FCD-Praxistipp: Mysteriöses Problem mit der Wegfahrsperre
Einen interessanten Diagnosefall haben jüngst die Experten von FCD auf den Tisch bekommen: Die Wegfahrsperre eines Ford Fiesta, Baujahr 2006, meldete sich mit einer Fehlermeldung zu Wort.

Der Inhaber eines Ford Fiesta wandte sich kürzlich an die Diagnoseexperten von FCD: Sporadisch sprang der Motor des kleinen Kölner nicht mehr an. Das passierte völlig unberechenbar bei jedem x-beliebigen Startversuch. Dann hörte der Besitzer nichts mehr, kein Klackgeräusch, nichts. Beim nächsten Versuch, zum Teil nur wenige Minuten später, sprang der Motor aber problemlos an, auch mehrmals hintereinander.
Ein sporadischer Fehler wie in diesem Fall macht die Suche in der Regel nicht leicht, sprich sehr zeitaufwendig. Genau das möchte die Werkstatt in aller Regel vermeiden. Wie das geht? Zum Beispiel mit dem Diagnoseansatz von FCD: Der setzt auf das Aufzeichnen elektrischer Signale mittels Datenrekorder – in diesem Fall dem hauseigenen „Texvik“. Gerade bei sporadischen Fehlern ist eine kontinuierliche Datenaufzeichnung ein Muss, so FCD. Im vorliegenden Fall kamen die Diagnoseexperten auf die Idee, die möglicherweise betroffenen Teile unterschiedlich zu temperieren. Das Temperieren ist so wie das Wackeln eine gute Möglichkeit sporadische Elektronikprobleme aufzudecken.

Mit einem Multimarken-Diagnosetester, in diesem Fall einem Launch X-431 Daigun, las man zuerst den Fehlerspeicher aus. Der brachte einen Eintrag über ein sporadisches Kommunikationsproblem im Wegfahrsperrenmodul zutage („B1681 – PATS – Wegfahrsperrenmodul – kein Signalempfang“). Einmal als sporadischer, einmal als permanenter Fehler war er im Fehlerspeicher abgelegt. Die möglichen Ursachen waren folgende: Die Leitungen des „PATS“-Moduls (Versorgungsleitung, Masseleitung, Datenleitung), die Steckverbindung am PATS oder dem Mehrfachstecker am Motorsteuergerät, der PATS-Sender oder ein defektes Motorsteuergerät kamen als Ursache infrage. Die Auswahl der zum Austausch infrage kommenden Bauteile war also sehr umfangreich und wäre damit im Zweifelsfall auch sehr teuer geworden.
Eindeutige Beweise durch Oszilloskopmessungen
Die Verbindungsart zwischen PATS und Motorsteuergerät ist einfach. Beide Module haben sowohl eine eigene Plus- als auch Minus-Leitung für die Versorgung. Auch für die Kommunikation kommen zwei einzelne Datenleitungen zum Einsatz. Durch eine Leitung fließen die Datensätze vom Motorsteuergerät zum PATS und durch die andere die Daten in umgekehrter Richtung.
Zuerst schloss das FCD-Team alle Leitungen am PATS an und nahm die Signaldynamik bei Zündung „Ein“ auf.

1. Beide Module ohne Schaltvorgang – es ist lediglich die 12V-Spannungsversorgung sichtbar.
2. Das Motorsteuergerät schließt die Spannung vom PATS auf die Masse, die Kommunikation wird hiermit gestartet.
3. Das Motorsteuergerät generiert die hochfrequenten Daten (Anregung).
4. Das PATS versucht zu antworten, aber die hochfrequente Antwort erreicht die LOW-Spannung nicht bei der 0V-Linie, sondern auf einem geringeren reduzierten Spannungsniveau, das für das Motorsteuergerät nicht verständlich (nicht sichtbar) ist.
Die ganze Prozedur wurde vier Mal wiederholt, die Kommunikation wurde abgebrochen und die Warnleuchte der Wegfahrsperre durch Blinken aktiviert (das Motorsteuergerät sendet eine Nachricht über einen Kommunikationsfehler an die Instrumententafel).

Um festzustellen, welches der beteiligten Bauteile die Spannung sendet und welches die Spannung auf die Masse schließt, haben die FCDler die Kommunikationsleitungen getrennt. Dabei stellte sich heraus: Das PATS war für die Kommunikationsstörung verantwortlich. Für die weitergehende Analyse haben die Diagnoseexperten die Versorgungsleitungen weggelassen und nur die vier Endungen der beiden Datenleitungen angeschlossen. Um den Fehler aufzurufen, haben sie das PATS-Modul mit einer Heißluftpistole „temperiert“. Nach ein paar Sekunden war die Kommunikation plötzlich wieder vollständig möglich. Das Bild zeigt gerade den „Besserungsmoment“ an.


Hätte es sich um einen permanenten Fehler gehandelt, wäre dieser Diagnosefall eine Routinesache gewesen. Mit diesem Beispiel jedoch möchte das FCD-Team aufzeigen, dass man auch sporadische Fehler provozieren und somit lokalisieren kann. Der Vorteil: eine beträchtliche Zeit und damit Kostenersparnis. Aber: Ohne eine kontinuierliche Aufnahme mit der höchsten Abtastrate, wie sie z. B. der Signalrecorder „Texvik“ ermöglicht, wäre die Fehlersuche alles andere als einfach gewesen.
Hauptbestandteil des FCD-Konzepts ist ein Internet-Portal. Auf diesem können sich Werkstätten, die Probleme bei der Fehlerdiagnose an Fahrzeugen haben bzw. über entsprechende Lösungsvorschläge verfügen, untereinander austauschen. Außerdem bietet FCD ein Archiv in Form einer umfangreichen Datenbank mit Tausenden von Oszilloskop-Gut- und Schlechtbildern.
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