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Fiat 500: Die italienische Knutschkugel feiert runden Geburtstag

Autor / Redakteur: sp-x / Jakob Schreiner

Als Minimalauto konzipiert, als Kultauto reanimiert und im Retrolook in den zweiten Frühling gefahren: der 1957 vorgestellte Fiat 500 hat in seiner Karriere Großes geschafft und gilt als Inbegriff des italienischen Volkswagens.

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Der Fiat 500 war schon immer retro.
Der Fiat 500 war schon immer retro.
(Bild: Fiat)

Er war eine „piccola macchina“, wie sie nur der in Italien bis heute verehrte Fiat-Konstrukteur Dante Giacosa auf die Räder stellen konnte. Gerade einmal 2,97 Meter lang, wirkte der am 4. Juli 1957 präsentierte Fiat 500 Nuova perfekt proportioniert für die engen Gassen italienischer Altstädte. Vor allem aber gab er sich mit seinen rundlichen Formen niedlich wie ein Mäuschen, das durch zwei große runde Hauptscheinwerfer neugierig die Welt erkundet.

Wie kein anderes Großserienfahrzeug wurde der bis 1975 in 3,7 Millionen Einheiten gebaute Cinquecento weltweiter Botschafter für sein Mutterland. Unvergänglich schöne Formen, Familiensinn, kompakte Abmessungen und kleine Preise, aber auch „dolce vita“, das süße Leben mit Sonnengarantie: All dies verkörperte das Mäuschen durch vier Sitze, großes Rolldach und Sonderserien wie Mickey und Minnie (Mouse) von Vignale.

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Die Premierenfeier für den damals weltweit kleinsten vollwertigen Viersitzer mit konventionellen Seitentüren fiel ungewöhnlich pompös aus. Die ganze Nation nahm damals via Fernsehen an der Geburt der automobilen Maus teil, die am Fließband begann. Von diesem „Kreißsaal“ fuhr eine fast endlos lange Parade fröhlich-frecher Fiat 500 durch das festlich geschmückte Turin, wo Hundertausende dem familientauglichen Viersitzer mit riesigem Rolldach frenetisch zujubelten.

Der Volkswagen für Italien

Amerika hatte das pragmatische Ford T-Modell und Deutschland den rundlichen VW Käfer – nur in Italien gab es gleich zwei Volkswagen von einer Marke. Den Vierzylinder-Kleinwagen Fiat 600 und den kaum günstigeren Zweizylinder-Knirps Fiat 500. Was tun, um die enttäuschenden Verkaufszahlen des Nuova Cinquecento zu beflügeln? Aus der „povera macchina“, einem armseligen Auto - anfangs sogar ohne seitliche Kurbelfenster – formte Fiat einen klassenlosen Lifestylestar, mit dem sich alle Italiener gerne zeigten. Den kleinen Leistungshunger befriedigten ab Herbst 1957 der Fiat 500 Normale mit 11 kW/15 PS und ein Jahr später der 500 Sport mit 16 kW/21,5 PS für 110 km/h. Eine weiße Lackierung mit roten Seitenstreifen kündete optisch von dieser Kraftkur.

Im Jahr 1960 wurden dann in der Basis, dem Fiat 500 D, 13 kW/18 PS Standard. Eine deutliche Veränderung erfuhr das Karosseriekonzept vier Jahre später: Mit dem Fiat 500 F verabschiedete sich der Cinquecento von den inzwischen politisch geächteten sogenannten „Selbstmörder“-Türen, die bequemen Zugang in den Fond gewährten. Als Steyr-Puch 650 TR brachte es der Kraftzwerg sogar zu Klassensiegen bei der Rallye Monte Carlo. Ähnlich viel Leistung boten die Rekordwagen und Straßenüberflieger des Carlo Abarth, die als Fiat-Abarth 595 SS und 695 SS bis zu 23 kW/32 PS und 28 kW/38 PS freisetzten – genug für eine Vmax von 140 km/h.

Fast dreißig Jahre wurde der Nuova Fiat 500 produziert, dann versuchten mehrere Nachfolger wie der bereits 1972 eingeführte Fiat 126 und der 1991 lancierte kantige Cinquecento das Erbe des Kultmobils anzutreten - erfolglos. Allein der tierisch niedliche Fiat Nuova 500 überlebte alle staatlichen Abwrackaktionen, erhielt Sonderfahrrechte in Umweltzonen und diesem automobilen Denkmal schlägt überall uneingeschränkte Sympathie entgegen. Umso erstaunlicher, dass Fiat die italienische Lebensfreude des 57er Cinqecento auf den 2007 enthüllten Cinquecento im Retrostil transferieren konnte. Bleibt abzuwarten, ob dieser äußerlich groß gewordene Kleine eines Tages auch den Kultstatus des Originals erben wird.

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