Suchen

Ford: E-Autos gegen schwächelndes Europageschäft

| Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Jakob Schreiner

Für den Autobauer läuft es derzeit vor allem in Europa nicht sonderlich gut. Um wieder aus der Verlustzone zu kommen, setzt Ford bei seinen Modellen voll auf die Karte Elektrifizierung. Da der Stromer-Poker einem rigorosen Sparplan unterworfen ist, drohen einige Gefahren.

Firmen zum Thema

(Bild: Ford)

Größe zählt! Das trifft nirgendwo mehr zu als in den USA. Der Ford Explorer erfüllt diese Prämisse definitiv. Mit einer Breite von 2,28 Metern (inklusive Spiegeln) wird das 5,05 Meter lange SUV zum Feind der linken Spur einer jeden Autobahnbaustelle. Ford schaltet mit dem optisch deutlich aggressiveren Auftritt des Explorers einen Gang hoch und will mit dem Crossover in die Phalanx der Premiummodelle, wie zu Range Rover oder Audi Q7, einbrechen. Doch der gnadenlose Sparzwang, den der US-Autobauer mittlerweile fährt, wird deutlich, wenn man sich die Details des Fahrzeugs vor Augen führt.

Den Explorer gibt es in Europa nur als Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 331 kW/450 PS, einem maximalen Drehmoment von 840 Newtonmetern und einer rein elektrischen Reichweite von dürftigen 40 Kilometern. Das ist nur schwerlich zukunftsweisend. Der Grund: Mehr Reichweite bedingt eine größere Batterie, und das kostet mehr Geld. Schließlich soll der Explorer zunächst nur in der ST-Ausstattungslinie angeboten werden und ab Anfang 2020 dann zusätzlich in der Platinum-Version auf den Markt kommen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Die hat dann einen 10,1 Zoll großen, hochkant platzierten Infotainment-Bildschirm statt des zunächst verbauten 8,4-Zoll-Monitors. Der Ausstattungsvarianten-Kahlschlag soll die Kosten niedrig halten. Zudem wird das SUV nur als Linkslenker gebaut. „Das ist eine rein wirtschaftliche Entscheidung“, erklärt der oberste europäische Produktentwickler Jörg Beyer. Der Explorer soll vor allem im Flottenmarkt, also auch als Dienstwagen, erfolgreich sein und europaweit rund 10.000 Mal pro Jahr verkauft werden.

Dass Ford in Russland zwei Werke schließt und der C-Max eingestellt wird, zeigt, dass in Dearborn Michigan keine Rücksicht mehr auf Befindlichkeiten der europäischen Tochter genommen wird. Aus dem Dreischicht- wird jetzt ein Zweischichtbetrieb, und die straffere Arbeitszeit wird nun ganz auf den Ford Focus und dessen Derivate konzentriert. Die versprechen mehr Profit als der aus der Mode gekommene Van. „Für Ford zählt nur Business, Business, Business“, sagt ein Topmanager hinter vorgehaltener Hand.

Beim Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann klingt das staatsmännischer: „Wir haben im Januar angekündigt, unser Geschäft in Europa grundlegend zu transformieren. Ziel ist die kurzfristige Rückkehr in die Gewinnzone und ein langfristig wettbewerbsfähigeres Geschäft.“ Um diese Vorgabe zu erreichen, helfen Werkschließungen und das Einstellen von Modellreihen nur bedingt. Zwar werden so Kosten abgebaut, aber auch dieser Effekt verpufft irgendwann, und wenn man es mit dem Amputieren übertreibt, ist der Patient nicht mehr überlebensfähig. Stichwort: kaputtsparen.

Also investiert man bei Ford in die Zukunft. Und die soll elektrisch sein. 16 elektrifizierte Modelle sollen den US-Autobauer wieder auf die Siegerstraße bringen. Varianten reichen von Mildhybriden (MHEV) über einen Hybriden (HEV) bis hin zu Plug-in-Hybriden (PHEV) und rein elektrischen Fahrzeugen (BEVs). Acht sollen noch dieses Jahr erscheinen, allerdings werden einige erst später im Jahr präsentiert, sodass die volle Wucht der Elektrooffensive erst 2020 zum Tragen kommt.

(ID:45848836)