Federal Mogul: „Mehr als die einzelnen Marken“

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Seit Mai 2008 ist Martin Hendricks für das europäische Aftermarket-Geschäft von Federal Mogul verantwortlich. Das Unternehmen stellt bekannte Markenprodukte wie Champion-Zündkerzen oder Ferodo-Bremsbeläge her.

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Redaktion: Der Federal-Mogul-Konzern ist in Deutschland wesentlich weniger bekannt als seine einzelnen Marken. Stört sie das?

Martin Hendricks: Die Stärke von Federal Mogul ist, dass wir unser breites Produktprogramm mit bekannten Marken unterstützen. Wir haben zum Beispiel Champion für Zündkerzen und Ferodo für Bremsen. Aber unseren Großhandelskunden machen wir immer bewusst, dass wir als Federal Mogul mehr sind als die einzelnen Marken. Außerdem erwirtschaften wir von sieben Milliarden Dollar Umsatz drei Milliarden auf dem Aftermarket. Der Ersatzmarkt ist also enorm wichtig für uns.

In welchen Produktbereichen und mit welchen Marken ist Federal Mogul aktiv?

Wir haben unser Unternehmen in vier Bereiche aufgeteilt. Da sind zum einen die Motorenteile, daneben die Bremsen mit der Marke Ferodo, als drittes der Bereich Lenkung und Aufhängung mit der Marke Moog sowie die Serviceprodukte mit Zündkerzen von Champion, Wischerblättern und Filtern. Also ein sehr breites Programm.

Welche Produkte aus Ihrem Programm sind auf dem deutschen Aftermarket am meisten nachgefragt?

Im Moment sind das die Bremsen. Da sind wir in der Erstausrüstung sehr stark vertreten – von den zehn bestverkauften Pkw in Europa sind acht mit Ferodo-Technik ausgerüstet. Nach wie vor sehr wichtig ist das Geschäft mit Motorenteilen. Zwar verzeichnen wir eine Stagnation in Westeuropa, aber ein starkes Wachstum im Osten. Auch das Geschäft mit Lenkungs- und Aufhängungsteilen nimmt derzeit sehr stark zu.

Was sind die aktuellen Highlights unter Ihren Produkten?

Für Dichtungen halten wir ein Patent, das uns Vorsprung vor den Wettbewerbern sichert. Wichtig ist auch die Thermoquiet-Linie unserer Bremsbeläge. Das ist ein Bremsbelag aus einem Stück, der deutliche Komfortvorteile gegenüber herkömmlichen Bremsbelägen bietet. Außerdem sind wir die ersten, die Flatblade-Wischerblätter für Fahrzeuge anbieten, die noch mit herkömmlichen Wischern ausgestattet sind. Das bringt mehr Sicht und damit mehr Sicherheit.

Entsprechen Ihre Ersatzteile der OE-Qualität?

Ja, absolut. Neue Technologien kommen ohne Zeitverzug in den Aftermarket. Unsere Zielsetzung ist es vor allem, der Werkstatt Teile anzubieten, die sie leicht montieren kann. Wir haben eine eigene Entwicklungsabteilung für den Aftermarket, die genau das sicherstellen soll.

Sehen Sie in Ihren Marktsegmenten eine Bedrohung durch Billigteile?

Es gibt hier wie auch auf anderen Märkten den so genannten Good-better-best-approach. Man muss einfach schauen, welche dieser Segmente man abdecken will. Gerade bei sicherheitsrelevanten Teilen müssen wir die Werkstätten überzeugen, auf Markenteile zu setzen. Um trotzdem kostengünstig für unsere Kunden zu sein, bieten wir etwa bei Ferodo die SL-Linie als Einstiegsprogramm an.

Auf welche Weise arbeiten Sie mit den Werkstätten zusammen?

Wir haben ein eigenes Schulungszentrum in Burscheid, in dem wir unsere Kunden schulen. In den letzten Monaten haben wir im Rahmen einer Ferodo-Roadshow insgesamt 1.000 Werkstätten in Deutschland aufgesucht. Dort haben wir den Partnern unser Produkt und seine Vorteile nähergebracht. Unser Ziel ist es, unsere Marke stärker in den Betrieben zu verankern, sodass der Großhandel diese Produkte leichter verkaufen kann. Denn wenn man sich unsere Erstausrüstungsanteile anschaut, dann sind wir auf dem Ersatzmarkt noch nicht da, wo wir sein sollten.

Wie ist die wirtschaftliche Lage des Federal-Mogul-Konzerns, der in den USA ja lange unter Konkursverwaltung stand?

Seit Ende 2007 ist diese Phase beendet. Wir haben in dieser Zeit keinen einzigen wichtigen Kunden verloren, sind deutlich gewachsen und haben unsere Profitabilität erhöht. Das zweite Quartal 2008 war eines der besten in unserer Geschichte und hat einen Rekordumsatz gebracht. Auch wir sehen natürlich den Abwärtstrend in der Wirtschaft, aber wir stehen sehr gut da.

Wie ist Ihr Unternehmen in Deutschland aufgestellt?

Wir beschäftigen in Deutschland über 7.500 Mitarbeiter. Der europäische Hauptsitz von Federal Mogul ist in Wiesbaden. Hier machen wir 1,3 von unseren insgesamt sieben Milliarden Dollar Umsatz. Außerdem betreiben wir hier in Deutschland vier Entwicklungszentren.

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