„Es ist nie zu früh“
Sylvia Gerl, Schulleiterin der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kfz-Gewerbe in Northeim gibt Tipps, wie man das Thema Unternehmensnachfolge anpacken kann
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Redaktion: Warum ist das Thema Unternehmensnachfolge so unbeliebt im Kfz-Gewerbe?
Sylvia Gerl: Weil es dafür keine Musterlösung gibt und weil viele Unternehmer Angst davor haben, sich dem Thema zu stellen. Man darf nicht vergessen, dass der Betrieb für viele der wichtigste Lebensinhalt ist. Wenn sie ihren Ausstieg aus dem Unternehmen planen, fürchten sie, in ein schwarzes Loch zu fallen.
Wann ist der ideale Zeitpunkt, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Das kann gar nicht früh genug sein. Eigentlich sollte man sich schon bei der Gründung eines Unternehmens darüber Gedanken machen, wer den Betrieb fortführen wird, unabhängig davon, ob man Kinder hat oder nicht. Die Banken sagen oftmals, dass ein Unternehmer mit 50 Jahren wissen muss, wer der Nachfolger ist. Doch dabei wird gern vergessen, dass schon viel früher etwas Unvorhergesehenes wie eine Krankheit dazwischen kommen kann.
Unterstützen die Hersteller ihre Händler bei diesem Thema genügend?
Die Hersteller haben vorwiegend Zahlen auf ihrem Radar. Da das Thema Unternehmensnachfolge eher persönlicher Natur ist, lassen sie ihre Händler gern damit allein. Es gibt zwar Juniorenprogramme, doch das sind eher Blitzlichter. Viele Hersteller lassen sich die Chance entgehen, die Junioren, die voller Ideen und Vorstellungen stecken, frühzeitig auf die Marke einzustimmen.
Können Sie Kfz-Unternehmern, bei denen ein Stabwechsel ansteht, ganz konkrete Tipps an die Hand geben?
Sie sollten einen externen Berater hinzuziehen, damit die Emotionen nicht aufbrechen. Der Seniorchef und der Nachfolger können ihre Vorstellungen über die Zukunft des Unternehmens unabhängig voneinander aufschreiben und diese in Anwesenheit des Beraters gegenüberstellen. Sinnvoll ist, ein Zeitraum von zwei Jahren anzuberaumen, in dem der Senior sukzessive loslässt und der Junior in die Aufgaben hineinwächst.
Ist es besser, den Nachwuchs im eigenen Betrieb auf seine Aufgabe vorzubereiten, oder in einem Fremdbetrieb?
Ganz klar in einem Fremdbetrieb. Die Marke spielt eine untergeordnete Rolle. Aber das Autohaus sollte ganz anders aufgestellt sein als der elterliche Betrieb.
Wie kann man Konflikte zwischen Geschwistern vermeiden?
Alle müssen konkrete Arbeitsplatzbeschreibungen bekommen und die Aufgaben müssen klar verteilt werden. Eine Möglichkeit, um Konflikte zu vermeiden, ist, einen fiktiven Arbeitsvertrag zu verfassen, in dem die Aufgaben schriftlich festgehalten sind.
Was kann ein Unternehmer tun, wenn es in der Familie keinen Nachfolger gibt?
In diesem Fall sollte er sich zuerst im eigenen Betrieb umschauen. Viele unterschätzen das Führungspotenzial ihrer Mitarbeiter. Nur wenn sich dort niemand findet, sollte man einen externen Geschäftsführer suchen. Wichtig ist, dass sich die Suche über einen möglichst kurzen Zeitraum erstreckt. Sonst setzt man das Vertrauen der Mitarbeiter auf Spiel.
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