Zehn anspruchsvolle Werkstattaufträge, gespickt mit jeweils mehreren Fehlern und nur knapp sechs Stunden Zeit dafür. Das war der Eurocup 2025 mit dem die Kfz-Verbände aus Deutschland, der Schweiz und Südtirol in diesem Jahr ihre Teilnehmer für die Berufsweltmeisterschaften Worldskills gekürt haben.
Die drei Erstplatzierten beim Eurocup 2025 in Bern: (v. li.) Hannes Wirsing aus Deutschland (Platz 2), Janik Schumacher (Platz 1) und Lars Hayoz, beide aus der Schweiz.
(Bild: Schmidt - VCG)
Der aktuelle Deutsche Meister der Kfz-Mechatroniker, Hannes Wirsing, hat beim Eurocup 2025 im schweizerischen Bern gezeigt, dass er seinen Titel zu Recht trägt. Bei dem Wettbewerb, den die Kfz-Verbände aus der Schweiz, Deutschland und Südtirol genutzt haben, um ihre Kandidaten für die Berufe-Weltmeisterschaft Worldskills zu küren, musste er sich nur dem Schweizer Meister, Janik Schumacher, geschlagen geben. Bei den zehn anspruchsvollen Aufgaben, die der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) im Berner Kompetenzzentrum für Auto und Transport, der Mobilcity, aufgebaut hatte, zeigte er keine großen Schwächen und lag am Ende nur 2,25 Punkte hinter dem Sieger. Platz drei belegte Lars Hayoz, ebenfalls ein Schweizer, der nur um 1,55 Punkte besser war als der zweite deutsche Teilnehmer, Georg Wahl.
Zehn Teilnehmer aus drei Ländern
Deutschland war in diesem Jahr mit drei Kfz-Mechatronikern beim Eurocup vertreten, die Schweiz mit vier und aus Südtirol waren ebenfalls drei Kandidaten angereist. Hannes Wirsing aus dem unterfränkischen Bad Königshofen, hatte sich über den Sieg bei den German Craft Skills, der Deutschen Meisterschaft im Kfz-Handwerk, im November 2025 in Koblenz für die Teilnahme qualifiziert. Der hessische Landessieger Georg Wahl hatte bei diesem Wettbewerb den zweiten Platz belegt. Der dritte Deutsche, Maximilian Westpfahl, war 2024 Landessieger in Thüringen und hatte mit guten Leistungen bei den German Craft Skills 2024 in Hamburg auf sich aufmerksam gemacht. Da Wahl und Westpfahl für die Worldskills schon zu alt sind, ging es bei ihnen in erster Linie darum, den Eurocup als Vorbereitungswettbewerb für die Euroskills 2027 in Düsseldorf zu nutzen. Hier könnten sogar beide noch teilnehmen: Wahl in der Disziplin Pkw-Technik und Westpfahl in der Disziplin Nutzfahrzeugtechnik. Westpfahl erkämpfte sich in Bern einen achtbaren 7. Platz.
Wie bei internationalen Berufswettkämpfen üblich, waren die Fahrzeuge und Modelle an den einzelnen Stationen gleich mit mehreren Fehlern gespickt. Für die Aufgaben hatten die Teilnehmer trotzdem jeweils nur 35 Minuten Zeit. Aufgebaut waren sie wie ganz normale Werkstattaufträge. Allerdings bekamen die jungen Autofachmänner oft nur sehr wenig Informationen zu den Auswirkungen der jeweiligen Fehler. Vielfach lautete die Aufgabenstellung nur: Finden Sie die Fehler und dokumentieren Sie Ihre Arbeit.
Das Aufgabenspektrum reichte von Defekten im Motormanagement bei Otto- und Dieselmotoren über Getriebeprobleme bis zu Problemen in einer Luftfederung. Auch die Themen Karosserieelektrik und CAN-Bus sowie die Motormechanik und Motorkühlung waren in den Parcours integriert. Die Aufgaben hatte das Team um Markus Schwab (Leiter Automobiltechnik & Prüfungen beim AGVS) entwickelt und aufgebaut.
Schnelle Auffassungsgabe und Systemkenntnis
Um wirklich die Besten aus dem gut ausgebildeten Teilnehmerfeld selektieren zu können, waren die Aufgaben kaum in der zur Verfügung stehenden Zeit komplett zu lösen. Gefragt waren vielmehr eine schnelle Auffassungsgabe, eine ebenso schnelle Problemlösung und gute Systemkenntnisse. Denn genau das sind die Kompetenzen, die Teilnehmer bei den Welt- und Europameisterschaften brauchen.
Als Prüfer waren Experten aus den drei Teilnehmerländern nach Bern gekommen. Für das Ergebnis an jeder Station bewerteten sie primär nicht die Zahl der gefundenen Fehler, sondern den Weg der Fehlersuche sowie den Umgang mit den Unterlagen und Testgeräten. Denn die richtige Diagnosestrategie ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Arbeit im Kfz-Gewerbe und für gute Platzierungen bei Wettkämpfen.
Für Hannes Wirsing beginnt nun eine intensive Vorbereitung auf die Worldskills, die vom 22. bis 27. September 2026 in Schanghai stattfinden. Während des gesamten Eurocups war bei ihm – wie auch bei den beiden anderen deutschen Teilnehmern – zu spüren, dass sie wirklich Lust haben, in die Wettbewerbskarriere zu starten. Das ist neben der fachlichen Kompetenz eine wichtige Voraussetzung, um bei internationalen Wettkämpfen erfolgreich sein zu können. Denn sie werden in den nächsten Monaten viel Freizeit investieren müssen, um gegen die besten Kfz-Mechatroniker der Welt bzw. Europas bestehen zu können. Mit dem Trainerteam, das sie dabei anleitet, haben sie gute Chancen dafür. Schließlich haben die Bundestrainer des Kfz-Gewerbes selbst einmal an internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Stefan Mißbach wurde sogar 2022 in Dresden Weltmeister.
Stand: 08.12.2025
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