Zusatzgeschäft Familien-Autohäuser gründen deutschlandweite Tankstellenkette

Von Dr. Martin Achter 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Ertragslage im Handel ist in vielen Betrieben angespannt. Eine Gruppe familiengeführter Autohäuser will es dabei nicht bewenden lassen – und sieht angesichts steigender Spritpreise Chancen als Tankstellen-Verbund. Eine innovative Erlösquelle: die Finanzierung ganzer Tankfüllungen. Auch KI spielt eine Rolle.

Familiengeführte Autohäuser aus ganz Deutschland schließen sich zu einem losen Tankstellenverbund zusammen. Mit neuartigen Finanzdienstleistungen rund um Tankfüllungen und Upselling mit KI-Technologie erschließt die Initative neue Erlösquellen. Im Bild: Der Betrieb im oberbayerischen Bad Händling am Alpenrand.(Bild:  Google Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)
Familiengeführte Autohäuser aus ganz Deutschland schließen sich zu einem losen Tankstellenverbund zusammen. Mit neuartigen Finanzdienstleistungen rund um Tankfüllungen und Upselling mit KI-Technologie erschließt die Initative neue Erlösquellen. Im Bild: Der Betrieb im oberbayerischen Bad Händling am Alpenrand.
(Bild: Google Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)

Der Startschuss soll bereits Mitte April fallen: Rund 120 kleinere und mittlere Autohäuser von der Nordsee bis an den Alpenrand gründen eine gemeinsame Tankstellenkette. Die Initiative „Familiengeführte Autohaus-Tankstellen Deutschlands“ (FAT) will ab dem 13. April „mit 117 Betrieben in einheitlicher Corporate Identity operativ starten“, wie sie mitteilte. Die Kraftstoffpreise setze jeder Standort aus wettbewerbsrechtlichen Gründen selbst.

Grund für die Zusammenarbeit sind laut Pressemitteilung Größenvorteile bei der gemeinsamen Entwicklung notwendiger KI-Technologie; diese finanzieren die Unternehmen in Kooperation. Gleiches gilt für die Verhandlungsmacht mit Finanzdienstleistern, deren Finanzierungslösungen für die Angebote des Verbunds notwendig sind. Außerdem gehe es darum, Kunden „vom Start weg Vorteile an Standorten in ganz Deutschland“ zu bieten.

Der Verbund sieht Ertragspotenziale für die Mitgliedsbetriebe an verschiedener Stelle. So spielten die steigenden Kraftstoffpreise selbst und die damit verbundenen möglichen Erträge aus dem Spritverkauf eine Rolle. Daneben geht es um Upselling und Crossselling in den Betrieben – Fahrzeugvertrieb und Werkstattservice –, aber auch um neue Erlöschancen durch Finanzdienstleistungen rund um Tankfüllungen: die sogenannte „Fuel Finance Margin“.

Die FAT-Mitgründer Patrick Odenthal (Autohaus Odenthal, l.) und Mirko Kleditzsch (Autoforum Kleditzsch) bei der Eröffnung des Standorts in Bad Händling in der einheitlichen FAT-CI.(Bild:  Google Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)
Die FAT-Mitgründer Patrick Odenthal (Autohaus Odenthal, l.) und Mirko Kleditzsch (Autoforum Kleditzsch) bei der Eröffnung des Standorts in Bad Händling in der einheitlichen FAT-CI.
(Bild: Google Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)

So bieten die FAT angesichts hoher Spritpreise und entsprechend hohen Tankrechnungen für Kunden als erste Tankstellenkette deutschlandweit neben der Barzahlung wahlweise auch Finanzierungen für Tankfüllungen an. Finanzdienstleistungspartner ist die portugiesische Bankengruppe Banco Villarriba.

Der Vertrag für die jeweilige Finanzdienstleistung wird direkt an den Zapfsäulen abgeschlossen. Dazu macht eine in die Zapfsäulen eingebaute künstliche Intelligenz kurz eine subjektive Gesichtskontrolle des Kunden – das genügt. Wenn nicht alles schiefläuft und der KI am Gesichtsausdruck des Kunden etwas missfällt, hat dieser in Windeseile einen Tankkredit.

So läuft die Finanzierung der Tankfüllung

FAT-Mitgründer Patrick Odenthal vom Autohaus Odenthal in Mülheim an der Ruhr (Konzernmarken) beschreibt den Vorteil für Kunden: „Warum sollte man Ottokraftstoff oder gerade Diesel bar bezahlen, wenn man die Rechnung über 60 Monate bequem in Raten begleichen kann?“ Die monatliche Rate für eine 50-Liter-Füllung Super E10 läge so – bei fünf Jahren Laufzeit – etwa bei 1,78 Euro – bei marktüblichen 7,9 Prozent Sollzins. „Das ist sozusagen ein Autokredit light“, erläutert der Händler. Und die Provisionen, die für die FAT-Betriebe dabei abfielen, seien „durchaus vorhanden“.

Während der Kunde tankt, führen wir über Betonsensoren in der Bodenplatte eine kostenlose Kurzdiagnose der Fahrzeuge durch.

Mirko Kleditzsch, Autoforum Kleditzsch

Aber auch die Inzahlungnahme von Kraftstoff sei möglich – etwa beim Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens in einem der Mitgliedsbetriebe: „Wer sein altes Fahrzeug bei uns in Zahlung gibt, kann Kraftstoff aus seinem bisherigen Fahrzeug absaugen lassen und uns zum Ankauf anbieten. Wir bewerten das Material per KI in der Zapfpistole zum tagesaktuellen Preis“, sagt Odenthal. Die Zapfsäulen seien technisch auch dazu in der Lage, den Kraftstoff aus den Fahrzeugtanks abzusaugen.

Daneben arbeiten die FAT an weiteren Stellen mit KI – insbesondere, um das Werkstattgeschäft zu befördern. Stichwort: „Predictive Maintenance“ oder „vorausschauende Wartung“.

Betonsensoren scannen Autos

So erläutert FAT-Co-Gründer Mirko Kleditzsch vom Autoforum Kleditzsch aus Wilkau-Haßlau bei Zwickau (französische Importfabrikate): „Während der Kunde tankt, führen wir über Betonsensoren in der Bodenplatte eine kostenlose Kurzdiagnose der Fahrzeuge durch.“ Die KI in der Zapfsäule erkenne automatisch Verschleißteile und erstelle einen Kostenvoranschlag, der auf das digitale Display der Zapfsäule geschickt werde.

„Der Kunde verlässt die Tankstelle somit nicht nur mit vollem Tank, sondern auch mit dem Wissen, was demnächst zu reparieren ist“, so FAT-Mitgründer Kleditzsch. Kunden könnten dann noch direkt an der KI-Zapfsäule per Spracheingabe einen Werkstatttermin vereinbaren. Mit ihrer KI-Voicebot-Funktion könnten die Zapfsäulen direkt mit den Kunden den Servicebedarf klären.

Künftig, so Kleditzsch, sei es auch denkbar, dass humanoide Roboter an den Tankstellen als KI-Tankwarte an den Zapfsäulen eingeführt werden. Diese könnten dann kleine Servicearbeiten an den Fahrzeugen noch direkt während eines Tankaufenthalts umsetzen. „Damit wird der Tankstopp zu einem Boxenstopp“, betonte Kleditzsch.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Upselling durch Loyalitätsprogramm

Insgesamt verspricht sich der FAT-Verbund Vorteile aus den Wechselwirkungen zwischen Tankstellengeschäft, Fahrzeugvertrieb und Werkstattbetrieb. So betont Mitgründer Odenthal: „Durch die künftig häufigeren Aufenthalte der Kunden an unseren Tankstellen deutschlandweit und ein gemeinsames Loyalitätsprogramm im Verbund sehen wir immenses Upselling-Potenzial.“

Dafür hat die Initiative eine Tank-Rabattkarte aufgelegt. Auf dieser können Kunden Guthaben sammeln und damit Vergünstigungen bei Wartungen und Reparaturen oder bei Fahrzeugkäufen erhalten. Odenthal betont: „Mit jedem Liter Ottokraftstoff oder Diesel wächst die Kundenbindung. Das zahlt sich langfristig für Kunden und für uns aus.“

Pro Liter schreiben die FAT-Betriebe Kunden einen Cent auf den Karten gut. Die auf diese Weise gesammelten Guthaben könnten Kunden bei einem Fahrzeugkauf oder Werkstattaufenthalt vom Rechnungspreis abziehen, wie FAT-Co-Gründer Kleditzsch erläutert.

„Besser als nichts“

Den Effekt skizziert er in einer Beispielrechnung. So verbrauche ein Kompaktwagen vom Typ Boulevard 3077 als Benziner knapp sechs Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern. Pro Jahr kämen Kunden mit einer Laufleistung von durchschnittlich 20.000 Kilometern so auf rund 1.200 Liter. In fünf Jahren kämen so insgesamt um die 60 Euro zusammen. „In der heutigen Zeit ist das besser als nichts“, sagt Autohausbetreiber Kleditzsch. „Wir rechnen deshalb mit einer ganz engen Bindung der Kunden.“

Der Zuspruch in der Branche für das Konzept entwickle sich aktuell rasant, betont Kleditzsch. Wo sich seit Jahren stillgelegte Autohaus-Tankstellen befänden, arbeiteten zahlreiche Betriebe mit Hochdruck an einer Wiedereröffnung. „Hier entsteht gerade das KI-Tankstellennetz von morgen – mit Autohaus-Anbindung“, skizziert Kleditzsch den Anspruch des FAT-Verbunds.

(ID:50803176)