Fit gemacht fürs zweite Leben
Schwierigkeiten mit der mechanischen Benzin-Einspritzpumpe des Old- oder Youngtimers? Kein Problem sagt der Bosch Service "Koller + Schwemmer“, einer der weltweit führenden Betriebe für mechanische Einspritzpumpen.
Hat ein altes Auto mit Vergasermotor einen schlechten Motorlauf, ist Abhilfe meist schnell geschaffen: Vergaser runter, Dreck raus, CO einstellen, bis die Augen tränen und fertig. Das kann nahezu jede Werkstatt, damals wie heute. Hat der Oldtimer jedoch eine mechanische Benzineinspritzpumpe unter der Haube, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Denn hier schrumpft die Zahl der Experten, die sich mit diesen Pumpen heute noch auskennen, auf ein paar wenige zusammen. Einer von ihnen ist der Bosch-Service Koller + Schwemmer aus Nürnberg. Er gilt weltweit als einer der führenden Spezialisten für mechanische Bosch- und Kugelfischer-Benzineinspritzpumpen.
Auch wenn diese Pumpen zuverlässige Produkte deutscher Ingenieurskunst sind, fordern Jahrzehnte der Nutzung und lange Standzeiten ihren Tribut. Folglich bleiben Defekte und Verschleißerscheinungen nicht aus. Bevor jedoch die Einspritzpumpe pauschal als Verursacher von Motorproblemen verdächtigt wird, rät Oldtimeransprechpartner Andreas Mann von Koller + Schwemmer, wie bei jedem Fahrzeugsystem gründlich die Peripherie zu prüfen.
Denn nicht selten liegt die Ursache in der Zündanlage, oder das Ansaugsystem zieht Falschluft. „Das ist nicht anders als bei Vergasermotoren. Die Gemischaufbereitung ist eine von vielen möglichen Fehlerursachen“, beschreibt Andreas Mann die Praxis. Gleiches gilt für das Einspritzsystem: Auch Einspritzdüsen, Kraftstoffverteiler und Leitungen sowie elektrische Vorförderpumpen dürfen bei der Fehlersuche nicht außer Acht gelassen werden. „Eine ausgebaute Einspritzpumpe zur Prüfung einzuschicken, ohne die Einspritzdüsen mitzuliefern, bringt so gut wie gar nichts. Denn ohne diese können wir das System Einspritzung nicht vollständig prüfen und seine korrekte Funktion gewährleisten“, sagt einer, der es wissen muss: Hermann Sattelberger, Kfz-Meister und der Experte für Oldtimer-Einspritzsysteme bei Koller + Schwemmer.
Der Feind Nummer eins jeder Einspritzpumpe und damit häufigste Ausfallursache ist Wasser. Bereits geringste Mengen des flüssigen Schädlings haben bei mechanischen Benzineinspritzpumpen gravierende Auswirkungen. Denn im Gegensatz zu den Pumpen, die Dieselkraftstoff komprimieren, fehlen bei den „Benzin-Kollegen“ die schützenden und konservierenden Ölanteile des Dieselkraftstoffs. Im frühen Stadium „verkanten“ hierbei die Pumpenkolben in den Elementen und die Sitzflächen werden undicht. Die langfristige Folge ist Rost auf Raumnocken, Spritzverstellern, Lagern usw. Oftmals führen auch Rostpartikel aus dem Kraftstofftank zu Problemen, wenn kleinste Partikel das Kaltstartventil undicht werden lassen. Die Folge: Der Motor wird überfettet.
Deshalb empfiehlt Koller + Schwemmer zum einen spezielle Benzin-Stabilisatorzusätze, die die Wasserbestandteile des Kraftstoffs binden und so eine übermäßige Korrosion verhindern helfen. Zum anderen sollte der Kraftstofffilter unbedingt regelmäßig gewechselt werden, denn in ihm lagert sich neben Schmutz auch Wasser ab. Zusätzlich sollte bei längeren Standzeiten der Tank immer voll sein, damit sich kein Kondenswasser bildet.
Wenn nichts mehr geht
Wurde im Zuge der Diagnose die Einspritzpumpe als tatsächliche Ursache für einen schlechten oder gar keinen Motorlauf festgestellt, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man bringt das Fahrzeug zu Koller & Schwemmer, oder man schickt die Pumpe samt Düsen zu den nordbayerischen Oldtimer-Experten. Dort angelangt, wird die Einspritzpumpe auf einen Pumpenprüfstand montiert und gecheckt. Anschließend erfolgt nach der Demontage die Festlegung der individuellen Instandsetzungskosten.
Sollte eine Überholung sehr umfangreich sein, so liefert der Bosch-Service gängige Pumpen auch wahlweise im Tausch. „Leider nimmt die Zahl der ‚Künstler‘ immer weiter zu, die an Pumpen selbst herumdrehen und machen. Dabei entstehen nicht selten Schäden, deren Ergebnis wir dann auf den Tisch bekommen“, schildert Pumpen-Chef Sattelberger die Situation in der Praxis. Dann kann aus einer Überholung mit zirka 1,5 Tagen reiner Montage- und Einstellzeit schnell das Vielfache werden, wenn Pumpenelemente verkantet, oder Schrauben im Aluminiumgehäuse abgerissen wurden. Über Preise für Tauschpumpen können sich Interessierte auf der Koller + Schwemmer-Homepage (siehe "Mehr zum Thema") informieren.
Sollte einmal das Altteil beim besten Willen nicht aufzubereiten sein oder kein Altteil vorhanden sein, dann bietet der Bosch-Service Koller + Schwemmer als weltweit einziges Unternehmen die Möglichkeit, eine Pumpe neu nachzufertigen. Möglich ist dies, da der Betrieb sämtliche Werkzeuge für eine Reproduktion besitzt (s. Kasten „Pumpen-Quellen“). Die Kunden, die eine mechanische Einspritzpumpe zur Überholung in Auftrag geben, sind zu zwei Dritteln Werkstätten. Leider gibt es aber auch hier immer wieder Probleme. Reklamationen und stundenlange Telefonate sind die Folge. „Da wird die Pumpe irgendwie reingesteckt, nach dem Motto: Ein Zahn hin oder her macht schon nichts aus“, schildert Meister Sattelberger die Erfahrungen.
Trotzdem kann es nach einer Überholung der Einspritzpumpe zu Problemen mit dem Motorlauf kommen: „Gelegentlich gibt es Kaltstartprobleme, deren Ursache das heutige Benzin ist. Denn das, was heute aus unseren Zapfsäulen kommt, hat mit dem, was vor 30, 40 Jahren ausgeschenkt wurde, kaum noch etwas zu tun“, erklärt Sattelberger.
Rund 350 mechanische Benzineinspritzpumpen von Old- & Youngtimern überholt Koller + Schwemmer pro Jahr. Das Know-how, das sich der Betrieb in vielen Jahrzehnten erarbeitet hat, ist beeindruckend. Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte, kann dies vor Ort, unter www.koller.de, oder auf einer der zahlreichen Oldtimermessen tun, auf denen das Unternehmen selbst oder als Bosch-Klassik vertreten ist.
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