dementiert der Hersteller: „Der Standort Dingolfing wird auch in Zukunft mit über 280.000 Teilen als einziger Vollsortimenter die Zentrale der Ersatzteilversorgung der BMW-Group sein“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Zum Vergleich: Die drei regionalen Distributionszentren in Krefeld, Hannover und Slubice (Polen) halten nur 60.000 unterschiedliche Teile vor.

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