Forscher sieht große Probleme für autonomes Fahren

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Die Automobilhersteller erwarten, dass im Jahr 2020 die ersten selbstfahrenden Autos in Serie verfügbar sind. Nun warnt ein Verkehrsforscher, dass das Nickerchen während der Fahrt noch lange eine Utopie bleiben wird.

Vollkommen autonomes Fahren ist laut einem Verkehrsforscher noch lange nicht serienreif.
Vollkommen autonomes Fahren ist laut einem Verkehrsforscher noch lange nicht serienreif.
(Bild: BMW)

Ein Forscher der Technischen Universität Braunschweig, immerhin ein Zentrum zur Entwicklung des autonomen Fahrens, sieht noch viel Arbeit auf die Entwickler der Computerautos zukommen. Aussagen der Automobilindustrie, die Technik sei praktisch einsatzbereit und benötige nur noch geeignete Rahmenbedingungen, sei voreilig und wecke falsche Erwartungen, sagte TU-Forscher Mark Vollrath im Interview mit „Spiegel Online“.

Das autonome Fahren zählt bekanntlich zu den wichtigsten Entwicklungsprojekten der Automobilindustrie. Sie verspricht sich durch den Technologiesprung neue Verkaufsargumente, die Insassen hoffen auf entspannte Reisen. Doch gerade bei den Verbrauchern weckten die Botschaften völlig falsche Vorstellungen. „Ein Nickerchen während der Fahrt sollte man auch künftig lassen“, sagte Vollrath. Die Systeme seien dafür nicht reif genug. Der Fahrer müsse sofort eingreifen können, „bei höheren Geschwindigkeiten kann es sonst tödlich enden“.

Ein Problem sei der Mischverkehr, denn nach der Einführung autonom fahrender Autos werde es noch lange viele Fahrzeuge ohne diese Technik geben. Beide Gruppen müssten sich dann arrangieren. Das könne nur funktionieren, wenn der Computer weiß, wie der menschliche Fahrer tickt. Und davon sei die Industrie noch weit entfernt.

Das liegt laut dem Forscher, einem Verkehrspsychologen, auch an der durchaus hoch entwickelten menschlichen Fahrkompetenz. „In Relation zu den Abermillionen Fahrten, die die Menschen jedes Jahr zurücklegen, kracht es doch erstaunlich selten. Das müssen automatische Fahrzeuge erst einmal hinkriegen“, sagte er. Die heute schon verbauten Assistenzsysteme in den Autos könnten zwar vieles abnehmen, doch letztlich „fährt der Computer eben nicht so, wie Menschen fahren“. Gefährliche Konflikten zwischen menschlich und maschinell gesteuerten Autos seien dann programmiert.

Einige technische Baustellen

Auch technisch sind computergesteuerte Fahrzeuge aus Vollraths Sicht noch Zukunftsmusik. Die derzeit im Test befindlichen Prototypen würden nur in einfachen, übersichtlichen Situationen funktionieren: auf Autobahnen und auf Strecken, die sehr gut ausgebaut und markiert sind. Kommen die Autos in unübersichtliche, komplexe Situationen, „wird klar, dass noch eine ganze Menge von Problemen zu lösen ist“.

Als Psychologe sieht er zudem noch ein weiteres gewichtiges Hemmnis für den Durchbruch der autonomen Technik: den Menschen und seine Freude am Fahren. Autonom fahrende Autos seien gezwungen, sich an definierte Regeln zu halten. „Dadurch werden wir Menschen gedrängt, uns auch an all die Regeln zu halten, uns bleibt dann kein Freiraum mehr.“

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