Ford: E-Autos gegen schwächelndes Europageschäft

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Dass man den alten Kontinent noch nicht abgeschrieben hat, zeigt die Tatsache, dass der Kompakt-Crossover Kuga die erste Baureihe des amerikanischen Autobauers ist, bei der drei verschiedene Hybridvarianten geplant sind – MHEV, HEV und PHEV. Wie auch der Explorer steht der Puma vor einem Comeback. Zwar nicht mehr als kleines Sportcoupé, das 2001 nach nur vier Jahren eingestellt wurde, sondern als Crossover-Coupé auf Fiesta-Basis mit einer MHEV-Option. Die Ford-Verantwortlichen schwören Stein und Bein, dass dies nicht das Ende des Ecosport bedeutet, der auf der gleichen Architektur steht. Doch wenn der rollende Berglöwe auf Kosten des Technikverwandten zum Erfolg wird, fällt die Axt aus Michigan schnell und kompromisslos.

Ford setzt aber nicht nur die klassischen Endkundenmodelle unter Strom. Auch die Nutzfahrzeugsparte wird elektrifiziert. Dabei soll die Veränderung im Antriebsstrang nicht zum Nachteil der Praktikabilität gehen. Sei es beim Transit Custom (PHEV), dem Torneo Custom (ebenfalls als PHEV erhältlich) oder dem BEV-Transit. Ob sich dieses Konzept bei der traditionell eher skeptischen Klientel durchsetzt, wird sich zeigen. Denn ein Handwerker, der tagtäglich auf sein Fahrzeug angewiesen ist, will sich keine Gedanken darüber machen, wo und ob ein Auto aufgeladen werden kann. Deswegen bietet man Stützpfeiler der Blaumannsparte, wie den Transit, auch als Mildhybrid-Version oder mit konventionellen Motoren an.

Der Elektro-Crossover Ford Mach E soll dieses Jahr dem Tesla Model X, dem Audi E-Tron und dem Jaguar I-Pace den Garaus machen. Inspiriert ist der dynamische Stromer – wie könnte es anders sein – vom Mustang. Die Ikone ist ja fast immer die Marketing-Blaupause, wenn sportliche Fahrleistungen gefragt sind. „Das Auto geht wie die Hölle und macht aus einem ‚Petrol Head‘ einen ‚Battery Head‘“, strahlt Ford-Europa-Chairman Steven Armstrong. Neben der Bekehrung der Benzinerfraktion soll das Vehikel auch noch eine Reichweite von 600 Kilometern (WLTP) haben.

So beeindruckend ein solches kW- und Reichweiten-Monster auch für das Image sein mag, er wird die europäische Division der Pflaumenmarke von einem Verlust von 441,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr nur schwerlich in das gelobte Land der Gewinne zurückführen. Ein solches BEV, das zudem erst 2020 erscheint, hat keine große Gewinnmarge und wird sicher kein Volumenmodell. Das sind dann schon eher die Mild-Hybrid-Varianten von Focus und Fiesta. Dennoch wird beim Gesundungsplan viel davon abhängen, ob sich die Elektromobilität beziehungsweise die Elektrifizierung der Antriebsstränge wie erhofft durchsetzt.

Bei der Umsetzung dieser Strategie setzt die Europadivision des US-Autobauers auf eine Doppelspitze, bestehend aus Steven Armstrong, der sich vornehmlich um strategische Fragen kümmert, und Stuart Rowley, der mit dem radikalen Umbau und dem Sparplan betraut ist. Auch da muss alles geschmeidig laufen, wenn die Prozedur gelingen soll, denn nicht nur viele Köche verderben den Brei, sondern auch zu viele Chirurgen eine Operation.

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