Zulieferer Milliarden-Verlust bei Forvia – Interieur-Verkauf soll Schulden drücken

Von Sven Prawitz 3 min Lesedauer

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Forvia schreibt herbe Verluste und will seine Interieur-Sparte veräußern. Bis 2028 soll die operative Marge des deutschen Lichtspezialisten Hella auf sieben Prozent steigen. Hella selbst liefert stabile Zahlen.

Forvia stellt sich nach Verlusten im Geschäftsjahr 2025 neu auf. Das Interieur-Geschäft will der Zulieferer verkaufen.(Bild:  Forvia)
Forvia stellt sich nach Verlusten im Geschäftsjahr 2025 neu auf. Das Interieur-Geschäft will der Zulieferer verkaufen.
(Bild: Forvia)

Forvia hat eine neue Ausrichtung vorgestellt. Unter dem Namen „Ignite“ plant der Automobilzulieferer eine Neuordnung seines Portfolios in zwei Cluster: einen Wachstums- und einen Wertbereich. Das Kernstück der Transformation ist der geplante Verkauf der Interieur-Sparte, wie das Unternehmen mitteilt.

Die neue Strategie gliedert sich in zwei Phasen: „Focus & Strengthen“ soll bis ins Jahr 2028 die operativen und finanziellen Grundlagen stärken. Anschließend folgt die Phase „Lead & Grow“ mit dem Ziel, schneller profitable Wachstumsraten zu erreichen. „Ignite markiert den Beginn eines neuen strategischen Kapitels für Forvia“, sagt Forvia-Chef Martin Fischer. Der Plan schärfe den Fokus und richte das Portfolio auf jene Bereiche aus, die die Zukunft der Mobilität prägen werden.

Das Geschäftsjahr 2025 schloss Forvia mit einem Nettoverlust von 2,1 Milliarden Euro ab, nach einem Verlust von 185 Millionen Euro im Vorjahr. Das berichtet die französische Zeitung „Le Figaro“. Der Konzernumsatz sank um drei Prozent auf 26,2 Milliarden Euro. Die operative Marge lag bei 5,6 Prozent – nach 5,2 Prozent im Vorjahr.

Der hohe Verlust ist laut Le Figaro auf das operative Geschäft und außerordentliche Abschreibungen von 1,8 Milliarden Euro zurückzuführen. Davon entfallen 578 Millionen Euro auf den geplanten Verkauf der Interieur-Sparte, 920 Millionen Euro auf Abschreibungen im Licht- und Elektronikgeschäft und 209 Millionen Euro auf die Beteiligung an Symbio – als Folge des Stellantis-Ausstiegs aus dem Wasserstoffgeschäft.

Forvia war in den Jahren 2020, 2021 und 2022 bereits in den roten Zahlen. In den vergangenen sechs Jahren war laut Le Figaro nur 2023 profitabel.

Interieur-Verkauf in finaler Phase

Der geplante Verkauf der Interieur-Sparte steht nach Unternehmensangaben in der finalen Verhandlungsphase mit mehreren Interessenten. Die Sparte erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro – das entspricht 18 Prozent des Konzernumsatzes. Betroffen sind laut der Zeitung 60 Standorte und 31.000 Beschäftigte. Die Transaktion soll die Nettoverschuldung um mindestens eine Milliarde Euro reduzieren. Ende 2025 lag die Verschuldung laut Le Figaro bei sechs Milliarden Euro.

Die verbleibenden Einheiten teilt Forvia in zwei Gruppen: Der Wachstums-Cluster konzentriert sich auf Elektronik und Sitze. Im Elektronikgeschäft, das 2025 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielte, sieht Forvia starke Wachstumschancen. Bis 2028 strebt das Unternehmen Erlöse von 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro an – bei einer operativen Marge von mindestens acht Prozent. Nach 2028 erwartet Forvia in diesem Bereich eine organische Wachstumsrate von mindestens zwölf Prozent jährlich.

Das Sitzgeschäft erzielte 2025 einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro. Forvia will hier durch Innovationen bei Komfort, Wellness, Sicherheit und Nachhaltigkeit den Umsatz pro Fahrzeug steigern. Bis 2028 sollen die Erlöse auf 8,7 bis 9,1 Milliarden Euro wachsen, bei einer operativen Marge von mindestens 6,5 Prozent. Ab dem Jahr 2028 rechnet das Unternehmen mit einem jährlichen Wachstum von etwa vier Prozent.

Wert-Cluster mit Fokus auf Performance

Der Wert-Cluster umfasst Clean Mobility, Lifecycle Solutions, Clarion und Lighting. Diese Bereiche sollen primär Cashflow generieren und Flexibilität bieten. Clean Mobility und Lifecycle Solutions konzentrieren sich auf nachhaltige zweistellige Margen. Bei Clarion und Lighting will Forvia das Margenpotenzial durch Kostenrationalisierung und disziplinierte Investitionen erschließen.

Im Lichtgeschäft hat Forvia 2025 erhebliche Abschreibungen vorgenommen – wegen kurzfristig nach unten korrigierter Verkaufsprognosen und operativer Schwierigkeiten, berichtet Le Figaro.

Einschließlich geplanter Veräußerungen erwartet Forvia für den Wert-Cluster 2028 einen Umsatz von 8,4 bis 8,8 Milliarden Euro – nach zehn Milliarden Euro 2025. Die operative Marge soll im gleichen Zeitraum auf mindestens sieben Prozent steigen, nach 5,9 Prozent 2025.

Von den im Jahr 2024 angekündigten 10.000 Stellenstreichungen bis 2028 hat Forvia nach Angaben der Zeitung bereits 6.400 umgesetzt. Die Restrukturierungskosten beliefen sich 2025 auf 410 Millionen Euro.

Hella mit stabiler Entwicklung

Die Forvia-Tochter Hella hat für das Geschäftsjahr 2025 vorläufige Zahlen vorgelegt. Der währungsbereinigte Umsatz lag mit acht Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Unter Berücksichtigung negativer Wechselkurseffekte sank der Umsatz um 2,1 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 474 Millionen Euro, die operative Marge stieg auf sechs Prozent. Der Netto-Cashflow kletterte signifikant auf 318 Millionen Euro – das entspricht vier Prozent des Umsatzes.

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Wesentlicher Treiber war das Elektronikgeschäft, dessen Umsatz um 4,5 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro wuchs. Maßgeblich dafür war das Wachstum im Radarbereich durch neue Kundenprojekte und den Hochlauf bestehender Serienproduktionen. Im Geschäftsbereich Licht sank der Umsatz um gut acht Prozent auf 3,7 Milliarden Euro – vorwiegend wegen des Auslaufs großvolumiger Serienprojekte in China und Amerika und rückläufiger Produktionsvolumina in Europa.

Für 2026 erwartet Hella einen währungsbereinigten Umsatz zwischen 7,4 und 7,9 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 5,4 bis sechs Prozent. „Wir werden unsere Agilität und Innovationsgeschwindigkeit weiter erhöhen und die regionale Diversifizierung beschleunigen“, sagte Hella-Chef Peter Laier.

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