Fahrzeugtechnik Es droht der Elektronik-Knock-out

Von Steffen Dominsky 10 min Lesedauer

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Autos von heute werden keine Oldtimer von morgen. Eine steile These, finden Sie? Mitnichten! Denn das, was die Automobilindustrie seit einigen Jahren an Elektronik, sprich Steuergerätetechnik, verbaut, lässt sich künftig nicht mehr reparieren – weder für Geld noch für gute Worte.

Ohne eigentliches Gehäuse: Bei der Overmolded-Technologie wird die Platine mit einer Kunsstoffmasse untertrennbar übergossen – Instandsetzung ausgeschlossen. (Bild:  Witesco)
Ohne eigentliches Gehäuse: Bei der Overmolded-Technologie wird die Platine mit einer Kunsstoffmasse untertrennbar übergossen – Instandsetzung ausgeschlossen.
(Bild: Witesco)

Sie hatten es in sich, die Jahre 1967/68: In den USA kämpfen Schwarze für mehr Bürgerrechte und Friedensaktivisten gegen den Vietnamkrieg, und auch hierzulande demonstriert man gegen Faschismus im Allgemeinen und gegen den Besuch des persischen Schahs im Speziellen. Während es auf den Straßen „nur“ nach Revolution riecht, findet diese im Automobilbau tatsächlich statt. Am 14. September 1967 präsentiert Bosch auf der IAA in Frankfurt eine Technik, die den Automobilbau revolutionieren wird. Sie hört auf den Namen „D-Jetronic“ und ist eine echte Sensation: die erste funktionierende elektronische Benzineinspritzung.

Ausgerechnet die konservativen Niedersachsen vom Mittellandkanal mit ihrem veralteten, luftgekühlten Heckmotorkonzept sind’s, die zuschlagen und als erster Hersteller weltweit eine Jetronic und damit ein elektronisches Steuergerät im großen Stil verbauen. Zum Einsatz kommt die schwäbische Technik in VWs Mittelklassewagen VW 1600; zuerst in Kalifornien in den USA. Ab Juni 1968 können auch deutsche „Typ 3“-Käufer neue Einspritz- anstatt alter Vergasertechnik erwerben. Aufpreis: 600 DM – zehn Prozent des Fahrzeugpreises. Weitere Hersteller greifen zu bei Bosch und sorgen damit für eine kontinuierliche Verbreitung solcher Anlagen mitsamt ihrer „Elektronikgehirne“, sprich Steuergeräte.