Flächendeckende Mängel beim Ölstand

Redakteur: Steffen Dominsky

Die Mehrheit der Autofahrer in Deutschland kontrolliert selten oder nie den Füllstand des Motoröls. Das ist das Ergebnis der zweiten gemeinsamen Öl-Studie von GTÜ und Castrol.

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Die Mehrheit der Autofahrer in Deutschland kontrolliert selten oder nie den Füllstand des Motoröls und verlässt sich ganz auf den turnusmäßigen Ölwechsel im Rahmen der Inspektionen. Die zweite gemeinsame Ölstudie der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und Castrol hat ergeben, dass diese Frequenz oft nicht ausreicht: Jeder vierte Autofahrer ist mit einem Ölstand unterwegs, der die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit des Motors beeinträchtigt.

Gegenüber einer ähnlichen Untersuchung im Vorjahr ist die Zahl der falsch befüllten Autos sogar noch gestiegen. Waren 2010 noch 22,9 Prozent der Fahrzeuge betroffen, stieg ihr Anteil laut der aktuellen Untersuchung auf 25,4 Prozent. Insbesondere bei den Fahrzeugen des Segmentes IV ließ die Aufmerksamkeit für den Ölstand erheblich nach: zuletzt war mehr als jedes zweite Auto dieser Gruppe mit einer mangelhaften Schmierstoff-Versorgung unterwegs.

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Die Spanne zwischen der Minimum- und der Maximum-Markierung auf dem Ölpeilstab entspricht rund einem Liter Motoröl. Bei einem Ölstand an der Minimum-Markierung sind folglich zirka 25 Prozent weniger Schmierstoff im Motorraum, der aber die gleiche thermische und mechanische Belastung verkraften muss wie ein maximal gefülltes Öldepot. Eine stärkere Verschmutzung und schnellere Alterung des Öls sind die Folge, das Antriebsaggregat verschleißt schneller. Im Extremfall bildet sich gefährlicher Schwarzschlamm, der kapitale Motorschäden zur Folge haben kann, warnen die Experten von Castrol.

Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der Studie: Zahlreiche Autofahrer wissen nicht, welche Ölsorte ihr Fahrzeug benötigt. Entsprechend füllen sie ein Öl „falscher“ Qualität ein. Das Mischen von Ölen unterschiedlicher Qualität ist zwar technisch möglich, kann die Gesamtleistungsfähigkeit aber beeinträchtigen. Die Viskositätsklasse und das Leistungsprofil des Nachfüllöls sollten vergleichbar sein mit der in der Betriebsanleitung empfohlenen bzw. eingesetzten Sorte, raten die Ölexperten.

Probleme auch aufgrund Partikelfiltertechnik

Umgekehrt beeinträchtigt ein zu hoher Ölstand den Motor, der durch zu viel nachgefülltes Öl oder durch die Einlagerung von Kraftstoffresten entsteht. Gerade bei häufigem Kurzstreckenbetrieb kann „hineingewaschener Kraftstoff“ nicht wieder aus dem Motoröl ausdampfen. In Extremfällen hat die Studie von GTÜ und Castrol einen Anteil von 20 Prozent nachgewiesen.

Bei einem stark überhöhten Füllstand kann die Kurbelwelle in den Ölstand eintauchen („Panschen“) und Ölnebel im Kurbelgehäuse verursachen, der über die Gehäusebelüftung in den Brennraum gelangt. Die Folgen sind eine geringere Leistung durch die sogenannten Panschverluste, eine unsaubere Verbrennung und hohe Emissionen. Im ungünstigsten Fall können Dieselmotoren unkontrolliert hochdrehen, da der Ölnebel dann wie Kraftstoff wirkt, ohne dass der Fahrer das Gaspedal drückt.

Deshalb sollten Autofahrer laut Castrol folgende Tipps beachten:

  • Den Ölstand mindestens einmal im Monat kontrollieren,
  • Beim Nachfüllen auf Motoröle mit gleichem Qualitätsniveau zurückgreifen,
  • Auf synthetische Leichtlauföle setzen – die Mehrkosten bei der Anschaffung werden in der Regel durch Kraftstoffeinsparungen refinanziert.

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