Finnische Autohausgruppe startet in Deutschland

Autor Udo Schwickal

Der Gebrauchtwagenspezialist Kamux ist seit Anfang des Jahres in Deutschland vertreten. Von Elmshorn aus will das finnische Unternehmen den deutschen Markt erobern.

Das Autohaus Kamux in Elmshorn ist der erste Betrieb der finnischen Autohandelsgruppe Kamux in Deutschland.
Das Autohaus Kamux in Elmshorn ist der erste Betrieb der finnischen Autohandelsgruppe Kamux in Deutschland.
(Foto: Autohaus Kamux)

Finnland ist hierzulande nicht gerade als Autonation bekannt. Doch zumindest im Gebrauchtwagenhandel will ein finnisches Unternehmen jetzt den deutschen Markt aufrollen.

Die Autohandelsgruppe Kamux ist 2003 in Finnland gestartet und verfügt dort mittlerweile über 42 Standorte. Hinzu kommen acht Autohäuser in Schweden und seit Anfang dieses Jahres ein erster deutscher Standort in Elmshorn. 2017 soll ein weiteres Kamux-Autohaus bei Hamburg entstehen.

„Wir sind derzeit eines der größten Unternehmen der Gebrauchtwagenbranche in Skandinavien und möchten in Europa weiter wachsen. Ein wichtiger Baustein für Wachstum sind unsere großartigen und engagierten Mitarbeiter“, erklärt Kamux-Gründer und Geschäftsführer Juha Kalliokoski. Kamux ist auf den Handel mit Gebrauchtfahrzeugen spezialisiert und möchte das Geschäft modernisieren und weiterentwickeln, um den Gebrauchtwagenkauf einfach und günstig zu gestalten.

Statthalterin von Kamux in Deutschland ist Susanne Ostendorf, Prokuristin und Vertriebsleiterin beim Autohaus Kamux in Elmshorn. Die erfahrene Autohausmanagerin ist seit 22 Jahren im Autohandel tätig und hat zuvor bei der Kath-Gruppe gearbeitet. Sie ist besonders stolz auf die schlanken Strukturen in ihrem Betrieb: „Bei uns macht jeder alles.“ Das ist aus ihrer Sicht auch der finnischen Muttergesellschaft Kamux geschuldet, die mit einem Jahresumsatz von 310 Millionen Euro 2015 nach eigenen Angaben der führende Anbieter für Gebrauchtwagen in Skandinavien ist. „In Finnland geht alles viel unkomplizierter: Der Kunde kommt ins Autohaus, sucht sich sein Fahrzeug aus und geht dann an die Kasse zum Bezahlen“, berichtet Ostendorf. Besonders gefällt ihr dort, dass das finnische Autohaus gleich die Anmeldung des Fahrzeugs übernimmt.

Bestandsmanagement und Onlinemarketing

Susanne Ostendorf legt in ihrem Betrieb ein besonderes Augenmerk auf die tägliche Preisanalyse ihres Bestands von rund 150 Fahrzeugen: „Das A und O ist das Bestandsmanagement: kalkulieren, Markt beobachten, reagieren!“ Bislang überprüft sie die Daten händisch. Mit Eröffnung des zweiten deutschen Standorts will sie aber eine eigene Software für das Standzeitmanagement anschaffen. Auch ein Servicebereich für kleinere Reparaturen und die Aufbereitung der Fahrzeuge soll dann entstehen.
Um sich gegen unerwartete Kapriolen im Markt so gut wie möglich abzusichern, setzt Susanne Ostendorf auf sogenannte Brot-und-Butter-Autos: „Wir stellen unser Fahrzeugangebot breit auf. Sportwagen oder Exoten haben wir nicht im Programm.“

Derzeit beobachtet Ostendorf, dass sich das Interesse ihrer Kunden vom sparsamen Diesel hin zu Modellen mit Benzinmotor verschiebt – möglicherweise eine Reaktion auf die unvermindert anhaltende Diskussion um Abgas-Tricks bei Dieselfahrzeugen. Die meisten Kundenanfragen kommen über das Internet. „Wir betreiben ein umfangreiches Onlinemarketing und sprechen unsere Zielgruppen individuell an, indem wir die Inhalte in den Kanälen an die Kundenwünsche anpassen. Wir kommunizieren mit den Kunden im Internet auf Augenhöhe. Daher können wir deren Bedürfnisse besser verstehen und unser Angebot entsprechend auf sie ausrichten“, beschreibt Ostendorf.

Erfolg mit Facebook Ads

Neben Social-Media-Kanälen wie Twitter, Instagram und Linked-In setzt Kamux vor allem auf Facebook Ads. Dabei definiert der Anwender einen Radius um das Autohaus, in dem seine Zielgruppe dann entsprechende Werbeeinblendungen auf ihren Account geschickt bekommt. Klassische Printwerbung in regionalen Blättern setzt Ostendorf hauptsächlich aus Imagegründen ein. Und noch ein weiteres wichtiges Erfolgsrezept für ihr noch junges Unternehmen verrät die erfahrene Automanagerin: „Der Kunde sollte sich so wenig wie möglich mit den administrativen Anforderungen beschäftigen müssen. Wir wollen ihm den Autokauf daher möglichst angenehm machen.“ Neben einer hohen Service- und Kundenorientierung sollen dazu der lockere skandinavische Umgangston sowie flache Hierarchien beitragen. Mit dieser Unternehmenskultur will das Unternehmen in Elmshorn bereits im nächsten Jahr 1.200 Gebrauchtwagen verkaufen.

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