Fahrerassistenzsysteme: Mehr Sicherheit für ältere Autofahrer

Ältere Menschen als Kraftfahrer stellen ein zunehmendes Risiko dar, hieß es auf dem Verkehrsgerichtstag Goslar. Moderne Fahrerassistenzsysteme können helfen, aber auch die Autohändler haben Einflussmöglichkeiten.

Ältere Fahrer sind ein steigendes Risiko im Straßenverkehr.
Ältere Fahrer sind ein steigendes Risiko im Straßenverkehr.
(Bild: © auremar/Fotolia.com)

„Es gibt Hinweise darauf, dass ältere Menschen als Kraftfahrer ein zunehmendes Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellen.“ Zu diesem Fazit kamen die Teilnehmer auf dem 55. Deutschen Verkehrsgerichtstag, der vom 25. bis 27. Januar in Goslar stattfand. Die deutsche Verkehrswacht untermauert diese Aussage mit Zahlen: Während 1991 beispielsweise die meisten Senioren getötet wurden, als sie zu Fuß unterwegs waren (47 Prozent; 2015: 27 Prozent), waren 2015 die meisten tödlich verunfallten Senioren in Pkw unterwegs (42 Prozent; 1991: 31 Prozent) und fast jeder fünfte ältere Verkehrstote starb als Radfahrer.

Besonders gefährdet ist die Altersgruppe ab 75 Jahren: Laut Statistischem Bundesamt war 2015 jeder dritte getötete Radfahrer und 41 Prozent der getöteten Fußgänger 75 Jahre und älter. Ab 75 steigt auch der Anteil der Unfallverursacher, zumal bei den Auto fahrenden Senioren: Gut 75 Prozent hatten den Unfall verursacht, in den sie verwickelt waren.

Fahrerassistenten gleichen nachlassende Fähigkeiten aus

Meist sind es keine bewussten Regelverstöße, die bei älteren Verkehrsteilnehmern zu einem Unfall führen. Vielmehr liegt es an einer nachlassenden körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr durch Routine und eine defensiven Fahrweise ausgeglichen werden kann.

Umso mehr kann moderne Technik helfen, zurückgehende Beweglichkeit und eingeschränktes Sichtfeld zu kompensieren. Und hier kommt der Automobilhandel ins Spiel. Fahrerassistenzsysteme wie Spurwechsel- und Notbremsassistent oder die automatische Einparkfunktion können den Fahrer vor allem im Stadtverkehr stark entlasten. Solche Technik ist aber oft aufpreispflichtig. Eine gezielte Beratung der entsprechenden Kunden und die praktische Demonstration der Funktionsweise der Fahrerassistenten kann dafür sorgen, dass ältere Kunden diese Systeme beim Autokauf berücksichtigen.

Fahrsicherheitsevent für ältere Fahrer

Auch lassen sich auf dieser Basis neue Veranstaltungsideen entwickeln. Schon heute gibt es bei vielen Autohändlern Events, die für bestimmte Kundensegmente konzipiert sind, beispielsweise Technikkurse für Frauen oder Fahrsicherheitstrainings für junge Fahrer. Warum also nicht einen Praxiskurs über Fahrerassistenzsysteme für ältere Kunden veranstalten?

Hier ist auch die Zusammenarbeit mit Trainern von Automobilclubs, Sachverständigenorganisationen oder der Deutschen Verkehrswacht denkbar. Die Landesverkehrswacht Niedersachsen hat beispielsweise das Fahrsicherheitstraining „Fit im Auto“ für über 65-Jährige entwickelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer testen ihr Können hinterm Steuer und besprechen es mit Gleichgesinnten und einem Experten, der die Fahrten begleitet.

Auf diese Weise ließe sich das sensible Thema „Fahreignung im Alter“ diskriminierungsfrei und unaufdringlich transportieren. Für obligatorische Untersuchungen der Fahrtauglichkeit sieht übrigens auch der Verkehrsgerichtstag noch keine Grundlage. Allerdings seien „Instrumente zur besseren Einschätzung der eigenen Fahrkompetenz zu entwickeln und wissenschaftlich zu evaluieren. Vorgeschlagen wird eine qualifizierte Rückmeldefahrt, deren Ergebnis ausschließlich dem Betroffenen mitgeteilt wird.“

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